Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Teamstronachruf"

Ausgabe vom 3. Oktober 2013

Wien (OTS) - Frank Stronach entfernt also seine Landesregierungsmitglieder von der Organisation seiner Partei, genannt wird das Ganze "Gewalten-Teilung". Das klingt toll. Solange das Recht vom Volk ausgeht, ist Gewalten-Teilung auch Pfeiler einer demokratischen Gesellschaft. Wenn das Recht von Frank ausgeht, ist es bloß "divide et impera" - also ein simples Herrscher-Prinzip.

Dass sich die Herren Mayer (in der Salzburger ÖVP groß geworden) und Köfer (politisch sozialisiert in der Kärntner SPÖ) das nicht gefallen lassen, ist auch nicht schwer zu erraten. Beide wissen: Wenn schon "teile und herrsche" gespielt wird, dann steht man besser auf der Herrscher-Seite.

Doch so ist es wohl, wenn ein alt gewordener Firmenpatriarch wütet, der es gewohnt war, Politiker in Lohn zu nehmen (Grasser, Reichhold, Westenthaler). Stronach weiß aber im Moment nur, dass Kathrin Nachbaur ihm loyal ergeben ist - was bei den eingekauften Politprofis in den Landesregierungen nicht der Fall ist. Also tut er das, was Familienunternehmer üblicherweise so tun: Er räumt alle zur Seite, die seinen Vertrauten gefährlich werden könnten.

Blöd nur, dass das Team Stronach seit Sonntagabend eine gewählte Partei mit elf (kraft des Gesetzes) unabhängigen Mandataren ist. Und Politiker wissen eines: Sie haben nicht das Geld von Frank Stronach, aber sie haben Macht. Wenn Herr Mayr im Salzburger Landtag oder Frau Lindner im Nationalrat (so sie annimmt) beschließen sollten, sich der ÖVP anzuschließen, dann wird dies so sein - egal, wie viele Dollarmillionen Stronach von Magna als Dividende erhält. Stronach beziehungsweise Frau Nachbaur bleiben am Ende die Speichellecker, die keine Chance haben, einen anderen Job in dieser Gehaltsklasse zu erhalten. Wer das Geld hat, hat die Macht - ja. Aber Geld ist auch wie künstliches Licht, es zieht die Motten an.

Stronach ist schon jetzt krachend gescheitert, doch wirklich furchtbar ist, dass die Konkursmasse aus elf Abgeordneten im Nationalrat besteht. Als möglicher Koalitionspartner für ÖVP und FPÖ hat sich die Partei "Team Stronach" schon jetzt disqualifiziert. Und trotzdem: Im machtpolitischen Spiel um Mehrheiten im Parlament wird sie die Regierungsbildung erschweren. Und zwar ausschließlich machtpolitisch. Wem es um Sachpolitik geht, der sollte sich jetzt aus der politischen Debatte ausklinken.

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