WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Es wird sehr viel Blut fließen - von Andre Kühnlenz

Die USA haben das Vertrauen der Weltöffentlichkeit schon lange verspielt

Wien (OTS) - Die kriegerische Eskalation in Syrien kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Nicht genug, dass fast alle wichtigen Schwellenländer mit Kapitalabflüssen und Währungskrisen kämpfen. Die militärischen Drohungen aus Washington verschärfen bereits die Turbulenzen: Die Ölpreise schießen nach oben und die Aktienkurse gehen in den Keller. Auch Europa wird die Schockwellen spüren.

Natürlich stehen in einem Krieg immer die Toten und das Leiden der Opfer im Mittelpunkt. Und sollte es sich bewahrheiten, dass Syriens Führung hinter dem Giftgasangriff steht, so ist dies ein abscheuliches Verbrechen. Doch die Frage, wie die Amerikaner damit umgehen sollen, bleibt heikel: Eine Destabilisierung des Nahen Ostens wird gravierende Folgen haben.

Vieles, was sich derzeit in Syrien abspielt, erinnert an den Beginn des Irak-Kriegs 2003. Beweise über Massenvernichtungswaffen bei Saddam Hussein stellten sich Jahre später als Lug und Trug heraus. Jeder neutrale Beobachter sollte deshalb skeptisch bleiben, wenn es neue Meldungen aus der Region gibt - egal, von welcher Seite sie kommen. Auch die USA haben das Vertrauen der Weltöffentlichkeit schon lange verspielt.

Sollte es zu einem Militärschlag kommen, werden die Iraner vermutlich nicht untätig bleiben. Der syrische Krieg wird sich schnell auf die ganze Region ausweiten. Auch Israel könnte in den Konflikt hineingezogen werden. Die Hisbollah aus dem Libanon mischt im Bürgerkrieg bereits mit. Am Ende droht eine neue Terrorwelle aus der arabischen Welt. Unklar ist zudem: Wie werden die Russen reagieren, die Syrien militärisch und politisch stützen? Oder China, das seit Jahren immer stärker aufrüstet und sich mit Japan um Inseln streitet? Nicht zu vergessen Nordkorea, das eines Tages vielleicht aufhört, mit der Atombombe bloß zu drohen.

Die kurzfristigen Folgen für die Weltwirtschaft, für Europa und auch für Österreich werden schon gravierend sein. Eins ist aber sicher:
Ein Militäreinsatz in Syrien kann sehr leicht zu einem Flächenbrand in der ganzen asiatischen Region und darüber hinaus anwachsen. Und dann wird sehr viel Blut fließen. Dass sich der Krieg vorerst noch so fern des europäischen Kontinents abspielen wird, sollte kein Grund zur Beruhigung für uns alle sein. Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht.

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