- 28.10.2013, 09:37:42
- /
- OTS0032 OTW0032
WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wir alle sind Ratingagenturen - von Manfred Haider
Jeder Einzelne von uns hat es in der Hand, wie unser Land künftig dasteht
Utl.: Jeder Einzelne von uns hat es in der Hand, wie unser Land
künftig dasteht =
Wien (OTS) - Die US-Agentur S&P hat am Freitag ihr Rating für
Österreich mit "AA+" bestätigt und der künftigen Regierung die Rute
ins Fenster gestellt: Sollte diese den Konsolidierungspfad verlassen,
droht ihr ein weiteres Downgrade. Dabei ist S&P bereits jetzt die
einzige von vier Agenturen, die unserem Land nicht mehr die
Spitzenbonität zuerkennt. Die Auswirkungen auf die Kupons neuer
Anleihen haben sich bisher zwar in Grenzen gehalten - dennoch ist in
der öffentlichen Wahrnehmung im Zuge der Schuldenkrise in Europa der
Eindruck entstanden, einige Staaten würden von der US-dominierten
Ratingbranche zu hart angefasst, um von den Problemen in Amerika
abzulenken. Zuweilen war es aber auch genau umgekehrt: Die in die
Bredouille geratenen Banken in Europa, die von den Staaten
aufgefangen werden mussten, seien punkto Rating zu sanft angefasst
worden, hieß es. Ein Indiz dafür könnte sein, dass die
Ratingagenturen von den Unternehmen bzw. Staaten, die sie raten
müssen, auch bezahlt werden. In Summe hatten die Ratingagenturen im
Vorjahr die stolze Summe von 7,15 Milliarden US-$ kassiert (s. Seite
13). Zuweilen wird auch die Forderung erhoben, die Europäer müssten
als Gegengewicht eine europäische Ratingagentur aufbauen - nach dem
Motto, wir raten uns einfach selbst, wenn die anderen böse sind.
Dabei hat es jeder Einzelne von uns in der Hand, wie unser Land
dasteht: etwa indem man Parteien wählt, die nicht die meisten
Wohltaten auf Kosten künftiger Generationen versprechen, sondern ein
vernünftiges Konzept aus Zukunftsinvestitionen und sparsamer
Haushaltsführung vorlegen.
Mittlerweile sind die Wahlen geschlagen und die Konzepte für die
nächsten fünf Jahre werden hinter verschlossenen Türen verhandelt.
Trotzdem kann jeder Einzelne einen Beitrag für das Rating unseres
Landes leisten - sei es, indem man sich bewusst wird, dass
Schwarzarbeit und zu Unrecht bezogene Sozialleistungen Einfluss auf
unsere Schuldenquote nehmen, oder auch indem man österreichischen
Staatsanleihen mehr Vertrauen schenkt als anderen. Bereits jetzt
werden 90 Prozent von Europäern gehalten. In den USA hingegen ist
China der größte Auslandsgläubiger. Sollten die Chinesen irgendwann
nicht mehr mitspielen und aufhören, US-Anleihen zu kaufen, dann hilft
auch keine US-dominierte Ratingbranche mehr.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






