• 31.08.2013, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Pendel schwingt zurück - von Andreas Wolf

Die Notenbank muss bereits vor dem Aufschwung ihre Geldpolitik ändern

Utl.: Die Notenbank muss bereits vor dem Aufschwung ihre Geldpolitik
ändern =

Wien (OTS) - Niedrige Zinsen sind wie süßes Gift - je mehr man sich
an sie gewöhnt hat, desto weniger möchte man davon ablassen. Doch
dass das Verleihen von Geld auf Dauer günstig sein muss, steht in
keinem Gesetzbuch - ebenso wenig, dass es auf den Einsatz von Kapital
hohe Renditen zu geben hat. Insofern bedeutet die eingeleitete
Zinswende der US-Notenbank nur die Rückkehr zu einem normalen
Zustand, den sie in der Folge der US-Hypothekenkrise Ende 2008
verlassen hatte. Denn im Mittel bewegten sich die Fed-Funds, also die
Leitzinsen in den USA, in den vergangenen 20 Jahren zwischen drei und
sechs Prozent. Anders als in Europa setzt ein Wirtschaftsaufschwung
in den USA auch häufig wesentlich abrupter und dynamischer ein. Die
Skepsis zahlreicher regionaler Notenbankgouverneure im
Entscheidungsgremium der US-Notenbank hinsichtlich der Länge und
Intensität der eigenen expansiven Geldpolitik speist sich aus
leidvoller Erfahrung.

Denn richtigerweise muss die Notenbank noch vor der Entfaltung des
"Aufschwungsimpulses" mit ihrer Kursänderung beginnen. Wie aus den
Sitzungsprotokollen der Federal Reserve der jüngsten Vergangenheit
hervorgeht, hat das ein Teil der Verantwortlichen durchaus
vergegenwärtigt. Ein anderer Teil, jener um den Notenbankchef Ben
Bernanke, wollte hingegen an der Unumstößlichkeit der eigenen
Prognose festhalten. Denn eigentlich wollte man nicht vor Ende 2014
an der expansiven Geldpolitik rütteln. Dass es nun doch früher dazu
kommt, ist der breiten Fachkompetenz und dem demokratischen
Entscheidungsprinzip innerhalb der Federal Reserve zu verdanken.

Nun gilt es, den Zinswendeprozess klug zu moderieren, damit der
Aufschwung auch bei einer Normalisierung des Zinsniveaus weiter
trägt. Dies wird allerdings nicht mehr Bernanke selbst übernehmen,
sondern ab Jänner 2014 seine Nachfolgerin (oder sein Nachfolger).
Favorit hierfür ist Notenbankgouverneurin Janet Yellen, die auch bei
den Finanzmärkten auf viel Kredit hoffen kann. Mit dem Wechsel an der
Spitze der US-Notenbank im 100. Jahr ihres Bestehens wird spätestens
dann der "Notstand" in der US-Geld- und Bankenpolitik beendet. Damit
schwingt das Pendel zurück. Ein Grund mehr für Finanzmärkte, Banken
und Investoren, den Blick wieder optimistisch nach vorne zu richten.

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