- 27.09.2013, 09:47:00
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Vizekanzler Michael Spindelegger gegen europaweite Naturschutzbemühungen
BirdLife, WWF und Naturschutzbund wehren sich gegen die Abqualifizierung des wichtigen EU Schutzgebietsnetzwerkes Natura 2000
Utl.: BirdLife, WWF und Naturschutzbund wehren sich gegen die
Abqualifizierung des wichtigen EU Schutzgebietsnetzwerkes
Natura 2000 =
Wien (OTS) - Die Naturschutz-NGOs sind fassungslos: "Österreich
braucht für die Ausweisung von ein paar kleinen Schutzgebieten die EU
nicht," meinte Vizekanzler Michael Spindelegger in der
TV-Konfrontation mit Bundeskanzler Werner Faymann. Für die
Vogelschutzorganisation BirdLife, den WWF und Naturschutzbund ist
eine derartige Aussage völlig unverständlich. Das Natura 2000
Netzwerk ist das wichtigste Naturschutzinstrument der EU, um
europaweit bedeutende gefährdete Arten und Lebensräume ausreichend zu
schützen. Es soll wesentlich dazu beitragen, dass in Österreich keine
faulen Kompromisse auf Kosten von Natur und Umweltgemacht werden
können.
Schlimm genug, dass Österreich der Ausweisung dieser
Natura-Schutzgebiete seit 1995 nicht genügend nachkommt und sich
deshalb immer wieder mit einer Reihe von Vertragsverletzungsverfahren
seitens der EU- Kommission auseinandersetzten muss. "Die Ignoranz des
Herrn Spindelegger gegenüber diesen Naturschutz-Verpflichtungen lässt
vermuten, dass ihm der Zustand unserer Naturjuwele nicht gerade am
Herzen liegt!", so Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer BirdLife
Österreich.
Um die heimische Natur steht es ohnehin nicht gerade zum Besten:
Allein 60 Prozent aller heimischen Vogelarten und 55 Prozent der
Säugetiere sind gefährdet. Einst häufige Vögel der Agrarlandschaft
wie etwa die Feldlerche gehen seit Jahren dramatisch zurück.
Umweltgifte gefährden die Ökosysteme - ein sichtbares Zeichen dafür
ist das Bienensterben. Die NGOs sind sich einig: Ohne die von der EU
eingeforderten Natura 2000 - Gebiete, die wenigstens die wichtigsten
Naturschätze bewahren, wäre es um die Artenvielfalt in Österreich
noch viel schlechter bestellt.
Auch die Tatsache, dass die Bundesländer bislang nicht in der Lage
waren, ihre Naturschutzverpflichtungen durch die Nominierung
schützenswerter Lebensräume und ihrer Arten als Natura 2000 - Gebiete
umzusetzen, steht im völligen Widerspruch zur Aussage des
Vizekanzlers.
"Für den österreichischen Naturschutz ist die EU eine wesentliche
Schutzmacht, die dafür sorgt, dass wir unsere internationalen
Naturschutzverpflichtungen einhalten," sagt Bernhard Kohler, WWF
Programmleiter Österreich. "Wäre Naturschutz eine rein
innerösterreichische Angelegenheit, würden unsere wertvollsten
Naturjuwele mit Sicherheit bedenkenlos privaten Interessen geopfert
werden. Flussheiligtümer wie die Isel in Osttirol würden hinter
Kraftwerksmauern verschwinden, wenn die EU nicht beharrlich auf den
Schutz der letzten intakten Gewässer drängen würde."
Entrüstung auch bei Birgit Mair-Markart, Geschäftsführerin
Naturschutzbund Österreich: "Natur kennt keine Grenzen, gerade
deshalb ist ein europaweit abgestimmtes Netz von Schutzgebieten wie
es Natura 2000 vorsieht, notwendig".
Der Verzicht auf die österreichische Mitgliedschaft im EU -
Netzwerk Natura 2000 - das größte europäische Schutzgebietsnetzwerk
mit europaweit mehr als 26.000 Gebieten und einer Gesamtfläche von
mehr als 750.000 km2 - wie von Spindelegger gefordert - hätte
katastrophale Folgen für den heimischen Naturschutz.
BirdLife, WWF und Naturschutzbund erwarten sich daher von
Vizekanzler und Europaminister Spindelegger in den nächsten Tagen
eine Gesprächsbereitschaft, die auch der derzeitigen
bundesverfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung in Sachen
Österreichischem Naturschutz zugutekommt.
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