- 21.10.2013, 09:51:00
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Politik als Betriebsrisiko - von Magdalener Rauscher-Weber
Unternehmer in der Politik haben ein Vereinbarkeitsproblem
Utl.: Unternehmer in der Politik haben ein Vereinbarkeitsproblem =
Wien (OTS) - Es tut sich was im Parlament. Wenn der Nationalrat am
29. Oktober zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt, sind
viele neue Abgeordnete dabei - und etliche davon sind Unternehmer.
Vor allem die neue Parlamentspartei Neos und das erstmals zur Wahl
angetretene Team Stronach sorgen dafür, dass die Selbstständigen im
Parlament künftig deutlich stärker vertreten sind als bisher.
Für die Wirtschaft ist das eine große Chance, endlich mehr ihrer
Anliegen durchzubringen. Für die betroffenen Politiker bedeutet der
Einstieg in die Politik vor allem eine enorme Herausforderung: Sie
müssen sich am glatten Polit-Parkett bewähren, ohne ihre
wirtschaftliche Existenz zu gefährden - schließlich gibt es ein Leben
nach der Politik. Denn als Politiker wollen die wenigsten in Pension
gehen.
Die Mehrheit der 183 Abgeordneten zum Nationalrat stellen weiterhin
Angestellte und Beamte. Sie gehen mit ihrem politischen Engagement in
der Regel kein berufliches Risiko ein - schließlich haben sie die
Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder sich überhaupt
karenzieren zu lassen. Eine Rückkehr in den Beruf ist meist kein
allzu großes Problem. Für die Unternehmer ist die Politik ein echtes
Betriebsrisiko, sie haben ein "Vereinbarkeitsproblem": Widmen sie
sich weiter mit voller Kraft ihrem Betrieb, können sie politisch
wenig erreichen. Stürzen sie sich voll in die neue Aufgabe, kommt der
Betrieb zu kurz; schließlich hat auch ihr Tag nur 24 Stunden. Für die
meisten geht erst einmal die Politik vor. Sie reduzieren ihre
unternehmerische Tätigkeit oder stellen sie ganz ruhend. Finanziell
sind sie durch den ansehnlichen Abgeordnetenbezug abgesichert -
solange sie im Nationalrat sind. Nach der Polit-Karriere könnte es
schwierig werden.
Dieser Drahtseilakt schreckt viele ab und ist mit ein Grund, warum
die Wirtschaftsvertreter im Hohen Haus nach wie vor eine Minderheit
sind. Dabei gibt es enorm viel zu tun: Hohe Lohnnebenkosten,
Steuerbelastung, Arbeitszeitflexibilisierung, Bildung und Bürokratie
sind nur einige Schlagwörter, die im Wahlkampf immer wieder gefallen
sind. Den neuen Parlamentariern kommt bei der Umsetzung der
Wahlversprechen eine wichtige Rolle zu. Sie müssen dafür sorgen, dass
die wirtschaftlichen Interessen nicht wieder anderen
parteipolitischen Vorgaben zum Opfer fallen - im eigenen Interesse.
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