WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Abschied von der Generation Gold - von Thomas Pressberger

Wie die Gehälter in 40 Jahren sind, ist trotz Modellrechnungen

Wien (OTS) - Der Handel zittert um eine seiner besten Kundengruppen:
die Generation 50 plus. Auch wenn diese nicht homogen ist und nicht jeder in dieser Altersgruppe die Taschen voller Geld hat, zählt sie für den Handel zu den kaufkräftigsten und verlässlichsten Zielgruppen. Doch damit könnte es in 20, 30 oder 40 Jahren vorbei sein. Von den Verdiensten der Vorgeneration können heute viele nur noch träumen.

Frei nach dem ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush, der in einem Moment der Erleuchtung sinnierte, "Vielleicht sollte man den Leuten doch ein bisschen von dem Geld lassen, das sie verdienen", zerbrechen sich auch in heimischen Gefilden Menschen den Kopf, wie man die Kaufkraft von nachkommenden Generationen aufrechterhalten kann. Für viele Politiker geht die Marschrichtung bei den Gehältern hin zu höheren Einstiegsgehältern für die Jungen bei einer gleichzeitigen Abflachung der Einkommenskurve in den folgenden Jahren.

Die Krux dabei ist, weder die Jungen noch die Alten zu benachteiligen. Wer mit einem niedrigen Gehalt eingestiegen ist, wird wenig Freude mit einer Abflachung haben, Unternehmer werden Älteren ungern höhere Gehälter als Jüngeren zahlen, wenn sie die Wahl haben.

Derzeit funktioniert das System so: Alle jene, die über höhere Pensionen verfügen, legen einen Teil des Geldes für die Nachkommen auf die Seite oder greifen ihnen finanziell unter die Arme. Die Nachkommen erben eines Tages Erspartes oder Besitz und werden einen Teil für den Konsum ausgeben, den anderen Teil wiederum für ihre Nachkommen auf die Seite legen. Auf jeden Fall dürfte das Familiensilber aber in den nächsten 20 bis 40 Jahren verbraucht sein. Hier kommt nun die Modellrechnung, derer sich vor allem Politiker nicht ungerne bedienen, ins Spiel, die jedoch einige Risiken birgt.

Laut Adam Riese sollten die Jungen laut diesen Modellen durch höhere Einstiegsgehälter eines Tages in der Lage sein, ihre Lebensaufbauphase selber finanzieren zu können und von den Alten unabhängig sein. Doch die Umstellung braucht Zeit, viel Zeit. Und während sich das Modell nicht ändert, ändert sich die Realität Tausende Male. Wie hoch die Gehälter in 40 Jahren sind, ist völlig offen. Vom Komfort einer kaufkräftigen Kundengruppe über 50 wird sich der Handel jedenfalls über lang oder kurz verabschieden müssen.

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