WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Pendel schwingt zurück - von Andreas Wolf

Die Notenbank muss bereits vor dem Aufschwung ihre Geldpolitik ändern

Wien (OTS) - Niedrige Zinsen sind wie süßes Gift - je mehr man sich an sie gewöhnt hat, desto weniger möchte man davon ablassen. Doch dass das Verleihen von Geld auf Dauer günstig sein muss, steht in keinem Gesetzbuch - ebenso wenig, dass es auf den Einsatz von Kapital hohe Renditen zu geben hat. Insofern bedeutet die eingeleitete Zinswende der US-Notenbank nur die Rückkehr zu einem normalen Zustand, den sie in der Folge der US-Hypothekenkrise Ende 2008 verlassen hatte. Denn im Mittel bewegten sich die Fed-Funds, also die Leitzinsen in den USA, in den vergangenen 20 Jahren zwischen drei und sechs Prozent. Anders als in Europa setzt ein Wirtschaftsaufschwung in den USA auch häufig wesentlich abrupter und dynamischer ein. Die Skepsis zahlreicher regionaler Notenbankgouverneure im Entscheidungsgremium der US-Notenbank hinsichtlich der Länge und Intensität der eigenen expansiven Geldpolitik speist sich aus leidvoller Erfahrung.

Denn richtigerweise muss die Notenbank noch vor der Entfaltung des "Aufschwungsimpulses" mit ihrer Kursänderung beginnen. Wie aus den Sitzungsprotokollen der Federal Reserve der jüngsten Vergangenheit hervorgeht, hat das ein Teil der Verantwortlichen durchaus vergegenwärtigt. Ein anderer Teil, jener um den Notenbankchef Ben Bernanke, wollte hingegen an der Unumstößlichkeit der eigenen Prognose festhalten. Denn eigentlich wollte man nicht vor Ende 2014 an der expansiven Geldpolitik rütteln. Dass es nun doch früher dazu kommt, ist der breiten Fachkompetenz und dem demokratischen Entscheidungsprinzip innerhalb der Federal Reserve zu verdanken.

Nun gilt es, den Zinswendeprozess klug zu moderieren, damit der Aufschwung auch bei einer Normalisierung des Zinsniveaus weiter trägt. Dies wird allerdings nicht mehr Bernanke selbst übernehmen, sondern ab Jänner 2014 seine Nachfolgerin (oder sein Nachfolger). Favorit hierfür ist Notenbankgouverneurin Janet Yellen, die auch bei den Finanzmärkten auf viel Kredit hoffen kann. Mit dem Wechsel an der Spitze der US-Notenbank im 100. Jahr ihres Bestehens wird spätestens dann der "Notstand" in der US-Geld- und Bankenpolitik beendet. Damit schwingt das Pendel zurück. Ein Grund mehr für Finanzmärkte, Banken und Investoren, den Blick wieder optimistisch nach vorne zu richten.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001