• 28.07.2013, 21:28:29
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Dem Papst der Armen flogen die Herzen zu (von Nina Koren)

Franziskus scheucht die Gläubigen in die Welt hinaus.

Utl.: Franziskus scheucht die Gläubigen in die Welt hinaus. =

Graz (OTS) - Es war seine erste Auslandsreise als Papst, und er hat
die Herzen der Pilger im Sturm erobert: Drei Millionen Menschen, weit
mehr als erwartet worden waren, jubelten Franziskus bei der
Abschluss-Messe in der brasilianischen Hauptstadt zu. Ein Heimspiel:
Der Papst aus Argentinien winkte, strahlte, busselte und fühlte sich
auf seinem Herkunftskontinent sichtlich wohl. Anders als die
Organisatoren, die den Papst schon zu Beginn in einen Verkehrsstau
inklusive Sicherheitslücke gelenkt hatten und Zweifel weckten, ob das
Gastgeberland der nächsten Fußball-WM seiner Rolle gewachsen sein
wird.

Obwohl Franziskus, etwa mit seiner klaren Absage an eine
Liberalisierung der Drogenpolitik, im freizügigen Brasilien für
Kontroversen sorgte und selbst vor Begriffen wie "Teufel" und
"Sünde", die dem Zeitgeist abhanden gekommenen sind, nicht
zurückschreckte, wurde er wie ein Rockstar gefeiert. Fiat statt
gepanzertes Papamobil: Der Papst traf mit seinem offenen,
bescheidenen Auftreten den Nerv der Jungen. Franziskus verstand die
Brasilien-Reise als Auftakt, seiner Kirche jenen Schwung zu
verleihen, den sich sein Vorgänger Benedikt von einem jüngeren
Nachfolger erhofft hatte. Auch in Lateinamerika kamen der Kirche in
den vergangenen Jahren die Schäfchen abhanden; evangelikale
Freikirchen und Sekten gewinnen an Zulauf. Der Papst sandte hier mit
seinem Besuch in den Armenvierteln von Rio eine klare Botschaft an
seine Priester: Sie sollen nicht warten, dass das Volk in ihre
Kirchen findet, sondern mutig hinausgehen in die Welt, zu den Armen.
"Man muss in die Favelas gehen, um Christus zu suchen und zu dienen",
mahnte er mit den Worten Mutter Teresas.

Doch seine Botschaft nimmt alle Gläubigen in die Pflicht. Brasiliens
ungeduldige Jugend, deren Zorn über Korruption, Willkür und die immer
tiefer werdenden sozialen Gräben sich in den vergangenen Monaten in
Massenprotesten entluden, hatte sich vom Papst der Armen klare Worte
erwartet. Die Konfrontation mit den Mächtigen, die sich manche
erhofft haben mögen, blieb aus; was die Jungen erhielten, war ein
flammender Appell und Auftrag: "Zwischen der egoistischen
Gleichgültigkeit und dem gewalttätigen Protest gibt es eine Option,
die immer möglich ist: den Dialog", predigte der Papst.

Sich engagieren, aber miteinander reden statt kämpfen - das war die
zentrale Botschaft dieser Reise. Und das ist in Zeiten der Aufstände
in Brasilien und in vielen anderen Teilen der Welt eine zutiefst
politische und dringend benötigte Botschaft. ****

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