- 31.07.2013, 11:48:16
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52 Prozent der NÖ Landärzte spätestens in zehn Jahren in Pension
NÖ Ärztekammer: Bund, Länder und Sozialversicherungen sollen ihren Auftrag ernst nehmen und für die Sicherung und den Ausbau der wohnortnahen medizinischen Versorgung sorgen
Utl.: NÖ Ärztekammer: Bund, Länder und Sozialversicherungen sollen
ihren Auftrag ernst nehmen und für die Sicherung und den
Ausbau der wohnortnahen medizinischen Versorgung sorgen =
Wien (OTS) - "Ohne wirksame Gegenmaßnahmen wird es in
Niederösterreich schon bald zu ernsten Engpässen bei der
medizinischen Versorgung auf dem Land kommen, weil der ärztliche
Nachwuchs fehlt und leere Arztpraxen nicht nachbesetzt werden
können", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer im
Rahmen eines Pressegesprächs zum Thema Landmedizin am heutigen Tag.
Wenn nichts passiert, wird man aus seiner Sicht in Niederösterreich
bereits in naher Zukunft massive Engpässe und Probleme bei der
medizinischen Versorgung in den ländlichen Regionen haben. "Harte
Zahlen belegen diesen dramatischen Befund: Heute gibt es in
Niederösterreich 470 Landärztinnen und Landärzte. In den kommenden
fünf Jahren werden etwa 120 davon in Pension gehen, in den kommenden
zehn Jahren bereits 240. Ob es möglich sein wird, diese Abgänge durch
Nachbesetzungen auch wirklich zu ersetzen, ist allerdings mehr als
fraglich."
Der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte MR Dr. Dietmar
Baumgartner erläutert: "Dabei bräuchte Niederösterreich angesichts
der Bevölkerungsentwicklung nicht weniger, sondern immer mehr Ärzte
auf dem Land." Fortschritt in der modernen Medizin bedeutet mehr
ärztliche Leistungen und einen Anstieg der Behandlungszahlen. Dem
müssen natürlich auch höhere Ärzte-Zahlen gegenüberstehen. "Mehr
Ärzte, nicht nur in ländlichen Regionen, ist eine Kernforderung der
Österreichischen Ärztekammer: Überfällig ist österreichweit ein
errechnetes Plus von 1.300 Kassenärztinnen und -ärzten, welches nötig
ist, zukünftig die Versorgung optimal und wohnortnah zu sichern." Das
umso mehr, als ein zentrales Element der aktuellen Gesundheitsreform
eine Verlagerung von Gesundheitsleistungen vom Spital in den
niedergelassenen Bereich sein soll.
Wohnortnahe Versorgung wird seit Jahrzehnten konsequent
zurückgefahren
"Unzählige internationale Studien belegen, dass mit verbesserter
wohnortnaher Versorgung durch niedergelassene Ärzte einerseits die
medizinische Versorgung der Bevölkerung an Qualität gewinnt und
andererseits die Kosten eingedämmt werden können", so Präsident Dr.
Reisner weiter. "Speziell Allgemeinmedizinerinnen und
Allgemeinmediziner könnten über 90 Prozent der Behandlungen selbst in
ihren Ordinationen durchführen. Wenn der politische Wille und die
notwendigen Rahmenbedingungen vorhanden wären." Doch in Österreich
wird die Zahl der Kassenärzte nicht etwa aufgestockt, sondern
vielmehr zurückgefahren: Von etwa 8.500 im Jahr 2000 auf 7.600 im
Jahr 2010, und das bei einer konstant steigenden Bevölkerungszahl.
"Gab es im Jahr 2000 pro 943 Bewohner einen Arzt mit Kassenvertrag,
sind es heute schon über 1.100. Solche Zahlen machen den Bedarf an
mehr Ärzten mehr als deutlich", so der Ärztekammerpräsident.
Gründe dafür, warum es oft schwierig ist, Nachfolger für in
Pension gehende Landärzte zu finden, gibt es viele", weiß Landarzt
Dr. Gregor Lukas Skorjanz. "Der Beruf des Landarztes sei zwar
befriedigend, aber oft sehr hart. Ein Landarzt hat durchschnittlich
jedes zweite Wochenende und jede zweite Nacht Bereitschaftsdienst."
Dieser Dienst mündet in aller Regel direkt in die normale
Ordinationszeit am nächsten Tag. "Wochenarbeitszeiten von 70 Stunden
und mehr sind deshalb keine Seltenheit, das kann mit der Zeit an die
Substanz gehen. Dazu kommen aufgrund der großen Einzugsgebiete die
größeren Distanzen in ländlichen Regionen, oft müssen für Hausbesuche
viele Kilometer zurückgelegt werden", so die Erfahrung von Dr.
Skorjanz.
Ärztliche Kooperationsformen müssen schlank, unkompliziert und
bedarfsorientiert sein
Doch wie schafft man es, dass sich junge Ärztinnen und Ärzte
wieder verstärkt für den landärztlichen Beruf interessieren? "Abhilfe
schaffen können unter anderem eine bessere Finanzierung längerer
Öffnungszeiten, die Beseitigung rechtlicher Hürden für Hausapotheken
und familienfreundliche Arbeitsbedingungen für Hausärztinnen und
Hausärzte", so Dr. Skorjanz weiter. "Doch dazu brauchen wir den
politischen Willen und auch die starke Unterstützung durch die
Politiker. Beispielsweise bei der Ermöglichung ärztlicher
Kooperationsformen: Der Gesetzgeber hat zwar grundsätzlich
Gruppenpraxen ermöglicht, diese sind aber in aller Regel gerade für
landärztliche Ordinationen ungeeignet. Gebraucht werden schlanke,
unkomplizierte und bedarfsorientierte Modelle des gemeinsamen
Arbeitens mehrerer Ärzte, damit auch Stoßzeiten wie beispielsweise
Grippewellen oder auch Visiten und Nachtdienste besser abgewickelt
werden können."
"Wenn wir Landärztinnen und Landärzte wollen, dann müssen wir auch
dafür sorgen, dass diese ihren Beruf ohne Einschränkungen ausüben
können", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Dazu gehört auch, dass die
rasche und unbürokratische Versorgung mit Medikamenten sichergestellt
ist. Die ärztliche Hausapotheke ist ein wichtiger Beitrag zu einer
wohnortnahen medizinischen und medikamentösen Betreuung. Landärzte
sollen deshalb das uneingeschränkte und zeitlich unbegrenzte Recht
auf das Führen einer Hausapotheke haben." Das Nachwuchsproblem in der
Landmedizin muss jedenfalls unbedingt gelöst werden. Präsident Dr.
Reisner: "Wenn hier nichts passiert, droht bereits in naher Zukunft
eine massive medizinische Versorgungskrise in den ländlichen
Regionen. Das wäre ein medizinisch, ethisch und gesundheitspolitisch
unhaltbarer Zustand. Wir Ärztinnen und Ärzte können nur auf den sich
abzeichnenden Versorgungsnotstand aufmerksam machen und vor den
riskanten Folgen für die Gesundheit warnen. Gefordert ist hier die
Gesundheitspolitik, die bei dieser negativen Entwicklung nicht
tatenlos zusehen darf. Wir werden die Politik konsequent daran
erinnern, dass sie sich zu einer Stärkung des niedergelassenen
Bereiches verpflichtet hat, zu dem natürlich auch die medizinische
Versorgung auf dem Land gehört."
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