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Kleine Zeitung Kommentar: "Die Jagd nach dem Moby Dick des Nahen Ostens" (Von Ernst Heinrich)
Ausgabe vom 31.07.2013
Utl.: Ausgabe vom 31.07.2013 =
Graz (OTS/Vorausmeldung) - Aus dem palästinensischen Gazastreifen
wurde gestern eine Rakete auf israelisches Gebiet abgefeuert. Und aus
der UN-Pufferzone vom Golan wurden gestern die letzten
österreichischen Soldaten abgezogen. Es waren nur zwei kleine
Meldungen, die gestern über die internationalen Agenturen verbreitet
wurden. Und doch symbolisieren beide die verfahrene Lage im Nahen
Osten: Abgesehen von seinem fragilen Separatfrieden mit Ägypten und
Jordanien ist Israel vom ersehnten Frieden mit der arabischen Welt so
weit entfernt, wie bei seiner Gründung vor 66 Jahren - also unendlich
weit.
Die Rakete aus dem Gazastreifen detonierte just an jenem Tag, an dem
Israelis und Palästinenser in Washington zum ersten Mal seit drei
Jahren wieder direkt über Frieden verhandelten. Die
radikal-islamische Hamas, die Gaza beherrscht, sitzt nicht mit am
Tisch. Im Gegenteil: Sie ist gegen diese Gespräche und will nach wie
vor ganz Palästina und damit auch den Staat Israel für den Islam
zurückerobern.
Das erinnert ein wenig an den Pawlowschen Reflex: Kaum versuchen
Israelis und Palästinenser, konkret über Frieden zu reden, beißen
einmal radikale Palästinenser, dann wieder rechtsextreme Juden zu, um
den Dialog zu unterbrechen.
In der Süddeutschen Zeitung vergleicht ein Kommentator die
Friedensbemühungen zwischen Israel und den Palästinensern mit einem
Weißwn Wal: Seit Jahrzehnten wird dieser nahöstliche Moby Dick immer
wieder am Horizont gesichtet, seit Jahrzehnten sind ehrgeizige Jäger
hinter ihm her, sie plagen sich und rudern, bis die Hände bluten.
Doch immer wieder entkommt der Wal. Derzeit versucht sich
US-Außenminister John Kerry in der Rolle des Kapitäns Ahab.
Realistisch betrachtet wird es wohl auch ihm nicht gelingen, den
Friedens-Wal zu fangen. Der neue Friedensprozess startet mit
entsprechend wenig Euphorie - aber immerhin mit einer Geste des guten
Willens. Israels Premier Benjamin Netanjahu hat mit der Freilassung
von 104 Palästinensern mehr Vorleistungen erbracht, als vielen seiner
Regierungsmitglieder lieb war. Denn dass sich unter den
Freigelassenen auch verurteilte Mörder befinden - die für die
Palästinenser freilich tapfere Freiheitskämpfer sind - empört viele
in Israel.
Beide Seiten erwarten sich wenig von den nun begonnenen
Friedensgesprächen. Alle Welt ist froh, dass es sie überhaupt gibt.
Vielleicht ist es gerade die geringe Erwartungshaltung, die
ermöglicht, dass der weiße Friedens-Wal endlich gefangen wird. ****
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