• 26.09.2013, 11:59:02
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Forschungsrat schlägt Neuordnung der österreichischen Forschungs- und Innovationslandschaft vor

... und präsentiert dazu "Weißbuch zur Steuerung von Forschung, Technologie und Innovation in Österreich"

Utl.: ... und präsentiert dazu "Weißbuch zur Steuerung von
Forschung, Technologie und Innovation in Österreich" =

Wien (OTS) - Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE)
hat heute sein "Weißbuch" zur Governance von Forschung, Technologie
und Innovation (FTI) in Österreich vorgestellt und damit der Politik
konkrete Empfehlungen für die kommenden Regierungsverhandlungen
übergeben. Der Vorsitzende des Forschungsrates, Dr. Hannes Androsch,
erklärte dazu: "Wir brauchen jetzt den Mut zu Veränderungen.
Weitermachen wie bisher bedeutet Rückschritt, wenn andere sich
weiterentwickeln. Dies lässt sich anhand aktueller Rankings sehr
deutlich ablesen. Für den Bereich Forschung, Technologie und
Innovation bedeutet dies, dass wir mehr systemischen Überblick sowie
eine Gesamtmaßnahmenplanung brauchen!"

Ratsmitglied und Mentorin des Governance-Projekts, Dr.in Karin
Schaupp, erläuterte die Intention des Weißbuches anhand einer
Analogie: "Im Augenblick gibt es viele Boote, die unterschiedlich
unterwegs sind. Tatsächlich aber sollten alle im Sinne einer
übergeordneten Steuerung die selbe Ziellinie anpeilen."

Neuer Teamgeist gefordert

Die im Weißbuch enthaltenen Reformschritte setzen voraus, dass -
wie der stellvertretende Vorsitzende, Univ.-Prof. Dr. Peter Skalicky,
betonte - "auch die handelnden Akteure ihr bisheriges Tun kritisch
reflektieren: Weg vom Tunnelblick - hin zu Offenheit und
Zusammenarbeit wie auch zum gemeinsamen Verständnis, dass alle für
dasselbe Ziel arbeiten: die Stärkung des gesamten FTI-Systems." Zudem
brauche es eine Politik, die dem Thema FTI jenen Stellenwert gibt,
der ihr als Zukunftsfaktor zukommt.
Nach Einschätzung des Forschungsrates gibt es drei Hebel und darin
enthalten 17 Handlungsfelder zur Verbesserung der Steuerung des
Systems:

Hebel 1: Vereinfachung der Förderlandschaft
durch

a. Stärkung, Bereinigung und Erweiterung der Kernaktivitäten von FFG
und aws,
b. Prüfung einer geeigneten Form der Zusammenführung von Christian
Doppler-Gesellschaft (CDG) und Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG),
sowie
c. Beendigung der FTI-Aktivitäten des Klima- und Energiefonds (KLIEN)
und deren Eingliederung in die Ressorts und Abwicklungsagenturen.

Damit ist der Wissenschaftsfonds (FWF) unverändert die zentrale
Förderagentur für Grundlagenforschung, während eine Agentur zur
Kooperationsförderung (CDG/LBG) an der Schnittstelle von
Grundlagenforschung und angewandter Forschung positioniert wird und
damit den Wissenstransfer von Hochschulen und Forschungsinstitutionen
in die Wirtschaft stärkt. Die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)
bleibt die Förderagentur für angewandte Forschung und unterstützt
gleichzeitig die Produktentwicklung und Markteinführung. Die neu
aufgestellte Austria Wirtschaftservice (aws) rundet das Portfolio ab.
Als Förderbank für die Wirtschaft unterstützt sie die dynamische
Industrie, wachstumsorientierte KMUs sowie innovative
Unternehmensgründungen.

Ztwl.: Hebel 2: Mehr Überblick bei der FTI-Steuerung und mehr
Freiräume für die Forschung
durch

a. Etablierung einer Gesamtmaßnahmenplanung zwischen Ressorts und
Förderagenturen, und
b. Erhöhung der budgetären Freiräume der Fachressorts und Agenturen.

Künftig sollen Planungs- und Abstimmungsprozesse im Bereich der
Forschungsförderung das gesamte österreichische FTI-System
berücksichtigen. Dabei ist den Prinzipien "Deregulierung" und
"Neuverteilung der Verantwortung in den Ministerien und Agenturen"
verstärkt Rechnung zu tragen.

Hebel 3: FTI als Priorität der gesamten Regierung
durch

a. Einführung einer "Reformagenda FTI" unter Leitung des
Bundeskanzleramtes und in Kooperation mit allen für FTI
verantwortlichen Ressorts, und
b. Verhandlung und Aktualisierung dieser Agenda bei einer jährlichen
Veranstaltung der "Task Force FTI auf Ministerebene".

Warum ein Weißbuch?

Österreich hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Bereich
Forschung, Technologie und Innovation (FTI) gut entwickelt. Es ist
heute ein forschungsintensives Land mit einer wachsenden Zahl von
Akteuren und Förderprogrammen. Gleichzeitig ist jedoch ein sehr
komplexes System entstanden, wie die Fördermittel des Bundes von den
Ressorts über die Agenturen bis hin zu den einzelnen
Forschungseinrichtungen in Österreich fließen. Es überrascht somit
auch nicht, dass die österreichische Forschungsstrategie des Bundes
diesem Thema ein eigenes Kapitel gewidmet hat.

Das übergeordnete Ziel der FTI-Strategie ist, Österreich bis 2020
in die Gruppe der innovationsführenden Länder in Europa zu bringen.
Um das zu erreichen, braucht es eine neue Phase der
Politikgestaltung: Anstelle der bisherigen bruchstückhaften
Einzelmaßnahmen muss ein Paket an Reformschritten verfolgt werden.
Dieses muss auf das gesamte FTI-System abgestimmt sein. So lautet das
Ergebnis einer Analyse, die der Rat für Forschung und
Technologieentwicklung (RFTE) im Rahmen seines Monitoringauftrags der
FTI-Strategie durchgeführt hat.

Der Rat hat die wesentlichen Resultate dieser Analyse im "Weißbuch
zur Steuerung von Forschung, Technologie und Innovation in
Österreich" zusammengefasst. Darin unterstreicht er die zunehmende
Bedeutung einer effizienten Organisation und zielgerichteten
Steuerung der FTI-Politik und damit auch der Geldflüsse für die
Forschungsförderung ("FTI-Governance"). Das Weißbuch versteht sich
nicht nur als Thesenpapier, sondern als Sammlung von
umsetzungsorientierten Handlungsoptionen für
EntscheidungsträgerInnen. Es beinhaltet Vorschläge und Positionen zur
Verbesserung der FTI-Governance in Österreich und skizziert ein
Bündel von notwendigen Reformschritten und konkreten
Handlungsfeldern. Die Schlüsselfrage des Weißbuchs lautet: Wie ernst
ist der in der FTI-Strategie formulierte Anspruch, "Innovation
Leader" sein zu wollen? Nimmt man diesen Anspruch nämlich ernst, muss
die Politik dem Thema Forschung, Technologie und Innovation - als
zentralen Zukunftsfaktor für Österreich - künftig einen höheren
Stellenwert einräumen.

In der Folge geht das Weißbuch von einem "Zielmodell" des
FTI-System in Österreich aus, das sich vor allem durch folgenden
Nutzen auszeichnet:

- hohe Flexibilität des FTI-Systems in Bezug auf externe
Rahmenbedingungen und neue Entwicklungen,
- gesteigerte Wirksamkeit der Förderung von FTI in Österreich,
- schnellere und transparentere Bereitstellung von Fördermitteln für
Forschung und Innovation,
- Vereinfachung der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren
(z.B. zwischen Ministerien und Förderagenturen).

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