Kirche: "Religionsunterricht aus Wahlkampf heraushalten"

Kirche unterstützt Positionspapier des Staatssekretariates für Integration für verpflichtenden Ethikunterricht alternativ zum konfessionellen Religionsunterricht - Initiative in Absprache mit katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche, sowie mit Islam und Judentum

Wien, 08.09.13 (KAP) "Die katholische Kirche unterstützt den neuen Ethikunterricht-Vorschlag von Staatssekretär Sebastian Kurz und will gleichzeitig den konfessionellen Religionsunterricht aus dem Wahlkampf heraushalten." Das betonte seitens der katholischen Kirche die geschäftsführende Leiterin des Interdiözesanen Amts, Christine Mann, und reagierte damit am Sonntag auf eine aktuelle mediale Kontroverse zwischen ÖVP uns SPÖ. Gleichzeitig würdigte Mann ein Positionspapier des Integrationsstaatssekretariats, das sich für einen verpflichtenden Ethikunterrichts alternativ zum konfessionellen Religionsunterricht einsetzt und mit den christlichen Kirchen, der islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelitischen Kultusgemeinde abgestimmt ist.

Zu der aktuellen medialen Kontroverse der Regierungsparteien erklärte Christine Mann gegenüber Kathpress: "Es ist schade, dass in dieser Sache, von der wir hoffen, dass es nach den Wahlen Weichenstellungen geben werde, plötzlich Misstöne in den Wahlkampf kommen. Das tut der Sache selbst und auch den Menschen nicht wirklich gut. Es gab zu besagter Thematik mit dem Unterrichtsministerium noch unter Bundesministerin Gehrer, ebenso auch mit Bundesministerin Schmied und mit der zuständigen Beamtenschaft zahlreiche und intensive Gespräche auf höchster Ebene - selbst mit dem Bundespräsidenten. Diese Gespräche zeitigten allerdings - was wir natürlich bedauern - bislang keine Ergebnisse in dem Sinn, dass die Schulversuche in der bisherigen Form in das Regelschulwesen umgesetzt würden. Dem seinerzeitigen Vorschlag der Bundesministerin eines Ethikunterrichts für alle, der letztlich eine Schwächung des konfessionellen Religionsunterrichts bedeutet, könne man seitens der Kirchen und Religionsgesellschaften nicht beitreten, denn der Religionsunterricht leistet eben etwas, was kein Ethikunterricht leisten kann und darf. Die Vielfalt ist seine Stärke, und erst in jüngster Zeit wurden zwei weitere Kirchen und Religionsgesellschaften gesetzlich anerkannt."

Erfreuliche Bekenntnisse zum Religionsunterricht

Es sei im Gegenteil höchst erfreulich, dass beide Großparteien deutliche und positive Signale zum konfessionellen Religionsunterricht setzen. Seitens der ÖVP ist die Wertschätzung des konfessionellen Religionsunterrichts seit Jahren in ihren diversen Grundsatzpapieren nachzulesen, so Mann. Auch die ausschließlich sachbezogene Initiative des Staatssekretariats für Integration in Abstimmung mit einem großen Teil der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften sei in diesem Zusammenhang zu sehen. In der gesamten ÖVP sei man - durchaus in Übereinstimmung mit den gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften - der Meinung, dass der konfessionelle Religionsunterricht auch mit dem Blick auf Europa in einer veränderten Religionszugehörigkeitslandkarte als Ergänzung einen alternativen Ethikunterricht braucht. Dies Sichtweise resultiere aber keinesfalls, wie auch im besagten Papier ausgeführt, ausschließlich aus einer Zunahme von Abmeldungen, so Mann.

Ethikunterricht: Vorstoß des Integrationsstaatssekretariats

Anlass für die aktuelle Diskussion ist ein neuen Vorstoß des Staatssekretariats für Integration zum Thema Ethikunterricht: "All jene Schülerinnen und Schüler, die - aus welchen Gründen immer -keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen bzw. erhalten, sollen verpflichtend an einem alternativen Ethikunterricht teilnehmen", heißt es in einem am Sonntag bekanntgewordenen und "Kathpress" vorliegenden Positionspapier. Neu daran ist der Umstand, dass das Dokument "in Absprache" mit der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche, sowie mit der islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelitischen Kultusgemeinde erstellt ist.

Das von Sebastian Kurz geleiteten Integrationsstaatssekretariat betont im Papier den "wichtigen und wertvollen Beitrag" des konfessionellen Religionsunterrichts für die Integrationspolitik. Dieser habe nicht nur "große Bedeutung" bei der Vermittlung von für das Zusammenleben wichtigen Werten und Prinzipien, sondern auch "für eine individuelle, ethisch- und werteorientierte Bildung von Kindern und Jugendlichen".

Der breite, über Konfessions- und Gesellschaftsgrenzen hinausgehende Konsens hinsichtlich bestimmter Werte und Prinzipien mache es jedoch aufgrund gestiegener Diversität in der Gesellschaft "erforderlich auch jenen Kindern und Jugendlichen, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, einen bestimmten, kursorischen Unterricht im Bereich der Werte und Prinzipien zu teil werden zu lassen. Diese Rolle kann ein alternativer verpflichtender Ethikunterricht wahrnehmen", heißt es im Papier.Gleichzeitig dürfe der konfessionelle Religionsunterricht, der gerade "für religiöse Minderheiten unverzichtbar" ist, durch Einführung eines Ethikunterrichts "keinesfalls eine Schwächung erleiden".

Das Integrationssekretariat greift mit seinem Positionspapier einen zwischen SPÖ und ÖVP im aktuellen Regierungsprogramm (2008-2013) vereinbarten Punkt auf, wo es heißt, dass "die Details der Einführung eines Gegenstandes 'Ethikunterricht' in der Sekundarstufe II, insbesondere die Frage nach dem Verhältnis zum Religionsunterricht", im Rahmen einer parlamentarischen Enquete unter Einbeziehung der Kirchen und Religionsgemeinschaften zu prüfen sei. Diese fand dann am 5. Mai 2011 statt. Als Konsequenz legte das zuständige Unterrichtsministerium verschiedene Modelle des Ethikunterrichts vor, bei dem das u.a. von der katholischen Kirche favorisierte Modell eines verpflichtenden Ethikunterrichts alternativ zum Religionsunterricht als kostengünstig abschnitt. In der Folge unterließen es aber sowohl Ministerium als auch Regierung, die Frage zu entscheiden.

Mehr auf www.kathpress.at (forts. mgl.) pwu/

nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0001