- 11.09.2013, 20:56:37
- /
- OTS0264 OTW0264
Teamplayer, Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Wittkowski
Frankfurt (ots) - Wenn das der Weg ist, Führungsdebatten zu beenden
oder gar nicht erst aufkommen zu lassen, wird der Aufsichtsrat der
Deutschen Bank den Vertrag mit Co-Chef Jürgen Fitschen noch oft
verlängern müssen. Und hoffentlich ist das kein schlechtes Omen: Beim
Stichwort "verlängern" fällt einem nämlich Josef Ackermann ein, der
stets beteuert hatte, 2010 als CEO des blauen Geldkonzerns
auszuscheiden, sich dann doch bereiterklärte, drei Jahre
dranzuhängen, um schließlich nach der einen oder anderen Volte um den
Aufsichtsratsvorsitz 2012 für die Doppelspitze Fitschen und Anshu
Jain Platz zu machen. Sie wissen schon: ein klar strukturierter
Prozess. Will sagen: Papier ist geduldig, auch Vertragspapier. Bis
März 2017 - das ist jetzt, vorbehaltlich des förmlichen Beschlusses,
die an die Bestellungsdauer Jains angepasste Laufzeit von Fitschens
Vertrag - haben alle Beteiligten noch viele Gelegenheiten, es sich
anders zu überlegen. Dies als Vorbemerkung.
Dessen ungeachtet ist offensichtlich, dass die Bank und ihre
Stakeholder, das Kontrollorgan und nicht zuletzt die beiden
Teamplayer selbst Gefallen an dem Doppel gefunden haben, womit die
Deutsche Bank schon früher positive Erfahrungen gemacht hat: Zwischen
1967 und 1988 wurde sie dreimal von einem Zweiergespann gelenkt: Karl
Klasen und Franz Heinrich Ulrich, F. Wilhelm Christians und Wilfried
Guth sowie Christians und Alfred Herrhausen. Doch hatte man später
auch in der Bank selbst geglaubt, ein Führungsduo passe, zumal für
einen Global Player, nicht in die heutige Zeit und werde gerade von
internationalen Investoren weder akzeptiert noch überhaupt
verstanden. Nicht von ungefähr war Ackermann der erste CEO in der
143-jährigen Geschichte des Hauses.
Aber warum sich nicht eines Besseren belehren lassen? War doch schon
auf der jüngsten Hauptversammlung von Aktionärsseite der Ruf laut
geworden, man möge Fitschen bewegen, länger zu bleiben als bis 2015.
Ob Jain das als Misstrauensvotum gegen sich interpretieren muss, sei
dahingestellt. Dass das Duo eine "ausgezeichnete partnerschaftliche
Zusammenarbeit" verbindet, wie Aufsichtsratsvorsitzender Paul
Achleitner hervorhebt, ist hier jedenfalls keine Phrase, sondern,
soweit von außen erkennbar, Realität. Dann spricht, sofern der eben
65 Jahre alt gewordene Fitschen dazu bereit ist, in der Tat nichts
gegen die Verlängerung, für die es einen ebenso einfachen wie
evidenten sachlichen Grund gibt: Ein Kulturwandel braucht länger als
drei Jahre, bis er das Publikum mit nachhaltigen Ergebnissen zu
überzeugen vermag.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EUN






