• 17.07.2013, 12:42:59
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Die Wiener Sängerknaben zur finanziellen Situation

Aufgrund des Berichts in der heutigen "Krone" sehen wir uns veranlasst, eine detaillierte Darstellung der Hintergründe zu veröffentlichen.

Utl.: Aufgrund des Berichts in der heutigen "Krone" sehen wir uns
veranlasst, eine detaillierte Darstellung der Hintergründe zu
veröffentlichen. =

Wien (OTS) - Die Wiener Sängerknaben haben eine lange Geschichte:
Knaben haben seit dem späten 13. Jahrhundert in der Wiener
Hofburgkapelle gesungen. 1924 wurde aus dem kaiserlichen Chor ein
privater Verein. Seit 1924 haben die Wiener Sängerknaben
dreieinhalbtausend Kinder ausgebildet; jedes Jahr werden es mehr:
Sängerknaben sowie Mädchen und Buben in Volksschule und der neuen
Oberstufe. Seit 1924 haben die Wiener Sängerknaben knapp 1000
Tourneen in rund 100 Länder unternommen und dabei an die 27.000
Konzerte im In- und Ausland gesungen, mit dem österreichischen
Staatswappen auf der Uniform und Wien im Namen. Das stellt einen
Werbewert dar, den man nicht beziffern kann.

Heute teilen sich die 100 aktiven Knaben, aufgeteilt auf vier
Chöre, etwa 300 Auftritte im Jahr. Sie erreichen live etwa eine halbe
Million Zuschauer in aller Welt; dazu kommen Tonaufnahmen,
Film-Dokumentationen, Reportagen, Berichte in den Medien und
natürlich das Internet. Die "Vienna Boys" sind von Berlin bis Beijing
ein Begriff.

Die Wiener Sängerknaben sind ein gemeinnütziger Verein. In erster
Linie verstehen wir uns als eine Bildungseinrichtung. Unser Ziel ist
es, die uns anvertrauten Kinder und jungen Menschen mit einer
besonderen musikalischen Ausbildung zu verantwortungsbewussten
Menschen zu erziehen; wir wollen sie mit einem Instrumentarium
versehen, ihre Welt aktiv mitzugestalten. Wir unterhalten eine
private Volksschule und ein privates Realgymnasium mit
Öffentlichkeitsrecht; derzeit haben wir 300 Schülerinnen und Schüler.
Eltern von Sängerknaben zahlen monatlich einen Beitrag von 90
Euro(!); die Volksschule kostet monatlich 250 Euro, die Oberstufe 340
Euro. Etwa ein Viertel der Kinder hat einen Freiplatz. Um den Betrieb
überhaupt aufrecht erhalten zu können, brauchen wir mindestens 2,8
Millionen Euro im Jahr. Nötige Investitionen in Gebäude, Lehrmittel
oder Musikinstrumente sind in dieser Summe nicht enthalten. Dieses
Geld muss von uns verdient werden. Etwa 65% des laufenden Budgets
können wir erwirtschaften. Wir können jede Zuwendung, öffentlich oder
privat, gebrauchen. Alles Geld, das wir haben, wird in die Kinder
investiert.

Bis 2001 haben die Wiener Sängerknaben ganz ohne öffentliche
Zuwendungen überlebt. Mit Ausnahme der allgemein üblichen Übernahme
der Kosten für Lehrer im Bereich der Privatschulen mit
Öffentlichkeitsrecht und von Förderungen für einzelne Projekte wie
neue Kinderopern, erhalten wir nach wie vor keine Zuschüsse oder
Subventionen der öffentlichen Hand.

Seit 65 Jahren sind die Wiener Sängerknaben im Augartenpalais
zuhause, die Volksschule ist im benachbarten Josephstöckel
untergebracht. Seit 65 Jahren beleben wir diese Häuser, unterhalten
und pflegen sie. 1948 haben die Wiener Sängerknaben die schwer
beschädigten Gebäude mit den Einnahmen der ersten USA-Tournee nach
dem zweiten Weltkrieg selbst wieder aufgebaut und renoviert. Die
letzte große Renovierung fand im Jahr 2003 statt. Wir lieben die
Gebäude und sind stolz darauf. Und wir haben sehr gerne Gäste;
regelmäßig beherbergen wir die Chorgruppen von "Superar", Schulen
besuchen uns, Lehrer kommen gerne. Wir veranstalten Workshops und
Offene Singen und jedes Jahr einen großen Tag der Offenen Tür, bei
dem immer alle gemeinsam singen.

Im Gegenzug für die Investitionen der Wiener Sängerknaben in die
Gebäude wurde seinerzeit eine Mietfreistellung bis 2008 vereinbart;
für die folgenden fünf Jahre wurden weitere Investitionen und
Wertschaffungen gegenverrechnet. Mit April 2013 wären erstmals Mieten
in Höhe von ca. 17.000 Euro pro Monat fällig.

Für den Verein haftet sein - ehrenamtlicher - Vorstand, zehn
Privatpersonen, drei Pensionisten, zwei Musiker, ein Impresario, zwei
Juristen, ein Archäologe und ein Journalist, die für eine solche
Summe auf keinen Fall gerade stehen könnten.

Plötzlich über 200.000 Euro im Jahr zusätzlich aufzubringen, ist
für uns unmöglich. Wir schaffen das nicht. Diese Miete würde
tatsächlich das Ende der Wiener Sängerknaben bedeuten. Aber wir
glauben nicht, dass das passiert, denn wir arbeiten im Moment
gemeinsam mit der Politik an Lösungen. Um die laufenden Gespräche
nicht zu stören, können wir in dieser Sache derzeit keine weiteren
Stellungnahmen abgeben.

Ein Chor ist ein Spiegel der Gesellschaft; er ist eine
Miniaturgesellschaft. Wer im Chor singt, lernt gemeinsam ein Ziel zu
erreichen; er lernt, wie eine gute Gemeinschaft funktioniert. Wer als
Kind singt, singt auch als Erwachsener; wer als Kind singt, zehrt
davon ein Leben lang. Wir glauben, dass unsere Welt Gesang braucht.
Es ist wichtig, dass es die Wiener Sängerknaben gibt. Und wir
glauben, dass es sie auch weiter geben wird.

Dass Singen Gehirntraining ist und Sänger wie Zuhörer glücklich
macht, ist längst wissenschaftlich erwiesen. Eine neue Studie aus
Schweden hat ergeben, dass Chorsingen auch gut für das Herz ist.

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