• 14.10.2013, 10:03:05
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Opec als Relikt der Vergangenheit - von Alexander Hahn

Der Schieferölboom stellt die Existenzberechtigung der Opec infrage

Utl.: Der Schieferölboom stellt die Existenzberechtigung der Opec
infrage =

Wien (OTS) - Es gab Zeiten, in denen die westliche Welt vor der Macht
des Ölkartells Opec zitterte. Nach dem Yom-Kippur-Krieg drehten die
arabischen Opec-Staaten kurzerhand den Ölhahn zu, was als erster
Ölpreisschock 1973/74 in die Wirtschaftsgeschichte einging.

Gegen Ende des Jahrzehnts erfolgte im Zuge der Revolution im Iran der
Zweite, was den Ölpreis endgültig in damals schwindelerregende Höhen
trieb. Dank der wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten war dies jedoch
gleichzeitig der Beginn einer Trendwende - denn bekanntlich sind hohe
Ölpreise das beste Mittel gegen hohe Ölpreise.

Dadurch wurde die Ausbeutung anderer Öllagerstätten, konkret in der
Nordsee, erst wirtschaftlich rentabel. Gleichzeitig hat damals
erstmals der Energiespargedanke um sich gegriffen und auch
verbrauchsseitig zu Effizienzsteigerungen beigetragen.

Die Folge waren zwei Jahrzehnte tendenziell sinkender Ölpreise, die
sich von der Spitze bis zum Tief auf ein Viertel verringerten.
Gleichzeitig zeigten in dieser Phase auch Risse im Fundament der
Opec: Statt gemeinsam dem Preisverfall mit verringerter Förderung zu
begegnen, versuchten die Mitgliedstaaten ihre eigenen Öleinnahmen zu
sichern.

Rund um die Jahrtausendwende setzte der nächste Preisschub ein, der
den Ölpreis in der Spitze auf 140 US-$ je Barrel klettern ließ.
Dadurch wurde die nächste Revolution am Ölmarkt ausgelöst, nämlich
jene des unkonventionellen Öls. Dessen Ausbeutung ist durch die
Preisanstiege der 2000er-Jahre ebenfalls rentabel geworden und hat in
den USA zu einem regelrechten Boom von Schieferöl geführt.

Diesmal sind es weniger ökonomische denn ökologische Notwendigkeiten,
die angesichts des Klimawandels gleichzeitig zu konsumseitigem
Umdenken zwingen.

Auch diesmal werden die Folgen ähnlich sein: Der Ölpreis wird eine
gedämpfte Entwicklung nehmen und die Opec weiter an Bedeutung
verlieren.

Ob ihre Existenz überhaupt noch berechtigt ist, darf selbst aus Sicht
der Mitgliedstaaten infrage gestellt werden. Denn die Petrodollars
genannten Öleinnahmen wurden schon bisher kaum dazu verwendet, um
selbsttragende und einigermaßen wohlhabende Volkswirtschaften zu
schaffen - mit entsprechend stabilisierenden Auswirkungen auf die
Krisenregion Naher Osten. Bedauerlicherweise dürfte diese Chance
inzwischen verspielt sein.

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