• 16.07.2013, 18:27:20
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Ab ins politische 'Leo'"

Ausgabe vom 17. Juli 2013

Utl.: Ausgabe vom 17. Juli 2013 =

Wien (OTS) - Ein modernes Lehrerdienstrecht soll es endlich geben. In
der Sache wäre dies dem Bildungssystem überaus zuträglich, politisch
wäre es ein schöner Erfolg für die SP/VP-Regierungskoalition, die
sich - wie Politbeobachter derzeit glauben - genauso der Wiederwahl
stellt. In der Tat ist eine Einigung für beide Parteien vorteilhaft.
Der Kanzler - und damit die SPÖ - kann die Erledigung eines leidigen
Themas in die Waagschale werfen. Und die ÖVP wäre ihr
Betonierer-Image in der Bildungspolitik los.

Im Juni hatten die Regierungsparteien die neue Lehrerausbildung
beschlossen, damit sollen künftig Pädagogische Hochschulen
(Pflichtschule) und Universitäten (AHS) zu gleichen Standards
verpflichtet werden.

Das war ein guter Ansatz, denn nur eine qualitativ hochwertige
Ausbildung wird am Ende auch jene Lehrer produzieren, die sich
Schüler auch verdienen. Das im Bildungsbereich erfolgreiche Finnland
ging einen noch radikaleren Weg: Ein striktes Aufnahmeverfahren soll
dafür sorgen, dass nur wirklich Engagierte auch in den Lehrerberuf
kommen. Daneben stellten die Finnen ihr Bildungssystem ins
"politische Leo": Egal, welche Partei die Regierung führte, der
eingeschlagene Weg wurde weitergeführt. Das ermöglichte den Finnen
eine stetige Entwicklung - mit Erfolg.

Und es hatte noch einen zweiten Effekt, der mindestens ebenso wichtig
ist. Die "soziale Durchlässigkeit" in der Bildung ist im hohen Norden
deutlich besser als etwa in Österreich.

Das alles kann passieren, wenn Bildungspolitik nicht mehr durch eine
ideologische Brille gesehen wird, sondern dem Credo gehorcht,
möglichst alle Kinder in mehreren Ausbildungs-Schienen so gut wie
möglich auf das Leben vorzubereiten.

Davon konnte in Österreich in den vergangenen Jahren nicht die Rede
sein. Es ist - an Jahren - alten Menschen wie Hannes Androsch zu
verdanken, die mit dem Bildungsvolksbegehren zementierte Positionen
aufgebrochen haben. Am Ende werden auch die gewerkschaftlichen
Vertreter der AHS-Lehrer froh sein, den Weg freigegeben zu haben.
Denn für engagierte Lehrerinnen und Lehrer wird es nicht von Relevanz
sein, ob sie 22, 24 oder 26 Stunden pro Woche unterrichten. Es wird
darum gehen, die Kinder und Jugendlichen ihrer Klassen Spaß am Lernen
zu geben. Griesgrämig war die heimische Bildungspolitik lange genug.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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