• 05.08.2013, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die weißen Ritter vom weißen Haus - von Manfred Haider

Wenn es hart auf hart geht, schrecken die USA vor Protektionismus nicht zurück

Utl.: Wenn es hart auf hart geht, schrecken die USA vor
Protektionismus nicht zurück =

Wien (OTS) - Als weiße Ritter werden an der Börse Unternehmen
genannt, die bei einer geplanten feindlichen Übernahme dem Opfer zu
Hilfe kommen. Als Motive dienen meist strategische Überlegungen zum
eigenen Vorteil. Auch Regierungen greifen im Hintergrund ein, wenn
sich Marktmechanismen nicht in die gewünschte Richtung entwickeln.

Aktuelles Beispiel ist das Veto der US-Regierung gegen das von der
Handelskommission ITC verhängte Importverbot für bestimmte
Handy-Modelle des US-Konzerns Apple, dessen Aktie zuletzt gehörig
unter Druck geraten war.

Angestrebt wurde das Verbot vom koreanischen Erzrivalen Samsung, der
seine Patente verletzt sieht (siehe Seite 11). Der Grund, warum Apple
die für den US-Markt bestimmten Handys importieren muss, ist, dass
sie in China gefertigt werden. Dort gibt es nicht nur günstigere
Arbeitsplätze, sondern auch die für den Bau von Mobiltelefonen
benötigten Seltenen Erden.

Mit einem Weltmarktanteil von 97 Prozent haben die Chinesen hier eine
Art Produktionsmonopol. Durch Exportbeschränkungen könnte China
ausländische Konzerne sogar zwingen, sich in China anzusiedeln, um
dort Arbeitsplätze zu schaffen. Vorerst kommen sie auch so.

Fast genauso wichtig wie die Versorgungssicherheit mit Rohstoffen ist
mittlerweile die Datensicherheit. Es mag Zufall sein, dass der größte
Suchmaschinenbetreiber in den USA, Russland und China jeweils ein
lokaler Konzern ist, nämlich Google, Yandex und die chinesische
Baidu.

Als beim chinesischen Unternehmen Alibaba einmal laut darüber
nachgedacht wurde, den US-Suchmaschinenbetreiber Yahoo zu übernehmen
und dadurch die gespeicherten Informationen über US-Bürger nach China
gelangt wären, kamen aus Washington Andeutungen über ein Veto.

In der EU hingegen sind die drei großen US-Suchmaschinenbetreiber
quasi ohne Konkurrenz, ebenso die vier US-Kreditkartenfirmen, die
Ratingagenturen, Facebook etc.

Die USA sind für Europa und Österreich zweifellos ein wichtiger
Freund und Handelspartner, wenn es aber hart auf hart geht, muss man
sich klar sein, dass sie vor dem Zugriff auf die dort gespeicherten
Daten ebenso wenig zurückschrecken, wie vor Protektionismus der
eigenen Industrie.

Das haben vielleicht auch Konzerne wie Voestalpine bedacht, wenn sie
wegen günstiger Energiekosten Produktionskapazitäten in die USA
verlegen.

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