• 16.09.2013, 09:53:25
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Neue Gründer braucht das Land - von Andre Exner

Vom Gründerzentrum in die Insolvenzdatei: Auch das ist für viele traurige Realität

Utl.: Vom Gründerzentrum in die Insolvenzdatei: Auch das ist für
viele traurige Realität =

Wien (OTS) - Im ersten Halbjahr 2012 wurden österreichweit genau
14.515 Unternehmen gegründet. Im Vorjahreszeitraum waren es etwas
mehr. Dank der GmbH-Reform, die im zweiten Halbjahr in Kraft getreten
ist, dürfte es im Gesamtjahr allerdings ein Wachstum geben, was den
Trend der vergangenen Jahre bestätigen würde. Dennoch gibt es bei
Unternehmensgründungen viel Aufholbedarf.

So gibt es seit Jahren mehr Pleiten als Neugründungen, wobei viele
Gründer von heute die Pleitefälle von morgen sind - denn die
Stabilität der neu gegründeten Unternehmen lässt zu wünschen übrig:
Von den im Jahr 2006 gegründeten Unternehmen bestanden laut Statistik
Austria nach fünf Jahren nur mehr 60,6 Prozent. Die Firmen mit
"Geburtsjahr" 2005 hatten noch eine Überlebensrate von 62,8 Prozent,
jene aus dem Jahr 2004 eine von 64,5 Prozent. Vom Gründerzentrum in
die Insolvenzdatei: Auch das ist für viele traurige Realität und ein
Feld, wo es sehr viel Verbesserungspotenzial gibt. Natürlich können
staatliche Förderstellen oder private Financiers nicht in die Zukunft
blicken. Doch eine Glaskugel haben auch Banken nicht - dennoch
berichten sie aufgrund strikterer Kriterien von niedrigeren
Ausfallsquoten.

Auch ist die Zahl der Gründungen in Österreich im internationalen
Vergleich zu niedrig. Gleichzeitig ist nicht jeder heimische Gründer
tatsächlich innovativ: Wer beim Ausdruck Start-up an "Garagenfirmen"
wie Apple oder Microsoft oder die Erfinder von neuen
Produktkategorien wie Red Bull denkt, ist hierzulande fehl am Platz.
Die meisten Gründungen gibt es im Dienstleistungssektor, speziell in
der Gastronomie, oft infolge von Übernahmen. Natürlich kann man nie
genug Pizzerien oder Kosmetiksalons haben, aber die wahren "Game
Changers" sind nun mal in innovativen Branchen zu Hause. Es bräuchte
beispielsweise mehr Technologiefirmen unter den Gründern. Doch
solange die größten Fördertöpfe erst zur Verfügung stehen, wenn das
Produkt schon Marktreife erlangt hat, wird sich in dieser Hinsicht
nicht viel ändern.

Wenn wir schon beim Thema sind: Auch das Förderwesen würde noch die
eine oder andere Anpassung vertragen. Es spricht schon Bände, wenn
Kreditinstitute eigene Experten beschäftigen müssen, um Gründern den
Weg durch den Förderdschungel zu weisen.

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