Weiße Schafe in Jägerschaft die Ausnahme?

Österr. Tierschutzverein erneuert Forderung nach Alkoholverbot und psychologischem Gutachten für Jäger

Wien (OTS) - Nach dem kürzlich bekannt gewordenen Vorfall der grausam zu Tode gequälten Gämse in Tirol und dem tätlichen Angriff von Jägern auf einen Wanderer in Kärnten, lässt der nächste Skandal in der Jägerschaft nicht lange auf sich warten.

Erst gestern erfuhr die Öffentlichkeit von einer weiteren, erschreckenden Begebenheit: Anfang August hatte im Salzburger Pinzgau ein Jäger nur zehn Meter vom nächsten Haus entfernt vom Wald aus in eine Siedlung geschossen. Sein Ziel: ein 16-jähriger Hirsch mit dementsprechend großem Geweih. Es ist zu befürchten, dass diese lohnende Trophäe für den Jäger eine so große Verlockung darstellte, dass er das ausdrückliche Schießverbot bei möglicher Gefährdung von Menschen ignorierte.

Mag. Christian Hölzl, Jurist des Österreichischen Tierschutzvereins ist empört: "Erst Anfang des Jahres war, anlässlich des tragischen Todes eines jungen Treibers, eine heftige Debatte um die Sicherheit bei der Jagd entbrannt. Doch anscheinend waren alle Beteuerungen und Versprechungen zur Besserung seitens der Jägerschaft nur Schall und Rauch. Dieser unbekannte Jäger besitzt offensichtlich nicht die nötige psychologische Verlässlichkeit." Damit verweist Hölzl auf eine krasse Diskrepanz im österreichischen Waffengesetz.

Grundsätzlich wird für den Besitz bzw. das Führen von Waffen eine behördliche Genehmigung benötigt, in deren Rahmen auch eine psychologische Verlässlichkeitsuntersuchung verpflichtend ist. Diese soll sicherstellen, dass die Antragsteller (z.B. bei Stress) nicht dazu neigen, mit Waffen unvorsichtig umzugehen oder diese leichtfertig zu verwenden. Unglaublich: Das WaffG nimmt Jäger hiervon aus. Jäger erlangen entweder den Waffenschein ohne Nachweis über ihre psychologische Eignung oder jagen überhaupt - ganz legal - ohne Waffenpass.

Typisch ist für Hölzl an dem Vorfall, dass der Name des Schützen nicht preisgegeben wird und eine Mauer des Schweigens den Vorfall wochenlang vertuschte.

"Solange die Jägerschaft sich selbst kontrolliert, wird es weiterhin zu derartigen Vorfällen kommen. Der Österreichische Tierschutzverein hat sich zur Anlaufstelle für verunsicherte Menschen entwickelt, die ihre Sicherheit durch Jäger wiederholt bedroht sehen. Rund tausend Menschen haben in den letzten Tagen unsere Forderung nach Alkoholverbot und einem verpflichtenden psychologischen Test für alle Waffenbesitzer, einschließlich der Jäger, bereits unterzeichnet."

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Österreichischer Tierschutzverein
Mag. Christian Hölzl
Jurist
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