- 20.09.2013, 19:36:08
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Neue Verunsicherung, Börsenkommentar "Marktplatz", von Thorsten Kramer.
Frankfurt (ots) - Ausgerechnet im September, der normalerweise zu den
beiden schwächsten Börsenmonaten zählt, ist der deutsche Leitindex
Dax erstmals bis an die Schwelle von 8800 Punkten herangerückt. Aber
was ist dieser Tage schon normal? Die große Mehrheit der Investoren
jedenfalls fühlt sich von der Federal Reserve fehlgeleitet, nachdem
die Währungshüter am Mittwoch auf die fest erwartete erste Drosselung
ihrer Anleihenkäufe verzichtet hatten.
Insbesondere die Notierungen risikobehafteter Assets wie Aktien
legten daraufhin in erster Reaktion deutlich zu. Bereits am Freitag
hielten sich Anleger aber schon wieder zurück, und dafür hatten sie
guten Grund: Es galt, die Anlagepolitik für die nächsten Wochen zu
überdenken, und dabei hatte die Federal Reserve schon wieder eine
kleine Überraschung parat. Wie James Bullard, Leiter der regionalen
Notenbank von St. Louis, sagte, könnte der Ausstieg aus dem monatlich
85 Mrd. Dollar schweren Anleihenkaufprogramm nun im Oktober beginnen.
Die mit der Geldpolitik verbundene Verunsicherung bleibt also hoch.
Die Entwicklung dämpft auch die Hoffnung mancher Beobachter, die dem
Dax bereits in absehbarer Zeit einen Anstieg auf 9000 Punkte und
darüber hinaus zutrauen. Selbst wenn die Federal Reserve nun
tatsächlich im nächsten Monat mit der Drosselung beginnen sollte,
steht indes fest, dass die Märkte weiterhin üppig mit Liquidität
ausgestattet sind - und das billige Geld der Notenbanken gilt schon
seit längerem als wesentlicher Treiber der Aktienmärkte.
Mittelfristig bleiben die Aussichten also gut.
Seitdem die US-Notenbank das erste Quantitative-Easing- Programm
beschlossen hat, tendiert der amerikanische Benchmarkindex S&P 500
nachhaltig aufwärts (siehe Grafik). Inzwischen notiert er auf
Rekordniveau, und der deutsche Aktienmarkt folgte dem amerikanischen
- wie so oft. Dies ist ein wesentliches Argument dafür, dass die
Notierungen mit Blick auf das neue Börsenjahr 2014 weiter aufwärts
tendieren dürften. Dazu sollten die in nächster Zeit zur
Veröffentlichung anstehenden Wirtschaftsdaten die Hoffnungen auf eine
Belebung möglichst unterstützen. Für einen deutlichen Anstieg scheint
es allerdings notwendig, dass sich die Perspektiven für die
Entwicklung der Firmengewinne spürbar aufhellen. Die sich bisher
abzeichnende Wachstumsdynamik spricht eher für ein Gewinnwachstum auf
durchschnittlichem Niveau. Neue Impulse versprechen sich
Marktteilnehmer deshalb von der Berichtssaison für das noch laufende
dritte Quartal, wobei weniger die Zahlen an sich, sondern vielmehr
die begleitenden Kommentare im Fokus des Interesses stehen.
Bestenfalls würden dann die Investments internationaler Anleger, die
bereits seit Jahresbeginn viele Gelder an Europas Aktienmärkte
lenken, die Aktienkurse aufs Neue antreiben.
Bis dahin spricht hingegen einiges dafür, dass Investoren erst einmal
die kräftigen Kursgewinne absichern, die sie in den zurückliegenden
Wochen erzielen konnten. Allein seit seinem zyklischen Tief von Ende
August ist der Dax nunmehr um rund 600 Punkte oder 7,5% vorgerückt.
Seit Ende Juni summiert sich der Zuwachs sogar auf rund 1000 Stellen.
Es ist folglich schon viel Positives in die Kurse eingepreist, was
nicht zuletzt die positiven Stimmungsindikatoren an den Märkten
belegen. Eine Konsolidierung scheint deshalb angesagt.
Womöglich ist es nun die Bundestagswahl, die Anleger zum Anlass für
Gewinnmitnahmen nehmen. Ihre Sorge gilt dabei weniger der
Regierungsbildung: Sowohl mit einer christlich-liberalen als auch mit
einer großen Koalition, den beiden wahrscheinlichsten Ergebnissen,
könnten die Märkte gut leben, weil nur geringe Belastungen für die
Wirtschaft drohen. Vielmehr stellt sich danach aber die Frage, ob
beispielsweise das Thema Griechenland wieder stärker in den Fokus der
Märkte rückt und neue Verunsicherung hervorruft. Dies gilt umso mehr,
sollte die neue Regierung in der Schuldenkrise künftig eine neue
Linie verfolgen.
(Börsen-Zeitung, 21.9.2013)
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