• 15.10.2013, 17:49:01
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Franks Werk, Lindners Beitrag"

Ausgabe vom 16. Oktober 2013

Utl.: Ausgabe vom 16. Oktober 2013 =

Wien (OTS) - Es war also ein "schon lange gehegter Wunsch" Monika
Lindners, "selbst einen aktiven Beitrag im politischen Leben des
Landes zu leisten". Heißt es jedenfalls in einer von einem PR-Büro
versandten Mitteilung. Das ist aller Ehren wert, der Dienst an der
Allgemeinheit hat schließlich in den vergangenen Jahren nicht gerade
an Ansehen gewonnen, um es diplomatisch zu formulieren.

Nun steht außer Zweifel, dass Lindner, die ehemalige
Generaldirektorin des ORF, jedes Recht hat, ein ihr zustehendes
Mandat auch anzunehmen. Ob sie - und wenn, wie viel - selbst dazu
beigetragen hat, es zu erringen, ist irrelevant. Nur eines sollte man
jetzt, bitte schön, nicht tun: argumentieren, die Wähler hätten es so
gewollt. Lindner verdankt ihr Mandat allein Frank Stronach, der es
irgendwann für eine gute Idee gehalten hat, sie aufzustellen; kein
Wunder, es war ja Stronachs eigene Idee, da kann sie ja nur gut
gewesen sein.

Der Fall Lindner hat - ungeachtet aller höchst naheliegenden Fragen,
die den politischen Anstand betreffen - aber auch sein Gutes, legt er
doch die dahinterstehenden Mechanismen offen. Stronach hat dieses
System nicht erfunden, er hat es nur für seine Zwecke
instrumentalisiert. Und dabei ist durchaus bemerkenswert, wie sehr
dieses von SPÖ und ÖVP ersonnene System den Interessen eines
Patriarchen mit politischen Allmachtsfantasien in die Hände gespielt
hat.

Die vorderen Plätze auf den Listen für die Direktwahlkreise und die
Landeslisten wären dabei für attraktive Regionalkandidaten
vorgesehen, die Plätze auf der Bundesliste für Fachpolitiker und
Experten, die zwar für einen lebendigen Parlamentarismus unerlässlich
sind, aber auf herkömmlichem Weg niemals den Weg in den Nationalrat
finden könnten.

Aber alle Theorie ist bekanntlich grau, die Realität schaut anders
aus: Konkret haben 268.679 Wähler einem einzigen Mann ihre Stimme
gegeben, der aller Wahrscheinlichkeit nach in einigen Monaten der
österreichischen Politik wieder Adieu sagen wird; dafür sitzen jetzt
aber elf Abgeordnete im Parlament, von denen nicht ein einziger von
sich behaupten kann, die Wähler hätten ihn mit einem Mandat
ausgestattet.

Das alles ist rechtens und gleichzeitig ziemlich merkwürdig. Stronach
hat dieses System perfektioniert - und damit demaskiert.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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