WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Opec als Relikt der Vergangenheit - von Alexander Hahn

Der Schieferölboom stellt die Existenzberechtigung der Opec infrage

Wien (OTS) - Es gab Zeiten, in denen die westliche Welt vor der Macht des Ölkartells Opec zitterte. Nach dem Yom-Kippur-Krieg drehten die arabischen Opec-Staaten kurzerhand den Ölhahn zu, was als erster Ölpreisschock 1973/74 in die Wirtschaftsgeschichte einging.

Gegen Ende des Jahrzehnts erfolgte im Zuge der Revolution im Iran der Zweite, was den Ölpreis endgültig in damals schwindelerregende Höhen trieb. Dank der wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten war dies jedoch gleichzeitig der Beginn einer Trendwende - denn bekanntlich sind hohe Ölpreise das beste Mittel gegen hohe Ölpreise.

Dadurch wurde die Ausbeutung anderer Öllagerstätten, konkret in der Nordsee, erst wirtschaftlich rentabel. Gleichzeitig hat damals erstmals der Energiespargedanke um sich gegriffen und auch verbrauchsseitig zu Effizienzsteigerungen beigetragen.

Die Folge waren zwei Jahrzehnte tendenziell sinkender Ölpreise, die sich von der Spitze bis zum Tief auf ein Viertel verringerten. Gleichzeitig zeigten in dieser Phase auch Risse im Fundament der Opec: Statt gemeinsam dem Preisverfall mit verringerter Förderung zu begegnen, versuchten die Mitgliedstaaten ihre eigenen Öleinnahmen zu sichern.

Rund um die Jahrtausendwende setzte der nächste Preisschub ein, der den Ölpreis in der Spitze auf 140 US-$ je Barrel klettern ließ. Dadurch wurde die nächste Revolution am Ölmarkt ausgelöst, nämlich jene des unkonventionellen Öls. Dessen Ausbeutung ist durch die Preisanstiege der 2000er-Jahre ebenfalls rentabel geworden und hat in den USA zu einem regelrechten Boom von Schieferöl geführt.

Diesmal sind es weniger ökonomische denn ökologische Notwendigkeiten, die angesichts des Klimawandels gleichzeitig zu konsumseitigem Umdenken zwingen.

Auch diesmal werden die Folgen ähnlich sein: Der Ölpreis wird eine gedämpfte Entwicklung nehmen und die Opec weiter an Bedeutung verlieren.

Ob ihre Existenz überhaupt noch berechtigt ist, darf selbst aus Sicht der Mitgliedstaaten infrage gestellt werden. Denn die Petrodollars genannten Öleinnahmen wurden schon bisher kaum dazu verwendet, um selbsttragende und einigermaßen wohlhabende Volkswirtschaften zu schaffen - mit entsprechend stabilisierenden Auswirkungen auf die Krisenregion Naher Osten. Bedauerlicherweise dürfte diese Chance inzwischen verspielt sein.

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