WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Siemens und die Deutschland AG - von Andreas Wolf

Die Personalie Löscher verdeckt auch das Problem Cromme

Wien (OTS) - Als vor gut 15 Jahren die damalige rot-grüne Bundesregierung die Verkäufe aus Unternehmensbeteiligungen für Investoren in Deutschland steuerfrei stellte, hofften viele auf ein Ende der sogenannten "Deutschland AG". So nannte man die Verflechtungen und Überkreuzbeteiligungen zwischen Banken und der deutschen Industrie. Diese führten allzu häufig in den 60er- und 70er-Jahren zu unternehmerischen Entscheidungen entgegen der ökonomischen Vernunft. Tatsächlich kam es in der Folge des vergangenen Jahrzehnts zu zahlreichen Entflechtungen, vor allem vonseiten der Finanzindustrie. Deren höherer Kapitalbedarf nach dem Platzen der Internetblase und der Hypothekenkrise beschleunigte die Entflechtung der "Deutschland AG".

Was allerdings noch immer nicht entflechtet ist, zeigt sich im aktuellen Fall Siemens. Dort verdeckt die Personalie Löscher das eigentliche Problem, nämlich die Personalie Cromme. In deutschen Aufsichtsräten sitzen leider zumeist genau die altgedienten Manager, die zuvor im Vorstand des einen oder anderen Unternehmens ebenfalls das Sagen hatten. Eigentlich sollte das mit einer bereits bestehenden Gesetzgebung verhindert werden, doch die deutschen Konzernlenker haben es geschickt geschafft, um diese sinnvolle Klippe herum zu segeln. Letzter Aufreger diesbezüglich was übrigens Ex-Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, der nach einigem Hin und Her nun doch Aufsichtsratsnachfolger von Jürgen Weber werden soll.

Gerhard Cromme hat nicht nur bei Siemens notwendige Reformen verhindert, er hat auch schon bei Thyssen für Sand im Getriebe gesorgt. Hier zeigt sich, dass die Deutschland AG dringend auch vom Kopf her entflechtet gehört. Dabei geht es nicht um das Alter der Aufsichtsräte, sondern um deren Qualifikation. Während diese Vorgabe in den unteren Hierarchien selbstverständlich ist, scheint sie nach oben hin immer weniger eine Rolle zu spielen. Siemens und Peter Löscher wäre einiges erspart geblieben, wenn diesbezüglich Klarheit geherrscht hätte. So sieht es leider eher danach aus, als ob der eigentlich "Schuldige" an der schlechten Situation sich weiter durchwursteln darf. In Zeiten moderner Unternehmensführung ist das ein fatales Signal.

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