• 09.10.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Jahrhundert der Frau beginnt - von Herbert Geyer

Von Jubelfeiern sollte vorerst Abstand genommen werden

Utl.: Von Jubelfeiern sollte vorerst Abstand genommen werden =

Wien (OTS) - Die beiden Meldungen (beide S. 14) passen gut zusammen:
Mit Janet Yellen wird kommenden Jänner, gleich nach dem 100.
Geburtstag der US-Notenbank Fed, dort erstmals eine Frau das Ruder
übernehmen. Und in Norwegen tritt nächste Woche eine
Koalitionsregierung ihr Amt an, in der erstmals beide
Regierungspartner von Frauen geführt werden.

Das besonders Erfreuliche an diesen beiden Meldungen: Es sind nicht
irgendwelche Quoten, die da Frauen an die Spitze wichtiger
Institutionen bringen, sondern ganz offenbar deren eigene Leistungen:
Janet Yellen gilt als Urheberin der Formel, nach der die jetzige
Fed-Politik gefahren wird. Von der anerkannten Arbeitsmarktexpertin
stammt nach glaubwürdigen Quellen die Idee, das
Anleihen-Ankaufsprogramm der Fed mit dem Erreichen einer bestimmten
Arbeitslosenquote zu verknüpfen.

Und auch Norwegens neue konservative Regierungschefin Erna Solberg
und ihre künftige Vize Siv Jensen, Chefin der rechtspopulistischen
Fortschrittspartei, verdanken ihre Posten nicht Quoten-Überlegungen,
sondern Wahlsiegen.

Nach 100 Jahren Männerherrschaft in der Fed beginnt also dort das
Jahrhundert der Frau. Und in Norwegen haben ohnehin längst die Frauen
das Sagen: Sie stellen nicht nur die Spitzen der Regierung, sondern
auch bereits die Chefin der größten Gewerkschaft und des größten
Arbeitgeberverbandes. Und die Quotenregelung, die dafür sorgt, dass
zumindest 40 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein müssen, wird in
ganz Europa als Vorbild diskutiert.

Von Jubelfeiern sollte allerdings vorerst Abstand genommen werden:
Die Regierungschefin verdient in Norwegen umgerechnet 185.000 Euro im
Jahr, der Chef einer der 25 größten Unternehmen des Landes aber im
Schnitt gut eine Million. Und in diesem erlauchten Kreis findet sich
keine einzige Frau. Auch der Finanzchef der Top 25 ist nur in einem
einzigen Fall weiblich besetzt.

Da überrascht es nicht, dass auch im frauenfreundlichen Norwegen zwar
43 Prozent der Frauen, aber nur 13 Prozent der Männer in Teilzeit
beschäftigt sind. Und wenn man das herausrechnet, verdienen in
Norwegen Männer immer noch 15,7 Prozent mehr als Frauen.

Frauen in Top-Jobs sind ein großartiges Zeichen, das viele Frauen
ermutigen kann - aber nicht viel mehr.

Es bleibt noch viel zu tun.

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