• 02.10.2013, 18:16:28
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Teamstronachruf"

Ausgabe vom 3. Oktober 2013

Utl.: Ausgabe vom 3. Oktober 2013 =

Wien (OTS) - Frank Stronach entfernt also seine
Landesregierungsmitglieder von der Organisation seiner Partei,
genannt wird das Ganze "Gewalten-Teilung". Das klingt toll. Solange
das Recht vom Volk ausgeht, ist Gewalten-Teilung auch Pfeiler einer
demokratischen Gesellschaft. Wenn das Recht von Frank ausgeht, ist es
bloß "divide et impera" - also ein simples Herrscher-Prinzip.

Dass sich die Herren Mayer (in der Salzburger ÖVP groß geworden) und
Köfer (politisch sozialisiert in der Kärntner SPÖ) das nicht gefallen
lassen, ist auch nicht schwer zu erraten. Beide wissen: Wenn schon
"teile und herrsche" gespielt wird, dann steht man besser auf der
Herrscher-Seite.

Doch so ist es wohl, wenn ein alt gewordener Firmenpatriarch wütet,
der es gewohnt war, Politiker in Lohn zu nehmen (Grasser, Reichhold,
Westenthaler). Stronach weiß aber im Moment nur, dass Kathrin
Nachbaur ihm loyal ergeben ist - was bei den eingekauften Politprofis
in den Landesregierungen nicht der Fall ist. Also tut er das, was
Familienunternehmer üblicherweise so tun: Er räumt alle zur Seite,
die seinen Vertrauten gefährlich werden könnten.

Blöd nur, dass das Team Stronach seit Sonntagabend eine gewählte
Partei mit elf (kraft des Gesetzes) unabhängigen Mandataren ist. Und
Politiker wissen eines: Sie haben nicht das Geld von Frank Stronach,
aber sie haben Macht. Wenn Herr Mayr im Salzburger Landtag oder Frau
Lindner im Nationalrat (so sie annimmt) beschließen sollten, sich der
ÖVP anzuschließen, dann wird dies so sein - egal, wie viele
Dollarmillionen Stronach von Magna als Dividende erhält. Stronach
beziehungsweise Frau Nachbaur bleiben am Ende die Speichellecker, die
keine Chance haben, einen anderen Job in dieser Gehaltsklasse zu
erhalten. Wer das Geld hat, hat die Macht - ja. Aber Geld ist auch
wie künstliches Licht, es zieht die Motten an.

Stronach ist schon jetzt krachend gescheitert, doch wirklich
furchtbar ist, dass die Konkursmasse aus elf Abgeordneten im
Nationalrat besteht. Als möglicher Koalitionspartner für ÖVP und FPÖ
hat sich die Partei "Team Stronach" schon jetzt disqualifiziert. Und
trotzdem: Im machtpolitischen Spiel um Mehrheiten im Parlament wird
sie die Regierungsbildung erschweren. Und zwar ausschließlich
machtpolitisch. Wem es um Sachpolitik geht, der sollte sich jetzt aus
der politischen Debatte ausklinken.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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