• 01.08.2013, 20:56:37
  • /
  • OTS0183 OTW0183

Der Abschied kann beginnen, Kommentar zu ProSiebenSat.1 von Julia Roebke

Frankfurt (ots) - Private Equity kann sich freuen. Vor dem Ausstieg
der Großaktionäre KKR und Permira, sie halten 44 % des Grundkapitals,
hat ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling die Braut noch hübsch
präsentiert. Zum Halbjahr überraschen die Unterföhringer abermals mit
starkem Wachstum und einem angehobenen Umsatz-Jahresziel. Der
Aktienkurs robbt sich mit nahezu 32 Euro nun sogar in Regionen vor,
die zuletzt um den Jahrtausendwechsel zu sehen waren.

Damit zahlt sich aus, dass die Großinvestoren Durchhaltevermögen
bewiesen haben. Denn nach dem Einstieg 2006, gezahlt wurden damals
gut 28 Euro je Aktie, lief es nicht rund. Die Finanzkrise tat ihr
Übriges. Mit dem Ausfall der Dividendenzahlung geriet zudem noch das
hoch verschuldete Beteiligungsvehikel der Großaktionäre unter Wasser.
An einen Ausstieg nach drei bis fünf Jahren, wie er in der Branche
üblich ist, war nicht mehr zu denken.

Doch ProSiebenSat.1 gelang die Wende. Unter der Führung von Ebeling,
der im März 2009 als Branchenfremder den Chefposten übernahm, wurden
wichtige Weichen richtig gestellt. Das zahlt sich jetzt aus und zeigt
sich am Beispiel Digitalisierung wohl am besten. Zwar war die
Sendergruppe schon zuvor online unterwegs, doch der neue Chef
forcierte konsequent den Aufbau der Internetaktivitäten, die
inzwischen den absoluten Löwenanteil zum Wachstum beitragen. Mit dem
Modell, Unternehmens- oder Umsatzanteile von Online-Start-ups gegen
Werbezeiten zu tauschen, setzte der Medienkonzern sehr früh aufs
richtige Pferd.

Der Verkauf der skandinavischen TV-Aktivitäten Ende 2012 besiegelte
die Wandlung bei ProSiebenSat.1, statt Internationalisierung liegt
der Fokus klar auf Digitalisierung, auf der engen Vernetzung der TV-
und Internetaktivitäten. Jüngste Umfragen, wonach inzwischen fast
jeder zweite Deutsche beim Fernsehen gleichzeitig im Internet surft,
belegen, dass dies ein erfolgsversprechender Kurs ist.

Mit der kürzlich beschlossenen Zusammenlegung der beiden
Aktiengattungen kann der geplante Abverkauf von KKR und Permira über
die Börse nun beginnen. Doch Vorsicht! Wer glaubt, dass
ProSiebenSat.1 ein Selbstläufer ist, droht die Risiken zu übersehen.
Start-up-Investments, wie sie das Medienhaus tätigt, sind von Natur
aus riskant. Zudem ist das Unternehmen noch immer eine Sendergruppe.
Das originäre TV-Segment steht zum Halbjahr für 77 % der Umsätze.
Damit bleibt ProSiebenSat.1 eine Wette auf den stark
konjunkturanfälligen Werbemarkt.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EUN

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel