• 24.07.2013, 10:01:55
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Arbeitszeit vom Tisch gewischt - von Isabell Widek

Statt Flexibilität gibt es bald vermutlich Besuch vom Arbeitsinspektorat

Utl.: Statt Flexibilität gibt es bald vermutlich Besuch vom
Arbeitsinspektorat =

Wien (OTS) - Österreichs Sozialpartnerschaft gilt als Best Practice.
Die Verhandlungsergebnisse von Arbeitgeber- und
Arbeitnehmervertretern sind legendär: Bei den Gesprächen werden die
Positionen - oft bis ins Morgengrauen - beinhart verteidigt, mit der
Einigung stellt man sich dann aber harmonisch vor die Öffentlichkeit.
Sehr oft fließen die Vorschläge eins zu eins in die Gesetzgebung ein.

Umso trauriger, dass es diesmal ganz anders ist. Schon seit Jahren
streiten die Interessenvertreter über die Arbeitszeit. Während
Arbeitgeber mehr Flexibilität wollen, forderte die Gewerkschaft im
Gegenzug Arbeitszeitverkürzung.

Zumindest bis vor Kurzem: Da sprang die Produktionsgewerkschaft laut
eigenen Angaben "über ihren Schatten" und legte ein den Hoffnungen
der Arbeitgeber angenähertes Modell vor. Die Bedingung: Statt
einzelnen Kollektivvertragsverhandlungen mit den verschiedenen
Fachverbänden der Metallbranche sollte es wie früher wieder nur eine
einzige Gesprächsrunde geben. Die Tür zur Realisierung der
Arbeitszeitflexibilisierung war plötzlich ganz weit offen.
Nun ist sie wieder zu. Mit Hinweis aufs Recht auf eigenständige
Verhandlungen und eigenständigen Abschluss wurde der Vorschlag am
Montag von der Arbeitgeberseite abgelehnt. Sollte sich nicht doch
noch jemand erbarmen, wurde damit schon vor der Herbstlohnrunde ein
großes Thema rundweg vom Tisch gewischt.

Das ist schade. Nicht nur, dass es auf absehbare Zeit keine
österreichweite Regelung zur Arbeitszeitflexibilisierung geben wird,
die Gewerkschafter haben zudem angekündigt, bereits gelebte
innerbetriebliche Vereinbarungen genauer überprüfen und die nicht so
gesetzeskonformen gegebenenfalls zur Anzeige bringen zu wollen (siehe
Artikel auf Seite 3). Statt Flexibilität gibt es also vermutlich bald
Besuch vom Arbeitsinspektorat. Das Thema entwickelt sich damit in
eine Richtung, die keinesfalls im Interesse der Unternehmen - und
auch nicht der an die flexiblen Arbeitszeitmodelle gewöhnten
Arbeitskräfte - liegen dürfte.

Nun gibt es eine Chance: Im Oktober starten die Gespräche zum
Metaller-Kollektivvertrag. Vielleicht ist das die Gelegenheit, sich
zusammenzusetzen und in guter alter Sozialpartner-Manier eine
harmonische Lösung zur Arbeitszeitflexibilisierung auszuverhandeln.

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