• 09.08.2013, 13:04:03
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ORF-JournalistInnen gegen Partei-Proporz

Sorgen sich die Grünen um den ORF oder doch mehr um sich selbst?

Utl.: Sorgen sich die Grünen um den ORF oder doch mehr um sich
selbst? =

Wien (OTS) - Die Grünen geben vor, sich um die Unabhängigkeit des ORF
Sorgen zu machen. Anlass ist eine "MediaAffairs-Statistik", die
ausschließlich Sendesekunden zählt, ohne darauf einzugehen, was
berichtet wurde. Da die Grünen ihrer Meinung nach zu wenig Sendezeit
bekommen haben, hat sich der Grüne Mediensprecher Dieter Brosz
erlaubt, der ZiB-Redaktion ein "journalistisches Armutszeugnis"
auszustellen und ortet "mangelndes Rückgrat". Grünen-Chefin Eva
Glawischnig glaubt in der heutigen Kronen-Zeitung, dass
Generaldirektor Alexander Wrabetz für die "Unabhängigkeit des ORF zu
sorgen" hätte.

"Angeblich für die journalistische Unabhängigkeit des ORF zu sein
und gleichzeitig Sendezeit nach dem Partei-Proporz einzufordern, ist
einigermaßen skurril", so der Vorsitzende des ORF-Redakteursrates,
Dieter Bornemann. "Die Grünen verlangen in Wahrheit übelsten
Parteiproporz in der Berichterstattung. Sie glauben, sie haben das
Recht auf Berichterstattung, völlig unabhängig davon, ob es
journalistisch relevant ist oder nicht. Das hat nichts mit
Unabhängigkeit zu tun, im Gegenteil: Das ist Partei-Funk, den die
Grünen da verlangen."

Weder Partei-Zentralen noch ORF-Managment können bestimmen, wie
die Berichterstattung im ORF ausfällt. Diese Entscheidung fällt
ausschließlich in den Redaktionen. Unabhängigkeit und Ausgewogenheit
wird nicht mit Stopp-Uhr und Lineal vermessen, sondern es zählt
ausschließlich journalistische Relevanz. Nach diesem Maßstab werden
die Grünen - wie jede andere politische Partei auch - beurteilt.

Interessanterweise gab es keine Kritik der Grünen an der
"Mediawatch"-Statistik vom Mai. Hier war die Salzburger Grünen-Chefin
Astrid Rössler und Eva Glawischnig auf Platz zwei und drei in der
Sekunden-Statistik der Redezeit (nach Michael Spindelegger).

Dass SPÖ und ÖVP in der Berichterstattung (nicht nur im ORF,
sondern in allen heimischen Medien) öfter vorkommen, als die
Opposition hat journalistische Gründe: Regierungsparteien sind
politisch verantwortlich und damit naturgemäß Gegenstand der
politischen Berichterstattung. Aber allein der Gedanke, die
Berichterstattung über Oppositions-Parteien würde im
öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterdrückt, ist völlig absurd.

Im übrigen wird nicht jede Sende-Sekunde von den Betroffenen
positiv gesehen: Justizministerin Beatrix Karl oder Karl-Heinz
Grasser hätten auf so manchen ZiB-Auftritt in letzter Zeit wohl gerne
verzichtet.

Wir ORF-JournalistInnen sind ausschließlich dem Publikum und
journalistischen Grundsätzen verpflichtet. Wir haben in den
vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass wir uns weder vom
ORF-Management, noch von Partei-Zentralen vorschreiben lassen, wie
wir zu berichten haben. Der Zuspruch des Publikums und mehrere
nationale und internationale Auszeichnungen für unsere
Berichterstattung und den Kampf gegen Parteieneinfluss im ORF zeigen
uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Von KollegInnen aus anderen
europäischen öffentlich-rechtlichen Sendern bekommen wir viel
Anerkennung für die politische Unabhängigkeit, die wir uns in den
vergangenen Jahren erkämpft haben.

Sollte den Grünen die Unabhängigkeit des ORF ein echtes Anliegen
sein, und es ihnen nicht nur um ihr eigenes Vorkommen in den
ORF-Sendungen gehen, dann gäbe es dafür lohnendere Aufgaben, als die
grundlose Beschimpfung von ORF-Redaktionen: Etwa die Unterstützung
der Initiativen der Redakteursvertretung zur weiteren
Ent-Parteipolitisierung der ORF-Gremien und des Bestellmodus von
EntscheidungsträgerInnen im ORF. Krokodilstränen über die angeblich
fehlende Unabhängigkeit der ORF-Berichterstattung können sich die
Grünen gerne sparen.

Der Redakteursrat des ORF:

Dieter Bornemann
Peter Daser
Eva Ziegler

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