Bald ein Jahrhundert: Zum 90. Jubiläum von Wiens sozialem Wohnbau

Wien (OTS) - 90 Jahre sind vergangen seit dem Spatenstich zu Wiens erstem Gemeindebau. Heute, fast ein Jahrhundert später, gibt es knapp 2.000 in der Stadt. 220.000 soziale Wohnungen bedeuten ein Fünftel aller Appartements Wiens, rund einem Drittel der Wiener Bevölkerung sind sie ein Zuhause. Ein Ende ist noch lange nicht erreicht: Neue Wohnformen entstehen, ganze Stadtteile tragen die Idee vom leistbaren Wohnen ins 21. Jahrhundert. Der soziale Wohnbau ist ein Ur-Wiener Erfolg, der - wie so oft - seine Wurzeln in der Geschichte hat.

Weltweites Aufsehen um "Rotes Wien"

1919 wird Wien nach der Gemeinderatswahl zur ersten sozialdemokratischen Millionenstadt weltweit. Die Bürgermeister Jakob Reumann (ab 1919) und Karl Seitz (ab 1923) begründen das Schlagwort vom "Roten Wien". Sie lancieren Wohnbauprogramme, finanziert durch eine neue Wohnbausteuer. Zweckgebunden macht sie die Vision von "Licht, Luft und Sonne" zur Wirklichkeit: Leistbare Wohnungen entstehen mit Blick aufs Grüne und großzügigen Einrichtungen für ihre BewohnerInnen: Bäder, Büchereien, Kindergärten und Waschküchen dienen der Gemeinschaft.

Der Metzleinstaler Hof, Spatenstich 1923, ist der erste "echte" Gemeindebau und begründet mit seinen 252 Wohnungen das heurige Jubiläum. In den nächsten Jahren kommen insgesamt rund 66.000 Wohnungen dazu, entstehen "Superblocks" wie der Karl-Marx-Hof. Über mehr als einen Kilometer Länge erstreckt er sich entlang der Heiligenstädter Straße. Er ist bis heute der größte Wohnbau der Welt. 1934: Ständestaat und Austrofaschismus beenden sämtliche Bauvorhaben. Auf Dämmerung folgt Dunkelheit: Anschluss, Diktatur, Tod. Bis 1945 taumelt Wien dem Abgrund entgegen.

Aus Trümmern in den Boom

Der vom nationalsozialistischen Regime angezettelte Zweite Weltkrieg hinterlässt Wien in Schutt und Asche. Jede fünfte Wohnung ist zerstört, der Fehlbestand wird auf 117.000 beziffert. Bürgermeister Theodor Körner bestimmt den Wiederaufbau: Aus Ziegelschuttbeton entsteht 1947 die Per-Albin-Hansson-Siedlung, die Namensgebung ein Dank an Schwedens finanzielle Hilfe. Die folgenden Jahre sind geprägt von schneller Befriedigung des springenden Bedarfs. Tausende kleine, modulare "Duplex"-Wohnungen entstehen in den 1950ern.

Die Periode ab 1960 kennzeichnet ein Umdenken in der Stadtplanung. Der Wiederaufbau ist abgeschlossen, Wien wächst durch neue Wohngebiete am Stadtrand. Typisch für die Architektur der Zeit: Eine Fertigteil-Bauweise schafft viele Wohnungen in kurzer Zeit. Kommunale Bauten wie die Großfeldsiedlung lockern das dicht bebaute Stadtgebiet auf; 25 Jahre nach Kriegsende sind 100.000 neue Wohnungen entstanden.

Die Jahre zwischen 1970 und 1990 stehen im Zeichen der Erneuerung:
Mitte der 80er sind es jährlich 10.000 Wohnungen, die saniert in neuem Glanz erstrahlen.

1990 - mehr Platz für mehr Menschen

Historische und gesellschaftliche Fortschritte bedingen die große Wohnbauoffensive der 1990er-Jahre: Nach Fall des Eisernen Vorhangs begrüßt die Stadt Tausende neue Wienerinnen und Wiener; auch der Trend zum Singlehaushalt bedeutet Suche nach Wohnraum. Wien begegnet der Nachfrage und fördert 10.000 Neubauwohnungen im Jahr. Das hebt auch die Wohnqualität: Waren 1984 noch knapp die Hälfte aller Wohnungen "Sub-Standard", sind es heute keine fünf Prozent.

Intelligent ins neue Jahrtausend

Wohnen in Wien im neuen Jahrtausend: Es gelten die Leitbilder "Service" und "smart". Wiener Wohnen wird zur Unternehmung der Stadt Wien, zur zentralen Anlaufstelle und zum Service-Knotenpunkt für alle Kundinnen und Kunden. Schneller, praktischer, freundlicher kommen Wienerinnen und Wiener zu ihrem Zuhause.

Neue Stadtteile entstehen: die Seestadt Aspern zum Beispiel, eine Stadt in der Stadt. "Smart City" heißt intelligentes Design und Verknüpfung aller Lebensbereiche: Verkehr, Infrastruktur, Wohnkomfort. Ausgestattet mit Hochtechnologie, ausgerichtet auf Umwelt, ausgelegt für Mieterinnen und Mieter. Die ersten Wohnungen der Seestadt sind kommendes Jahr bezugsfertig, bis 2025 kommen 8.500 hinzu.

Nicht nur Projekte wie die Seestadt Aspern und das Sonnwendviertel beim neuen Hauptbahnhof bringen der Stadt Anerkennung aus aller Welt:
Insgesamt vermietet Wiener Wohnen über 13 Millionen Quadratmeter Wohnfläche an 500.000 Menschen. Sie genießen die Lebensqualität von 7.600 Liften, 1.300 Spielplätzen und 600 Hektar Grünflächen zu einem leistbaren Preis.

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