- 16.09.2013, 17:20:31
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Bildungsarmut"
Ausgabe vom 17. September 2013
Utl.: Ausgabe vom 17. September 2013 =
Wien (OTS) - Mit diesem Wort könnte auch der bisherige Wahlkampf
beschrieben werden, doch in Wahrheit wird damit eines der
drängendsten Probleme Europas beschrieben. Drei Viertel der
arbeitslosen Jugendlichen in Wien haben bloß ihre Schulpflicht
absolviert, aber keine weiterführende Qualifikation erworben. In
Deutschland sind die Zahlen ähnlich trist. Und diese beiden Länder
haben insgesamt noch großartige Arbeitsmarktdaten im Vergleich zu den
südeuropäischen Staaten.
Warum das Thema nicht stärker aufgegriffen wird, hat vermutlich mit
einer feststellbaren Unlust der Politiker zu tun, sich detailliert
mit Themen auseinanderzusetzen. So manche Erkenntnis wird verdrängt,
weil die daraufhin folgende Veränderung als zu mühsam betrachtet
wird.
Jugendliche ohne Ausbildung kommen überwältigend aus Elternhäusern
mit geringem Einkommen und ebenso schlechter Ausbildung. Die soziale
Undurchlässigkeit des Bildungssystems ist also ein Faktor. Um diese
Elitenbildung zu durchbrechen, wäre eine gemeinsame und ganztägige
Schule hilfreich - das Schulsystem als solches stünde zur
Disposition.
Die Volkspartei will das aber nicht, derartige Ideen werden als
"Zwang" abgetan - ein absurdes Argument. Und die Sozialdemokratie
verhält sich bei diesem Thema auffallend passiv, was sie für viele
Jungwähler ebenfalls unattraktiv macht.
In der kommenden Legislaturperiode sollten viele Veränderungen in der
Republik stattfinden, das Heben des allgemeinen Bildungsniveaus
gehört sicher ganz vorne dazu. Als Leitfaden könnte übrigens das
Papier vom Februar 2011 dienen, als in einem Bildungsdialog die
Sozialpartner mit den Ministerinnen Claudia Schmied und Beatrix Karl
(damals noch für Universitäten zuständig) zwölf Punkte vereinbarten.
Einer davon lautet: Ausbau der ganztägigen Schulangebote mit
gezielter Förderung.
Zweieinhalb Jahre später ist davon nichts zu sehen. Gut sichtbar sind
allerdings die Auswirkungen der Untätigkeit: In diesem Zeitraum ist
die Jugendarbeitslosigkeit von 8,3 auf nunmehr 9,2 Prozent gestiegen.
Und diesen Jugendlichen hilft die Aussage, in anderen Ländern sei es
noch viel schlimmer, exakt null. Sie zahlen die Zeche einer im
wahrsten Sinn des Wortes bildungsarmen Politik.
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