- 22.10.2013, 11:33:41
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Studie zeigt stille Revolution im Gesundheitswesen
Patientinnen und Patienten werden wählerisch und wollen immer mehr mitentscheiden
Utl.: Patientinnen und Patienten werden wählerisch und wollen immer
mehr mitentscheiden =
Wien (OTS) - Patientinnen und Patienten werden wählerisch und
bestimmen immer mehr mit, etwa bei der Wahl des Krankenhauses und von
Therapien. Dazu tauschen die Bürgerinnen und Bürger via Internet
zunehmend Informationen über die Qualität der Spitäler aus, wie eine
Untersuchung des Marktforschungsunternehmens market unter 1.000
Österreicherinnen und Österreichern ergab. "Es findet regelrecht eine
stille Revolution im Gesundheitswesen statt", erklärt Dr. Michael
Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe und Auftraggeber der
Studie. Als Antwort auf diese Entwicklung sollen bei der bundesweiten
Krankenanstaltenplanung zusätzlich zum Versorgungsbedarf konkrete
Qualitätskennzahlen berücksichtigt werden. Außerdem fordert er von
der nächsten Bundesregierung eine bundesweite Offensive für
Gesundheits-Bildung in der Bevölkerung.
Die Beziehung zwischen Bürgerinnen und Bürgern und den Spitälern
ändert sich: War die Wahl des Krankenhauses traditioneller Weise die
Angelegenheit der zuweisenden Ärztinnen und Ärzte, so sagen heute
zwei Drittel aller Bürger/innen, dass sie sich im Falle einer
Krankheit das Spital selber aussuchen und nicht die zuweisenden
Ärztinnen und Ärzte allein. Nur noch jeder Fünfte überlässt diese
Entscheidung einer Ärztin oder einem Arzt. Konkret gaben in der
market-Befragung 63 Prozent an, dass sie die Entscheidung für das
Krankenhaus allein treffen. Die zuweisenden Ärztinnen und Ärzte
erfüllen bei der Spitalswahl in den meisten Fällen die Wünsche der
Patientinnen und Patienten.
Um das aus ihrer Sicht beste Spital aussuchen zu können, fordern
Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich Qualitätsvergleiche. Mehr als die
Hälfte der Bevölkerung (51 %) möchte die Krankenhäuser sogar dazu
verpflichten, Informationen über Heilungserfolge zu veröffentlichen.
Ähnlich viele (57 %) wünschen sich mehr Informationen über die
behandelnden Ärztinnen und Ärzte (57 %) und über das Krankenhaus im
jeweiligen Spezialgebiet (53 %). Gar 71 Prozent der Befragten
erklären, dass sie die verfügbaren Informationen über ein Spital als
Grundlage nehmen, um gegebenenfalls ein anderes Krankenhaus zu
wählen.
Für Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, ist
das ein klarer Auftrag an die Politik, zu erhebende
Qualitätskennzahlen in der Krankenhausplanung zu berücksichtigen:
"Patientinnen und Patienten wollen ihre Leiden in den jeweils dafür
qualifiziertesten Spitälern behandeln lassen." Daher sollte die
nächste Bundesregierung in der Krankenanstaltenplanung auf konkrete
Qualitätskennzahlen zurückgreifen, die im Auftrag des
Gesundheitsministeriums seit 2011 erhoben werden. Zusätzlich sollten
neben Qualitäts-Zertifizierungen und Statistiken über
Heilungserfolge bundesweite Patientenbefragungen eingesetzt werden.
Informationsaustausch zwischen Patientinnen und Patienten
Was die Verfügbarkeit von Informationen betrifft, wissen nur 39
Prozent, wo sie Informationen über ein Krankenhaus und die
behandelnden Ärztinnen und Ärzte bekommen. Um den Mangel an
verfügbaren Informationen über Leistungen und Qualität auszugleichen,
wählt eine große Mehrheit den Austausch mit anderen "Konsument/innen
des Gesundheitssystems": 88 Prozent der Studienteilnehmer/innen
wollen ihre Erfahrungen mit Spitälern anderen Menschen mitteilen. Das
steht im Einklang mit der kürzlich veröffentlichten Erhebung, dass im
Jahr 2012 bundesweit 46.000 Internet-Postings über Spitäler
publiziert wurden.
"In der Diskussion wurde bisher der große Bedarf der Bürgerinnen und
Bürger nach Dialog, nach Austausch von Informationen und Erfahrungen
zu wenig beachtet. Österreichs Spitäler müssen sich den neuen
Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten anpassen, sonst bekommen
sie in der Bevölkerung das Image eines Amts", interpretiert Dr.
Werner Beutelmeyer von Marktforschungsinstitut market die
Studienergebnisse.
Als Antwort auf diesen Trend entwickelt die Vinzenz Gruppe für ihre
sieben Krankenhäuser und anderen Gesundheitseinrichtungen ein
österreichweites Dialog-Programm. "In unseren Einrichtungen ist der
Dialog traditionell sehr intensiv, weil es für einen guten
Heilungserfolg notwendig ist, den Menschen als Ganzes zu betrachten
und sich für seine Gedanken zu interessieren. Neu ist jetzt, dass wir
den intensiven Dialog zukünftig mit der gesamten Bevölkerung führen",
so Heinisch.
Offensive für Gesundheitsbildung gefordert
Die Studie zeigt deutlich, dass die Österreicherinnen und
Österreicher mehr über ihre Gesundheit, Gesundheitsvorsorge und
Therapien wissen wollen, es fehlt aber an qualifizierten
Bildungsangeboten und Initiativen. 61 Prozent der Bevölkerung wissen
nicht, wo sie Informationen über Krankenhäuser und ihre
Therapieangebote bekommen können.
Großes Potenzial besteht außerdem im wachsenden Bedürfnis der
Patientinnen und Patienten, sich mehr bei ihrer Therapie zu
engagieren. In internationalen Studien wurde bereits erhoben, dass
engagierte Patient/innen einen größeren Beitrag zu einer raschen
Heilung leisten als nicht ausreichend informierte Patient/innen. Um
mehr zur eigenen Gesundheit betragen zu können, benötigen die
Bürgerinnen und Bürger daher mehr Gesundheitskompetenz.
Heinisch: "Die Gesundheitserziehung wird in Österreichs Schulen
stiefmütterlich behandelt. Hierzulande wissen vor allem junge
Erwachsene viel zu wenig über ihren Körper und was sie für ihre
Gesundheit tun können. Eine zentrale Aufgabe für die neue
Bundesregierung in der Gesundheitspolitik ist es daher, die
Gesundheitskompetenz in Österreich zu verbessern. Das ist für die
Gesundheit der Bevölkerung genauso notwendig wie für die Senkung der
Gesundheitskosten."
Großes Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte und gutes Image der Spitäler
sind ungebrochen
Den Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Spitälern
stellt eine große Mehrheit der Bevölkerung gute Noten aus: Rund 70
Prozent wurden laut eigenen Angaben bei ihrem letzten
Spitalsaufenthalt von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
"respektvoll" und "zuvorkommend" betreut, nur 4 Prozent fühlten sich
"nicht gut aufgehoben". Trotz der gestiegenen Ansprüche würden 89
Prozent der Patienten wieder dasselbe Krankenhaus wählen und 83
Prozent würden dieses Krankenhaus sogar anderen empfehlen. "Die
Patientinnen und Patienten werden zwar wählerisch, aber sie sehen
auch, dass ihre Ärztinnen und Ärzte genauso wie Pflegerinnen und
Pfleger sowie alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Spitäler mit hoher Kompetenz und großem Engagement für sie im Einsatz
sind", so Heinisch abschließend.
Bildmaterial und Presseunterlagen verfügbar unter
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