• 17.09.2013, 11:01:41
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Belvedere: MICHAEL NEDER - Ohne Kompromisse

Präsentation des 10. Ausstellungs- bzw. Publikationsprojekts in der Reihe "Meisterwerke im Fokus"

Utl.: Präsentation des 10. Ausstellungs- bzw. Publikationsprojekts
in der Reihe "Meisterwerke im Fokus" =

Wien (OTS) - Im Sinne der zentralen Aufgaben eines Museums - der
Bewahrung, Erweiterung und Vermittlung der Sammlung - präsentiert das
Belvedere seit 2009 die Ausstellungsserie Meisterwerke im Fokus. Im
Rahmen dieser werden mehrmals jährlich spezielle Aspekte der
österreichischen Kunstgeschichte hervorgehoben und der Fokus auf
thematische Schwerpunkte, einzelne Künstlerpersönlichkeiten oder
herausragende Meisterwerke gerichtet. Ein zentraler Sammlungs- und
Forschungsbereich des Belvedere umfasst die Kunst des Biedermeier -
mit mehr als 2600 Werken verfügt das Museum über einen der
umfangreichsten Bestände an Kunstwerken dieser Zeit. Das zehnte
Ausstellungs- bzw. Publikationsprojekt der Meisterwerke-Serie ist
Michael Neder gewidmet, jenem eigenwilligen österreichischen
Vertreter des Biedermeier, dessen Oeuvre sich nur schwer in das
stilistische und motivische Spektrum seiner bekannteren Zeitgenossen
einordnen lässt. MICHAEL NEDER - Ohne Kompromisse macht es sich zur
Aufgabe, anhand von rund 60 Arbeiten erstmals das bisher weitgehend
unerforschte wie unbeachtete Werk dieses nüchternen Schilderers
seiner Zeit aufzuarbeiten.

Die in die Dauerausstellung des Oberen Belvedere integrierte erste
museale Einzelpräsentation Michael Neders veranschaulicht anhand von
Ölbildern und Zeichnungen die hohe künstlerische Qualität seines
Schaffens. Im Vergleich von Früh- und Spätwerk und in der
Gegenüberstellung von Porträts und Genredarstellungen wird
verdeutlicht, wie er seinen persönlichen Stil entwickelte, die für
ihn typische trockene Darstellungsform bewusst als Stilmittel
einsetzte, Formen straffte, Bewegung reduzierte und auf diese Weise
die optimale Ausdrucksform für seine ländlichen Sujets fand.
"Aufgrund seines kompromisslosen Stils und seiner charakteristischen
Motivwahl lässt sich Neders Werk nur schwer in die von bekannteren
Zeitgenossen wie Peter Fendi, Friedrich von Amerling, Moritz Michael
Daffinger oder Ferdinand Georg Waldmüller und Josef Danhauser
entwickelte, für das Biedermeier maßgebende Malweise einordnen.
Neders Schaffen nimmt vielmehr einen Platz am Rande ein und ist daher
bis dato weitgehend unerforscht wie unbeachtet geblieben - ebendiese
mangelnde Beachtung hat zur Entstehung der Ausstellung geführt und
soll durch sie korrigiert werden", betont Agnes Husslein-Arco,
Direktorin des Belvedere.

Malerei ohne Zugeständnisse

Michael Neder wollte nicht gefällig sein, sondern seine Umwelt so
abbilden, wie er sie vorfand. Seine Werke zeigen Fakten, sie wollen
Gegebenheiten nicht beschönigen oder literarisch ausschmücken und
stellen so heute wertvolle Dokumente der Vergangenheit dar. Die
Themen seiner Bilder sind Menschen im Wirtshaus, das fröhliche
Beisammensein beim Kirtag oder in Heurigenschenken sowie
Alltägliches, etwa die Mühsal der Mägde oder die Arbeit der
Weinhauer. Neben den Ereignissen in seiner unmittelbaren Heimat in
Döbling und Sievering malte er auch das Geschehen in den Weinorten
südlich von Wien, in Oberösterreich und im Berchtesgadener Land sowie
in Budweis, dem heutigen Ceské Budejovice. Einer Dynastie von
Schustermeistern entstammend, unterbrach Neder seine handwerkliche
Ausbildung, um an der kaiserlichen Akademie der bildenden Künste das
Historienfach zu studieren. Als 14-Jähriger erhielt er seine erste
Schulung in der Klasse für Historische Anfangsgründe, von 1824 bis
1829 belegte er das Fach Historische Zeichnungskunst und lernte die
Grundlagen der Historienmalerei kennen. Ab den ausgehenden
1820er-Jahren entwickelte Michael Neder unbeirrt seine unverkennbare
Malweise, indem er die Volksdarstellungen der zeitgenössischen
Lithografie eigenständig fortführte und von jenem Naturalismus
abwich, der die Gemälde zahlreicher Kollegen prägte. "Neder war ein
hervorragender Beobachter, der mit Farben vorzüglich umzugehen wusste
und seine Figuren eindringlich charakterisierte. Obwohl sich seine
künstlerische Fähigkeit vor allem im Porträt äußerte, widmete er sich
vorwiegend der Genremalerei. Es lag ihm fern, belehrend, verbessernd
oder gar moralisierend auf seine Umwelt zu wirken. Vielmehr wollte er
auf die Vielfalt des Lebens hinweisen - sein Werk Der Kutscherstreit
(1828) entspricht diesem künstlerischen Credo und ist sein Bekenntnis
zur Volksschilderung, der er ein Leben lang treu bleiben sollte,
obwohl er wusste, dass er damit in akademischen Kreisen nie auf
Anerkennung stoßen würde", erläutert Sabine Grabner, Kuratorin der
Ausstellung.

Früher Vorbote der Malerei der Zwischenkriegszeit

Im Laufe seines langen Schaffens zeigt sich Michael Neders beständige
Tendenz, Formen zu komprimieren und Bewegungsabläufe auf das
Notwendigste zu reduzieren, wodurch er sich immer mehr vom gängigen
Geschmack seiner Zeit distanzierte. Seinen schablonenhaften
Bildaufbau kontrastierte Neder mit der meisterhaften malerischen
Modellierung der Figuren. Die Heimkehr der Herde, eines seiner
Hauptwerke, erhielt durch die Reduktion der Form und die
Flächenhaftigkeit des Raumes äußerst moderne Züge und wies ihn
bereits im Jahre 1844 als frühen Vorboten aus, dessen Stil seiner
Zeit weit voraus war und erst im Realismus der Zwischenkriegszeit
eine moderne Entsprechung finden sollte.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von
Agnes Husslein-Arco, Elisabeth Foissner, Roland Girtler, Sabine
Grabner und Harald Krejci.

Meisterwerke im Fokus: Michael Neder - Ohne Kompromisse wurde durch
die freundliche Unterstützung des Dorotheum ermöglicht.

Die Ausstellung ist bis 19. Jänner 2014 im Oberen Belvedere zu sehen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | BEL

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