• 22.08.2013, 12:23:57
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Alpbach - Karlheinz Töchterle plädiert für massive Stärkung der Grundlagenforschung

Wissenschafts- und Forschungsminister will finanzielle Mittel für Unis weiter steigern und FH-Ausbau forcieren - neue Forschungsinitiative: 5 Mio. Euro für Erdsystemwissenschaften

Utl.: Wissenschafts- und Forschungsminister will finanzielle Mittel
für Unis weiter steigern und FH-Ausbau forcieren - neue
Forschungsinitiative: 5 Mio. Euro für Erdsystemwissenschaften =

Alpbach (OTS) - Einen Dreiklang für den weiteren Ausbau des
heimischen Wissenschafts- und Forschungsstandortes skizzierte heute
Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Karlheinz Töchterle bei der
gemeinsamen Pressekonferenz mit Infrastrukturministerin Doris Bures
und Forschungsrats-Vorsitzendem Hannes Androsch anlässlich der
Eröffnung der mittlerweile 30. Alpbacher Technologiegespräche unter
dem Motto "Die Zukunft der Innovation: Voraussetzungen - Erfahrungen
- Werte": Töchterle setzt auf eine weitere Steigerung der Mittel für
die Universitäten, den forcierten Ausbau der Fachhochschulen (plus
10.000 Studienplätze, Valorisierung) und eine massive Stärkung der
Grundlagenforschung durch eine bessere Dotierung von
Forschungseinrichtungen sowie insbesondere des Wissenschaftsfonds
FWF. Weiters präsentierte der Minister eine neue Forschungsinitiative
an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zum Thema
Erdsystemwissenschaften im Ausmaß von rund fünf Millionen Euro sowie
eine länderübergreifende Forschungszusammenarbeit im Bereich
nachhaltige Ressourcennutzung. Töchterle unterstrich auch die
Notwendigkeit, "alle Kräfte zu bündeln" und begrüßte das Engagement
seitens mancher Bundesländer, das in eine Gesamtstrategie eingebettet
werden müsse. "Wir müssen insgesamt das kommunale, insbesondere auch
das private Engagement für Wissenschaft und Forschung weiter erhöhen
- der Bund allein kann das nicht schultern."

"Den Rücken gestärkt" sieht der Minister dabei durch eine kürzlich
präsentierte Studie zur "Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für
die österreichische Bevölkerung". Laut der im Auftrag des
Wissenschafts- und Forschungsministeriums von Dr. Peter Ulram
durchgeführten Befragung haben Wissenschaft und Forschung in
Österreich ein weit besseres Ansehen, als gemeinhin angenommen: 78
Prozent bezeichnen Österreich als sehr guten oder ziemlich guten
Standort für Wissenschaft und Forschung und rund 80 Prozent der
Bevölkerung halten die Förderung von Wissenschaft und Forschung für
eine sehr wichtige Aufgabe der österreichischen Politik. "Dem sind
wir in den vergangenen Jahren gerecht geworden", verwies Töchterle
etwa auf die Hochschul-Milliarde, den zweitgrößten Ausbau der
Studienplätze seit Bestehen der Fachhochschulen und die langfristige
Finanzierung des IST Austria. Dass das Engagement der öffentlichen
Hand beträchtlich ist, zeige zum Beispiel auch eine Studie der
Europäischen Universitätenkonferenz, laut der Österreich seine
Uni-Ausgaben im Europavergleich zum Vorjahr nach Island am stärksten
gesteigert hat; weiters an der Forschungsquote, wo Österreich mit 2,8
Prozent an fünfter Stelle in der EU liegt.

"Das darf uns aber nicht ruhen und rasten lassen, wir müssen dieses
Engagement nahtlos fortsetzen bzw. weiter intensivieren. Das tun
wir", so Töchterle. Er bekräftigte das Bekenntnis der Bundesregierung
im Sommerministerrat, in den kommenden Jahren eine weitere Stärkung
und dynamische Entwicklung des tertiären Sektors und der Forschung in
Österreich umzusetzen und damit die in der FTI-Strategie gesetzten
Ziele mit Leben zu erfüllen. Dazu zählt vor allem auch die
Nachwuchsförderung. "Exzellenter als in unsere klugen Köpfe können
wir nicht investieren", betonte Töchterle und nannte als Beispiel
etwa die Finanzierung von rund 100 Doktoratsstellen. Gerade in
Alpbach zeige sich das hohe Potential junger Menschen. Der Minister
plädierte auch für eine massive Stärkung der Grundlagenforschung:
"Forschung ohne sofort erkennbaren Nutzen ist nicht nutzlos - sondern
legt die Grundlage für wirklich Neues." Weiters gelte es, die
wissenschaftliche Exzellenz zu stärken und damit zum Beispiel auch
die Basis für die erfolgreiche Einwerbung von EU-Mitteln zu
schaffen. Schließlich bekräftigte der Minister das Ziel einer engen
Abstimmung und Schließung von Förderlücken zwischen
Grundlagenforschung, Anwendung und Wirtschaft, etwa auch durch
gezielte Infrastrukturinvestitionen.

Ein für ihn zentraler Wert in der Forschung sei die Nachhaltigkeit,
so Töchterle weiter. Es sei nun gelungen, mit der ÖAW einen neuen
inhaltlichen Impuls zu setzen, der auf die Erforschung des "Systems
Erde" abzielt, und somit zur Bearbeitung der großen Herausforderungen
beiträgt. Konkret: Das Wissenschafts- und Forschungsministerium
finanziert eine Initiative der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften (ÖAW) im Ausmaß von rund 5 Millionen Euro (4,7
Millionen Euro) zum Thema "Earth System Sciences" (ESS). In Ergänzung
zum existierenden Förderungsportfolio werden interdisziplinäre
Projekte, Projekte zur Langzeitforschung und Projekte zu derzeit
wenig untersuchten Themen gefördert. "Wir ermöglichen also auch
Pionierarbeit." Das Programm ist inhaltlich in den
Erdsystemwissenschaften angesiedelt und spannt den Bogen von der
Geologie über die Meteorologie bis hin zu Human-, Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften. Die Forschungsprojekte sind im Kontext der
interdisziplinären Erforschung von Gebirgsräumen (Schwerpunkt:
Alpenraum und vergleichbare Regionen) anzusiedeln, das zweistufige
Antragsverfahren beginnt im Herbst (Einreichfrist für die
"Interessensbekundung" ist der 15. Oktober 2013; zweite Stufe:
Vollantrag).

Einen weiteren Impuls kündigte der Minister für den Folgetag an: Im
Sinne der länderübergreifenden Forschungszusammenarbeit und im Sinne
der nachhaltigen Ressourcennutzung, die aktueller und drängender denn
je ist, wird er am Freitag gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus
Slowenien und der Schweiz sowie Südtirols Landeshauptmann Durnwalder
eine multilaterale Vereinbarung unterzeichnen. "Die Alpen verbinden
uns - das soll auch in der Forschung künftig verstärkt der Fall sein.
Denn wir haben in den wald- und wasserreichen Alpen ein sehr hohes
Potenzial für nachhaltige Ressourcennutzung", so der Minister. Diese
Vereinbarung sei auch eine weitere Stärkung einer heimischen Stärke:
"Österreich ist neben der Schweiz international führend in der
Gebirgsforschung."

Neben all dem öffentlichen Engagement werde er aber nicht müde zu
betonen, dass es auch mehr private Mittel braucht, so Töchterle
abschließend. "Wir müssen das eine tun und dürfen das andere nicht
lassen", betonte der Minister mit Verweis auf OECD-Daten, wonach in
keinem anderen OECD-Land die privaten Haushalte so wenig zum
tertiären Sektor beitragen. "Mir geht es aber vor allem auch um die
Wirtschaft und private Mäzene", da sehe er sich auch durch ein
vergangene Woche publiziertes THE-Ranking bestätigt. "Wir setzen
bereits Impulse", verwies Töchterle auf den "Matching Fund" (9
Millionen Euro) im Rahmen der Hochschulraumstrukturmittel und die
Doktoratsinitiative gemeinsam mit der Industrie im Bereich Holz.
Weitere Impulse zur Steigerung des privaten Finanzierungsanteils
sollen folgen, zum Beispiel mit einer koordinierenden Plattform, die
die Aktivitäten von Universitäten und außeruniversitären
Grundlagenforschungseinrichtungen unterstützt.

Weiteres Ziel ist auch, dass die erfolgreiche Einwerbung von
EU-Forschungsmitteln nahtlos fortgesetzt wird: 2014 beginnt das neue
EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon 2020", wo Österreich sehr
erfolgreich mitverhandelt und gemeinsam mit Deutschland zum Beispiel
einen Schwerpunkt im Bereich Geistes-, Sozial und
Kulturwissenschaften erreicht hat. "Jetzt, wo der inhaltliche und
finanzielle Rahmen steht, gilt es, im Wettbewerb um die Mittel zu
bestehen - da können die Forscherinnen und Forscher an den heimischen
Universitäten und Forschungseinrichtungen im europäischen Spitzenfeld
absolut mithalten, wie auch die jüngsten Einwerbungen eindrucksvoll
bewiesen haben."

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MWF

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