WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Risse im Betongold - von Andre Exner

Es ist keine Grundregel, dass Immobilieninvestments in Österreich Gewinne bringen

Wien (OTS) - Um 100 Millionen Euro hätte der Bürokomplex Marximum in Wien-Simmering vor sechs Jahren den Besitzer wechseln sollen. Der Käufer, das Fondshaus Hamburg, hat bereits den Vertrag unterzeichnet. Dann kam die Krise - der Verkauf wurde rückabgewickelt, Besitzer Hochtief blieb auf dem Objekt sitzen. Nun versuchen die Deutschen erneut ein Entkommen aus der Betonfalle; diesmal mit einem etwas tieferen Verkaufspreis.

Dieser Fall mag nicht symptomatisch für den heimischen Gewerbeimmobilienmarkt sein, hat das Marximum doch standort- und planungsbedingt einige Probleme, die es für potenzielle Mieter und Käufer nicht unbedingt zur ersten Wahl machen. Doch es zeigt: Es ist keine Grundregel, dass Immobilieninvestments in Österreich Gewinne bringen. Vielmehr können Immobilienpreise auch auf einem als stabil und krisenresistent geltenden Markt fallen.

Der Wiener Büromarkt wird von krisenbedingten Flächenreduktionen und einer erbitterten Rabattschlacht um Großmieter gekennzeichnet. Das Marximum kann nicht teurer verkauft werden als 2007, denn auch die Mieten, die dort verlangt werden, sind in den vergangenen sechs Jahren nicht nach oben geklettert. Nun werden die Mieten voraussichtlich auch in den kommenden sechs Jahren stagnieren, denn die Konjunktur und damit die Nachfrage nach Büroflächen erholen sich nur zaghaft. Damit wird auch der Käufer höchstens indirekt eine Wertsteigerung erfahren, indem er beispielsweise den Vermietungsgrad steigert.

Szenenwechsel zum Wohnungsmarkt: Dort sind Preise und Mieten seit 2007 in ganz Österreich spürbar gestiegen. Infolge dieser Preissteigerungen, der tiefen Sparbuchzinsen und des Mangels an Sicherheit und Stabilität versprechenden Anlagealternativen kaufen Privatanleger weiter gerne Wohnimmobilien. Doch wenn sie glauben, in Österreich können die Preise und Mieten nur steigen, sollten sie sich mal mit dem Gewerbeimmobilienbereich beschäftigen. Vielleicht mit dem Fall des Marximums. Und sich die Frage stellen: Warum sollte die Vorsorge- oder Eigentumswohnung wenige U-Bahn-Stationen von diesem Objekt entfernt ein besseres Geschäft sein? Und haben sie genügend "Sitzfleisch", um einen Markteinbruch wie Hochtief sechs Jahre lang auszusitzen? Ehrliche Antworten bitte - schließlich geht es ums Geld.

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