Paul Scharner im Ö3-"Frühstück bei mir" über brutale Rituale in Clubs und Feiern im Rotlicht: "Ich sehe mich nicht als Nestbeschmutzer"

Wien (OTS) - Am Montag hat er überraschend seinen Rückzug aus dem Profi-Fußball verkündet - heute zog Paul Scharner in Ö3-"Frühstück bei mir" eine bittere Bilanz über seine Karriere: "Ich habe mir eine Liste gemacht: über die schöne Zeit und wann ich von der Fußballwelt genervt war. Von den 14 Jahren Profi-Fußball waren ich genau fünf Jahre und drei Monate glücklich und zufrieden, der Rest war Anecken und Hadern. Auch mich hat diese Rechnung, die ich vor meiner Entscheidung aufzuhören zur Klärung erstellt habe, eigentlich erschüttert."

Offen wie kaum ein anderer Fußball-Star zuvor hat der 33jährige Ex-England Legionär im Gespräch mit Claudia Stöckl über das von ihm zitierte "Haifischbecken Fußball" gesprochen und brutale Aufnahmerituale beschrieben, zum Beispiel das sogenannte "Pastern":
"Da wirst du gefesselt, das ganze Team zieht dich nackt aus, dann wirst du eingeschmiert mit schwarzer Pasta am Arsch, und jeder kommt und haut mit dem Badeschlapfen drauf." In Profi-Vereinen und Akademien würde diese herbe Methode für Neuzugänge ausgeübt, er hatte es 2002 als 21jähriger bei seinem Einstieg bei der Wiener Austria erleben müssen. Paul Scharner dazu weiter auf Ö3: "Es geht darum die Person zu brechen, dass sie alles mitmacht was die Rädelsführer vorgeben. Es war ein harter Kampf, die Brille ist kaputt gegangen, aber gegen fünfzehn andere hast du keine Chance. Ich war bereit jeden einzelnen niederzutreten, der mir das angetan hat. Valentin Hobel, mein Mentaltrainer, hat mich jedoch zurückgehalten."

Außerdem bekannte der Spitzenfußballer offen, dass das Fußball-und das Rotlichtmilieu "oft eine intensive Verbindung haben." Scharner erläutert im Detail: "Die Meisterfeier der Wiener Austria 2003 fand in einem Bordell statt. Ich wollte da nicht hin, ich bin verheiratet und war meiner Frau immer treu. Aber ich war sowieso verschrien als Einzelgänger und sogar als schwul, weil ich da nicht mitgemacht habe." Auch eine Verhandlung mit einem italienischen Klub 2003 hätte in einem Bordell stattfinden sollen: "So soll der Fußballspieler erpressbar gemacht werden, dass eben geoutet werden könnte, dass ich im Puff mit dabei war." Dass der 40fache Teamspieler mit seinen Erzählungen auch Kollegen verrät, stört ihn nicht: "Ich sehe mich nicht als Nestbeschmutzer. Warum soll man da mitmachen und schweigen? Außerdem habe ich ohnehin keine Freunde unter den Fußballern."

Außerdem kündigt Paul Scharner, genauso wie sein Coach Valentin Hobel, an: "Jetzt unterzutauchen." Zeitgleich mit seinem langjährigen Schützling Scharner hat Hobel seine Karriere als Mental- und Karrierecoach beendet. Scharner: "Das Ö3-Frühstück war jetzt mein letztes Lebenszeichen für vier Monate. Und vier Monate dauert es auch, dass sich eine Entscheidung setzt und neue Szenarien hochkommen."

Nächstes Jahr will der rebellische Fußball-Star nach Österreich zurückkehren, dann schon als vierfacher Vater - seine Frau Marlene ist wieder schwanger. Bald beginnt er mit dem Hausbau am Gießhübl bei Wien. Als zukünftigen Beruf kann sich der Ex-Kicker vorstellen "in die Wirtschaft zu gehen. Als Coach oder Berater, ich habe in dem Gebiet viel mitbekommen. In jedem Fall gehe ich komplett weg vom Fußball."

"Frühstück bei mir" ist nachzuhören unter oe3.orf.at.(hb)

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