- 21.09.2013, 10:00:35
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Bald ein Jahrhundert: Zum 90. Jubiläum von Wiens sozialem Wohnbau
Wien (OTS) - 90 Jahre sind vergangen seit dem Spatenstich zu Wiens
erstem Gemeindebau. Heute, fast ein Jahrhundert später, gibt es knapp
2.000 in der Stadt. 220.000 soziale Wohnungen bedeuten ein Fünftel
aller Appartements Wiens, rund einem Drittel der Wiener Bevölkerung
sind sie ein Zuhause. Ein Ende ist noch lange nicht erreicht: Neue
Wohnformen entstehen, ganze Stadtteile tragen die Idee vom leistbaren
Wohnen ins 21. Jahrhundert. Der soziale Wohnbau ist ein Ur-Wiener
Erfolg, der - wie so oft - seine Wurzeln in der Geschichte hat.
Weltweites Aufsehen um "Rotes Wien"
1919 wird Wien nach der Gemeinderatswahl zur ersten
sozialdemokratischen Millionenstadt weltweit. Die Bürgermeister Jakob
Reumann (ab 1919) und Karl Seitz (ab 1923) begründen das Schlagwort
vom "Roten Wien". Sie lancieren Wohnbauprogramme, finanziert durch
eine neue Wohnbausteuer. Zweckgebunden macht sie die Vision von
"Licht, Luft und Sonne" zur Wirklichkeit: Leistbare Wohnungen
entstehen mit Blick aufs Grüne und großzügigen Einrichtungen für ihre
BewohnerInnen: Bäder, Büchereien, Kindergärten und Waschküchen dienen
der Gemeinschaft.
Der Metzleinstaler Hof, Spatenstich 1923, ist der erste "echte"
Gemeindebau und begründet mit seinen 252 Wohnungen das heurige
Jubiläum. In den nächsten Jahren kommen insgesamt rund 66.000
Wohnungen dazu, entstehen "Superblocks" wie der Karl-Marx-Hof. Über
mehr als einen Kilometer Länge erstreckt er sich entlang der
Heiligenstädter Straße. Er ist bis heute der größte Wohnbau der Welt.
1934: Ständestaat und Austrofaschismus beenden sämtliche Bauvorhaben.
Auf Dämmerung folgt Dunkelheit: Anschluss, Diktatur, Tod. Bis 1945
taumelt Wien dem Abgrund entgegen.
Aus Trümmern in den Boom
Der vom nationalsozialistischen Regime angezettelte Zweite
Weltkrieg hinterlässt Wien in Schutt und Asche. Jede fünfte Wohnung
ist zerstört, der Fehlbestand wird auf 117.000 beziffert.
Bürgermeister Theodor Körner bestimmt den Wiederaufbau: Aus
Ziegelschuttbeton entsteht 1947 die Per-Albin-Hansson-Siedlung, die
Namensgebung ein Dank an Schwedens finanzielle Hilfe. Die folgenden
Jahre sind geprägt von schneller Befriedigung des springenden
Bedarfs. Tausende kleine, modulare "Duplex"-Wohnungen entstehen in
den 1950ern.
Die Periode ab 1960 kennzeichnet ein Umdenken in der Stadtplanung.
Der Wiederaufbau ist abgeschlossen, Wien wächst durch neue
Wohngebiete am Stadtrand. Typisch für die Architektur der Zeit: Eine
Fertigteil-Bauweise schafft viele Wohnungen in kurzer Zeit. Kommunale
Bauten wie die Großfeldsiedlung lockern das dicht bebaute Stadtgebiet
auf; 25 Jahre nach Kriegsende sind 100.000 neue Wohnungen entstanden.
Die Jahre zwischen 1970 und 1990 stehen im Zeichen der Erneuerung:
Mitte der 80er sind es jährlich 10.000 Wohnungen, die saniert in
neuem Glanz erstrahlen.
1990 - mehr Platz für mehr Menschen
Historische und gesellschaftliche Fortschritte bedingen die große
Wohnbauoffensive der 1990er-Jahre: Nach Fall des Eisernen Vorhangs
begrüßt die Stadt Tausende neue Wienerinnen und Wiener; auch der
Trend zum Singlehaushalt bedeutet Suche nach Wohnraum. Wien begegnet
der Nachfrage und fördert 10.000 Neubauwohnungen im Jahr. Das hebt
auch die Wohnqualität: Waren 1984 noch knapp die Hälfte aller
Wohnungen "Sub-Standard", sind es heute keine fünf Prozent.
Intelligent ins neue Jahrtausend
Wohnen in Wien im neuen Jahrtausend: Es gelten die Leitbilder
"Service" und "smart". Wiener Wohnen wird zur Unternehmung der Stadt
Wien, zur zentralen Anlaufstelle und zum Service-Knotenpunkt für alle
Kundinnen und Kunden. Schneller, praktischer, freundlicher kommen
Wienerinnen und Wiener zu ihrem Zuhause.
Neue Stadtteile entstehen: die Seestadt Aspern zum Beispiel, eine
Stadt in der Stadt. "Smart City" heißt intelligentes Design und
Verknüpfung aller Lebensbereiche: Verkehr, Infrastruktur,
Wohnkomfort. Ausgestattet mit Hochtechnologie, ausgerichtet auf
Umwelt, ausgelegt für Mieterinnen und Mieter. Die ersten Wohnungen
der Seestadt sind kommendes Jahr bezugsfertig, bis 2025 kommen 8.500
hinzu.
Nicht nur Projekte wie die Seestadt Aspern und das Sonnwendviertel
beim neuen Hauptbahnhof bringen der Stadt Anerkennung aus aller Welt:
Insgesamt vermietet Wiener Wohnen über 13 Millionen Quadratmeter
Wohnfläche an 500.000 Menschen. Sie genießen die Lebensqualität von
7.600 Liften, 1.300 Spielplätzen und 600 Hektar Grünflächen zu einem
leistbaren Preis.
(Schluss) esl
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