- 23.07.2013, 12:30:08
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Karlheinz Töchterle: Gezielte Schritte zur weiteren Verbesserung der Situation von Studentinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen
Präsentation des Berichts zur "Situation von Studentinnen" mit Martin Unger (IHS) und Petra Wejwar (IHS)

Utl.: Präsentation des Berichts zur "Situation von Studentinnen" mit
Martin Unger (IHS) und Petra Wejwar (IHS) =
Wien (OTS) - Der "Situation von Studentinnen" wurde im Rahmen eines
Zusatzberichts zur Studierenden-Sozialerhebung besonderes Augenmerk
geschenkt. Bei der heutigen Präsentation mit der Studienautorin Mag.
Petra Wejwar und Mag. Martin Unger und vom Institut für Höhere
Studien (IHS) betonte Wissenschafts- und Forschungsminister Dr.
Karlheinz Töchterle: "Wissenschaft und Forschung sind weite Felder,
die vielfältige Möglichkeiten bieten - und dennoch stoßen Frauen zum
Teil an gewisse Grenzen. Mit gezielten Maßnahmen arbeiten wir laufend
an der weiteren Verbesserung der Situation von Studentinnen und
Nachwuchswissenschaftlerinnen." Die Studienautor/innen nahmen unter
anderem geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der
Bildungsentscheidungen in den Blick: Genauer beleuchtet werden zum
Beispiel die Hochschulzugangsquoten und die Bildungskarrieren. Ein
weiterer Fokus des Berichts liegt auf dem Studienfortschritt von
Frauen und Männern. Dabei wird etwa auf das Zeitbudget der
Studierenden, die Studienzufriedenheit und die Internationalisierung
eingegangen. Ein thematischer Schwerpunkt stellt auch die
Lebenssituation von Studentinnen und Studenten vergleichend
gegenüber, wobei hier neben der familiären Situation vor allem das
Erwerbsverhalten und die finanzielle Situation eingehender analysiert
werden.
"Vor 40 Jahren war noch ein Viertel aller Studierenden weiblich,
heute sind es 54 Prozent. Sie wenden pro Woche eine Stunde mehr für
ihr Studium auf und studieren im Schnitt etwas erfolgreicher und
schneller als Männer", so Martin Unger. Groß sind aber weiterhin die
Unterschiede in der Fächerwahl (Stichwort: Geisteswissenschaften vs.
Technik), die auch gravierende Auswirkungen auf die Studien- und
Lebenssituation der Studierenden haben. "Frauen studieren häufiger
große Fächer mit schlechteren Studienbedingungen oder Fächer mit
geringeren Arbeitsmarktchancen", sagt Petra Wejwar. "Sie legen
größeren Wert auf gute Vereinbarkeit von Job und Studium und müssen
dafür aber eine schlechtere Arbeitsmarktvorbereitung in Kauf nehmen.
Sie sind auch im Schnitt auch unzufriedener mit ihrem Studium und
berichten häufiger von finanziellen Schwierigkeiten."
Seitens des Wissenschafts- und Forschungsministeriums werden mehrere
Schritte gesetzt, um Studentinnen und Wissenschaftlerinnen gezielt zu
unterstützen. Beispielsweise wurden in den Leistungsvereinbarungen
mit den Universitäten verschiedene Maßnahmen vereinbart (zB Erhöhung
der Anzahl der Laufbahnstellen, budgetäre Maßnahmen und
Frauenförderungspläne) und die 40prozentige Frauenquote gilt in
sämtlichen Gremien. An Fachhochschulen gilt: Bei einer Akkreditierung
ist im Entwicklungsplan ein Frauenförderungsplan und die
Gleichstellung von Frauen und Männern festzuhalten. Mehrere
Fachhochschulen setzen Maßnahmen, etwa um den Frauenanteil in
technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen zu erhöhen.
Weiters gibt es im Wissenschaftsfonds FWF entsprechende Programme
(Hertha Firnberg-Programm, Elise Richter-Programm) sowie zur
Förderung im DOC- und Post Doc-Bereich das L'OREAL-Stipendium in
Partnerschaft mit der UNESCO-Kommission und der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Auch der Gender- und
Diversitätsbeirat des BMWF hat mehrere Maßnahmen vorgeschlagen, an
deren Umsetzung gearbeitet wird bzw. die zum Teil bereits umgesetzt
sind, wie bspw. Initiativen zur Bewerbung von Berufsreife- und
Studienberechtigungsprüfung, Entwicklung eines Formats für "Role
Models", Ausbau der Kinderbetreuungsangebote und die Stärkung von
Frauen in MINT-Fächern.
Aspekte des Berichts zur "Situation von Studentinnen" im Überblick:
- Generell stellen Frauen mit 54 Prozent etwas über die Hälfte der
Studierendenschaft Österreichs. An Fachhochschulen studieren Frauen
seltener als Männer (11 Prozent vs. 14 Prozent), an Pädagogischen
Hochschulen dafür deutlich häufiger (6 Prozent vs. 2 Prozent).
- Geisteswissenschaftliche Studienfächer an Universitäten werden von
Frauen überdurchschnittlich häufig belegt (31 Prozent der Frauen vs.
14 Prozent der Männer), die Technik dagegen ist eine
männer-dominierte Fachgruppe (30 Prozent der Männer vs. 10 Prozent
der Frauen), wobei etwa ein Fünftel der Frauen in der Technik in
Architektur eingeschrieben ist. Auch Lehramts- und
naturwissenschaftliche Studien (knapp die Hälfte der Frauen in
Naturwissenschaften studiert Psychologie) sowie Veterinärmedizin
werden von Frauen häufiger belegt als von Männern.
- 63 Prozent der Studentinnen ging im WS 2010/11 einer
Erwerbstätigkeit nach, die Erwerbsquote von Männern unterscheidet
sich hier kaum. Unterschiede im Erwerbsverhalten zeigen sich jedoch
z.T. deutlich, etwa im Erwerbsausmaß, dem Beschäftigungsverhältnis
oder dem Erwerbseikommen.
- Frauen nehmen in allen Bundesländern häufiger ein Studium auf als
Männer, im Gesamtschnitt liegt die Hochschulzugangsquote von Frauen
bei 51 Prozent und jene von Männern bei 39 Prozent.
- Bei beiden Geschlechtern zeigt sich dabei ein Ost-West-Gefälle,
wonach Studierende aus West-Österreich deutlich seltener ein Studium
aufnehmen als jene aus Ost-Österreich.
- Die Aufnahme eines Studiums ist nicht nur stark an die regionale,
sondern auch an die soziale Herkunft geknüpft. Demnach wird die
Aufnahme eines Hochschulstudiums bei Männern stärker durch das
Bildungsniveau der Eltern beeinflusst als bei Frauen, das heißt, dass
soziale Aufwärtsmobilität bei Frauen eher gegeben ist als bei
Männern.
- Je nach Fächergruppe unterschiedlich sind auch die Übertrittsquoten
von Frauen und Männern an Universitäten vom Bachelor- ins
Masterstudium (77 Prozent vs. 87 Prozent) bzw. vom Diplom- ins
Doktoratsstudium (23 Prozent vs. 32 Prozent). Die Unterschiede sind
vor allem beim ersten Übertritt auf die geschlechtsspezifische
Fächerwahl zurückzuführen, die sich im Gesamtschnitt jeweils
unterschiedlich niederschlägt.
- Für studienbezogene Tätigkeiten wie Anwesenheit in
Lehrveranstaltungen und sonstigen Zeitaufwand für das Studium wenden
Frauen im Schnitt etwa eine Stunde mehr auf als Männer. Insgesamt
liegt der wöchentliche Studienaufwand damit bei Frauen bei knapp 32
Stunden und bei Männern bei knapp 31 Stunden.
- Frauen richten ihren Lebensmittelpunkt auch stärker auf ihr Studium
aus, sind jedoch gleichzeitig etwas unzufriedener mit ihrem Studium
als Männer. Die größten Unterschiede zeigen sich bei der
Verfügbarkeit von Lernplätzen, der Vielfalt des
Lehrveranstaltungsangebots sowie dem Praxisbezug des Studiums -
Aspekte, mit denen Männer deutlich häufiger zufrieden sind als
Frauen.
- Studierende an Fachhochschulen zeigen sich allgemein am
zufriedensten mit dem Studium. Am unzufriedensten sind dagegen
Studierende an Pädagogischen Hochschulen, besonders Frauen sind hier
u.a. mit dem Praxisbezug, der inhaltlichen Ausrichtung sowie der
Vielfalt des Lehrveranstaltungsangebots deutlich unzufriedener als
Männer.
- Das Risiko, von Stressbelastung oder psychischen Beschwerden
betroffen zu sein ist generell bei Frauen höher als bei Männern. Für
Frauen wie für Männer stellen finanzielle Schwierigkeiten oder
studienerschwerende gesundheitliche Beeinträchtigungen den Hauptgrund
für derartige Belastungen dar.
- Hinsichtlich der Auslandsmobilität von Studierenden in Österreich
zeigt sich, dass Frauen grundsätzlich mobiler sind und vor allem
Auslandssemester häufiger absolvieren als Männer. Sie wählen dabei
häufiger süd- und westeuropäische Länder, während Männer häufiger in
nordeuropäische Länder fahren oder ihr Auslandssemester außerhalb
Europas absolvieren.
Zur Studierenden-Sozialerhebung allgemein: Sie wird als
Online-Befragung durchgeführt, an der Studierenden-Sozialerhebung
2011 haben sich 44.000 von 300.144 angeschriebenen Studierenden an
Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen
beteiligt. Bei den Ergebnissen handelt es sich um
Selbstbeschreibungen bzw. Selbsteinschätzungen.
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