- 23.09.2013, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Österreich, vergiss nicht, zu investieren - von Andre Kühnlenz
Die Deutschen hielten das Schuldenrad am Laufen und verloren 400 Milliarden
Utl.: Die Deutschen hielten das Schuldenrad am Laufen und verloren
400 Milliarden =
Wien (OTS) - Vieles spricht dafür, dass die Deutschen vor allem die
gute Lage am Arbeitsmarkt überzeugt hat. Frau Merkel bekam am Sonntag
eine deutliche Mehrheit im neuen Bundestag. Und für Österreicher
stellt sich die Frage, ob sie vom Nachbarn etwas lernen können: Hat
nicht die Agenda 2010 zur Blüte beigetragen, nachdem Deutschland vor
einem Jahrzehnt noch als "kranker Mann Europas" verlacht wurde?
Keine Frage, die Arbeitsmarktreformen haben geholfen, dass das Land
bislang ohne große Blessuren die Krise meistert. Die Auferstehung hat
aber früher begonnen. Bereits 1996 gaben Arbeitgeber und Arbeitnehmer
den Konsens der Nachkriegszeit auf. Bis dahin war es üblich, dass
sich Lohnabschlüsse am Produktivitätszuwachs der Wirtschaft
orientieren. Dazu gab es einen Ausgleich für die Inflation. Es war
der alte sozialdemokratische Traum der Verteilungsgerechtigkeit, der
damals ein Ende fand. Zunächst mit gutem Grund: Nach der Einheit
waren die Löhne kräftig gestiegen und am Immobilienmarkt kam es zu
einer Preisblase. Deswegen sollten die Arbeitgeber jetzt mehr vom
Kuchen abbekommen. Das Problem: Selbst als die Übertreibungen Anfang
des Jahrtausends verschwunden waren, kehrte das Land nicht zum
gewohnten Sozialausgleich zurück. Unternehmen nutzten das Geschenk
der Lohnzurückhaltung sowie Steuersenkungen, um ihre Schulden
abzubauen. An Investitionen dachte aber keiner mehr, auch der Staat
sparte bei wichtigen Ausgaben für die Infrastruktur.
Kein Wunder: 2005 stieg die Zahl der Arbeitslosen auf fünf Millionen.
Doch auch nach Beginn der Agenda-Politik unterließen es Unternehmen
und Vermögende, mehr Geld auszugeben. Machten die Investitionen 1995
noch 22 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, sind es heute nur noch
17 Prozent. Stattdessen hielten die Deutschen lieber das Schuldenrad
im Süden und Westen des Euroraums am Laufen. Das Ausland kaufte
deutsche Güter in Massen und der Exportboom auf Pump trug
entscheidend dazu bei, dass es plötzlich weniger als drei Millionen
Arbeitslose gab. Erschreckend nur, dass die Deutschen seit 1999 wegen
der Finanzkrise 400 Milliarden Euro im Ausland verloren haben - Geld,
das einfach zu Hause fehlt. Die Lehre aus der Geschichte? Wie auch
immer die Österreicher ihren Standort fit machen wollen - das Land
sollte nie vergessen, zu investieren. Niemals.
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