• 08.09.2013, 13:47:15
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Kirche: "Religionsunterricht aus Wahlkampf heraushalten"

Kirche unterstützt Positionspapier des Staatssekretariates für Integration für verpflichtenden Ethikunterricht alternativ zum konfessionellen Religionsunterricht - Initiative in Absprache mit katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche, sowie mit Islam und Judentum

Utl.: Kirche unterstützt Positionspapier des Staatssekretariates für
Integration für verpflichtenden Ethikunterricht alternativ zum
konfessionellen Religionsunterricht - Initiative in Absprache
mit
katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche, sowie mit
Islam
und Judentum =

Wien, 08.09.13 (KAP) "Die katholische Kirche unterstützt den neuen
Ethikunterricht-Vorschlag von Staatssekretär Sebastian Kurz und will
gleichzeitig den konfessionellen Religionsunterricht aus dem
Wahlkampf heraushalten." Das betonte seitens der katholischen Kirche
die geschäftsführende Leiterin des Interdiözesanen Amts, Christine
Mann, und reagierte damit am Sonntag auf eine aktuelle mediale
Kontroverse zwischen ÖVP uns SPÖ. Gleichzeitig würdigte Mann ein
Positionspapier des Integrationsstaatssekretariats, das sich für
einen verpflichtenden Ethikunterrichts alternativ zum
konfessionellen Religionsunterricht einsetzt und mit den
christlichen Kirchen, der islamischen Glaubensgemeinschaft und der
Israelitischen Kultusgemeinde abgestimmt ist.

Zu der aktuellen medialen Kontroverse der Regierungsparteien
erklärte Christine Mann gegenüber Kathpress: "Es ist schade, dass in
dieser Sache, von der wir hoffen, dass es nach den Wahlen
Weichenstellungen geben werde, plötzlich Misstöne in den Wahlkampf
kommen. Das tut der Sache selbst und auch den Menschen nicht
wirklich gut. Es gab zu besagter Thematik mit dem
Unterrichtsministerium noch unter Bundesministerin Gehrer, ebenso
auch mit Bundesministerin Schmied und mit der zuständigen
Beamtenschaft zahlreiche und intensive Gespräche auf höchster Ebene
- selbst mit dem Bundespräsidenten. Diese Gespräche zeitigten
allerdings - was wir natürlich bedauern - bislang keine Ergebnisse
in dem Sinn, dass die Schulversuche in der bisherigen Form in das
Regelschulwesen umgesetzt würden. Dem seinerzeitigen Vorschlag der
Bundesministerin eines Ethikunterrichts für alle, der letztlich eine
Schwächung des konfessionellen Religionsunterrichts bedeutet, könne
man seitens der Kirchen und Religionsgesellschaften nicht beitreten,
denn der Religionsunterricht leistet eben etwas, was kein
Ethikunterricht leisten kann und darf. Die Vielfalt ist seine
Stärke, und erst in jüngster Zeit wurden zwei weitere Kirchen und
Religionsgesellschaften gesetzlich anerkannt."

Erfreuliche Bekenntnisse zum Religionsunterricht

Es sei im Gegenteil höchst erfreulich, dass beide Großparteien
deutliche und positive Signale zum konfessionellen
Religionsunterricht setzen. Seitens der ÖVP ist die Wertschätzung
des konfessionellen Religionsunterrichts seit Jahren in ihren
diversen Grundsatzpapieren nachzulesen, so Mann. Auch die
ausschließlich sachbezogene Initiative des Staatssekretariats für
Integration in Abstimmung mit einem großen Teil der gesetzlich
anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften sei in diesem
Zusammenhang zu sehen. In der gesamten ÖVP sei man - durchaus in
Übereinstimmung mit den gesetzlich anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften - der Meinung, dass der konfessionelle
Religionsunterricht auch mit dem Blick auf Europa in einer
veränderten Religionszugehörigkeitslandkarte als Ergänzung einen
alternativen Ethikunterricht braucht. Dies Sichtweise resultiere
aber keinesfalls, wie auch im besagten Papier ausgeführt,
ausschließlich aus einer Zunahme von Abmeldungen, so Mann.

Ethikunterricht: Vorstoß des Integrationsstaatssekretariats

Anlass für die aktuelle Diskussion ist ein neuen Vorstoß des
Staatssekretariats für Integration zum Thema Ethikunterricht: "All
jene Schülerinnen und Schüler, die - aus welchen Gründen immer -
keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen bzw. erhalten,
sollen verpflichtend an einem alternativen Ethikunterricht
teilnehmen", heißt es in einem am Sonntag bekanntgewordenen und
"Kathpress" vorliegenden Positionspapier. Neu daran ist der Umstand,
dass das Dokument "in Absprache" mit der katholischen, evangelischen
und orthodoxen Kirche, sowie mit der islamischen
Glaubensgemeinschaft und der Israelitischen Kultusgemeinde erstellt
ist.

Das von Sebastian Kurz geleiteten Integrationsstaatssekretariat
betont im Papier den "wichtigen und wertvollen Beitrag" des
konfessionellen Religionsunterrichts für die Integrationspolitik.
Dieser habe nicht nur "große Bedeutung" bei der Vermittlung von für
das Zusammenleben wichtigen Werten und Prinzipien, sondern auch "für
eine individuelle, ethisch- und werteorientierte Bildung von Kindern
und Jugendlichen".

Der breite, über Konfessions- und Gesellschaftsgrenzen hinausgehende
Konsens hinsichtlich bestimmter Werte und Prinzipien mache es jedoch
aufgrund gestiegener Diversität in der Gesellschaft "erforderlich
auch jenen Kindern und Jugendlichen, die keinen konfessionellen
Religionsunterricht besuchen, einen bestimmten, kursorischen
Unterricht im Bereich der Werte und Prinzipien zu teil werden zu
lassen. Diese Rolle kann ein alternativer verpflichtender
Ethikunterricht wahrnehmen", heißt es im Papier.Gleichzeitig dürfe
der konfessionelle Religionsunterricht, der gerade "für religiöse
Minderheiten unverzichtbar" ist, durch Einführung eines
Ethikunterrichts "keinesfalls eine Schwächung erleiden".

Das Integrationssekretariat greift mit seinem Positionspapier einen
zwischen SPÖ und ÖVP im aktuellen Regierungsprogramm (2008-2013)
vereinbarten Punkt auf, wo es heißt, dass "die Details der
Einführung eines Gegenstandes 'Ethikunterricht' in der Sekundarstufe
II, insbesondere die Frage nach dem Verhältnis zum
Religionsunterricht", im Rahmen einer parlamentarischen Enquete
unter Einbeziehung der Kirchen und Religionsgemeinschaften zu prüfen
sei. Diese fand dann am 5. Mai 2011 statt. Als Konsequenz legte das
zuständige Unterrichtsministerium verschiedene Modelle des
Ethikunterrichts vor, bei dem das u.a. von der katholischen Kirche
favorisierte Modell eines verpflichtenden Ethikunterrichts
alternativ zum Religionsunterricht als kostengünstig abschnitt. In
der Folge unterließen es aber sowohl Ministerium als auch Regierung,
die Frage zu entscheiden.

Mehr auf www.kathpress.at (forts. mgl.) pwu/

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