• 09.09.2013, 09:40:40
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Haltet die Industrie im Land - von Hans Jörg Bruckberger

Mit einer vernünftigen Industriepolitik gewinnt man leider keine Wahl

Utl.: Mit einer vernünftigen Industriepolitik gewinnt man leider
keine Wahl =

Wien (OTS) - Wirtschaft ist in den aktuellen Wahlkämpfen, ob in
Österreich oder Deutschland, ein omnipräsentes Thema. Mehr als sonst,
hat man den Eindruck. Kein Wunder: Die schwache Konjunktur, die
angespannte Situation am Arbeitsmarkt, die europäische Schuldenkrise
- all das sind Themen, die die Bevölkerung bewegen. Leider steckt
aber hinter populistischen Schlagwörtern - von der "Förderung des
Wirtschaftstandorts" über "Arbeitsplätze schaffen" bis hin zur
"Abschaffung des Euros" wenig Substanz. Was im letzteren Fall ein
Segen ist, ist ansonsten natürlich traurig.

Denn in Europa findet eine schleichende Deindustrialisierung statt.
Und das ist eine gefährliche Entwicklung. Umwelt- und Sozialstandards
sind außer Frage wichtig, nur dürfen die Entscheidungsträger, ob nun
in Wien oder Brüssel, nicht vergessen, dass unsere Konzerne im
globalen Wettbewerb stehen. Mit Chinesen, die keine millionenteuren
Umweltauflagen erfüllen müssen, mit Japanern, die den Yen abwerten
und sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Und mit
Amerikanern, die von günstigen Energiekosten profitieren und
traditionell flexibler sind, wenn es etwa um Arbeitszeiten geht.
Oder um Kapazitätsanpassungen. Die sind eben manchmal leider auch
notwendig, wenn es gerade nicht so läuft. Aber sagen Sie das Mal den
Franzosen. Als ArcelorMittal ein Stahlwerk schließen wollte, war der
Teufel los.

Summa summarum ist es schon verständlich, dass europäische Konzerne
zurzeit in die USA expandieren. Dort wird ihnen der rote Teppich
ausgerollt und die Konjunktur läuft auch schon wieder prächtig. Dass
etwa eine Voestalpine 550 Millionen Euro in ein Werk in Texas
investiert und dort 150 Jobs schafft, war den politisch
Verantwortlichen hierzulande offenbar egal.

Die Industrie ist aber ein wichtiger Motor für unsere Wirtschaft. Die
Politik ist mehr gefordert denn je, den Standort attraktiv zu
gestalten. Es geht nicht darum, chinesische Umweltsünden zu kopieren.
Und auch nicht amerikanische Sozialstandards. Aber ein wenig Augenmaß
und Verständnis für die Anliegen der Wirtschaftstreibenden,
insbesondere auch jener in der Industrie, wäre dringend notwendig.
Nur leider lässt sich mit Industriepolitik, egal wie vernünftig diese
auch wäre, halt keine Wahl gewinnen.

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