- 08.10.2013, 15:19:56
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Kunstrückgabeeirat beschließt sechs neue Empfehlungen
Rückgabe betrifft Objekte aus den Sammlungen der Albertina und des MAK.
Utl.: Rückgabe betrifft Objekte aus den Sammlungen der Albertina und
des MAK. =
Wien (OTS/BMUKK) - Der Kunstrückgabebeirat empfahl in seiner heutigen
Sitzung (8.Oktober 2013) die Rückgabe von Blättern aus der Albertina,
nämlich von vier Arbeiten von Carl Spitzweg, Peter Fendi und
Friedrich Gauermann an die Erben nach den Geschwistern Dr. Hermann
und Dr. Käthe Kolisch, und einer Druckgrafik an die Erben nach Hans
Leinkauf. Vier Empfehlungen betreffen das MAK, nämlich die Rückgabe
von drei Bechern an die Erben nach Rudolf Bittmann, einer
Prunkdeckelvase an die Erben nach Emma Budge, von drei Gläsern an die
Erben nach Willibald Duschnitz und von zwei Porzellanschüsseln an die
Erben nach Heinrich Rotberger.
Die Geschwister Dr. Hermann und Dr. Käthe Kolisch mussten 1939 vor
der Verfolgung durch die Nationalsozialisten aus Österreich flüchten.
Vor ihrer Flucht, im Jänner 1939 verkauften sie die vier Blätter im
Preis von RM 350,- der Albertina. Die Geschwister kehrten nicht mehr
nach Österreich zurück, sondern starben 1977 bzw. 2002 in den USA.
Ähnlich gelagert ist der Erwerb einer Druckgrafik von Wallerand
Vaillant, die Hans Leinkauf vor seiner Flucht an die Albertina
veräußerte. Hans Leinkauf verstarb 1946 in Los Angeles, Versuche
seiner Witwe, die für eine Verschiffung vorgesehene Kunstsammlung
ihres Mannes wiederzufinden, scheiterten.
Die drei Gläser aus der Sammlung von Rudolf Bittmann, nämlich ein
Glasbecher von Gottlieb Mohn, ein Ranftbecher von Anton Kothgasser
und ein Lithyalinglas, wurden vom MAK am 8./9. Dezember 1938 im
Wiener Auktionshaus Weinmüller ersteigert. Ein Abgleich des Katalogs
mit anderen Quellen, darunter ein Foto der Glassammlung Rudolf
Bittmanns, machte die Zuordnung der Gläser möglich. Auch Rudolf
Bittmann musste aus Österreich flüchten.
Die Prunkdeckelvase war Teil einer Silbersammlung, welche das 1944
bzw. 1945 verstorbene Ehepaar Ernst und Emma Böhm dem MAK
testamentarisch widmete. Die Recherchen der Kommission für
Provenienzforschung ergaben, dass die Vase ursprünglich aus der
Sammlung der 1937 verstorbenen Hamburger Kunstsammlerin Emma Budge
stammte. Emma Budge und ihre Erben waren von den Nationalsozialisten
verfolgt, nach dem Tod von Emma Budge war die Sammlung zur
Versteigerung gelangt.
Schließlich empfahl der Beirat in zwei Beschlüssen die Rückgabe von
Kunstgegenständen, die vom MAK im Zusammenhang mit der Anwendung des
Ausverbotsgesetzes für Kulturgut auf Sammlungen, die an ehemalige
NS-Verfolgte zurückzugeben gewesen wären, erworben wurden. Im einen
Fall handelt es sich um drei Gläser aus der Sammlung von Willibald
Duschnitz, im anderen Fall um zwei Porzellanschüsseln aus der
Sammlung von Heinrich Rothberger. In beiden Fällen versagte das
Bundesdenkmalamt aufgrund von Interventionen des am Ankauf
interessierten MAK die Ausfuhrbewilligungen.
Die Empfehlungen sind im Wortlaut auf der Webseite der Kommission für
Provenienzforschung unter www.provenienzforschung.gv.at
wiedergegeben.
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