- 16.07.2013, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ratingprüfer sind öfter harmlos - von Andre Kühnlenz
Spanien droht große Gefahr, wenn das Land auf Ramschstatus fällt
Utl.: Spanien droht große Gefahr, wenn das Land auf Ramschstatus
fällt =
Wien (OTS) - Die Vorwürfe gegenüber Ratingagenturen werden wohl nie
verstummen. Häufig ist Kritik zu hören, wenn die Bonitätswächter die
Kreditwürdigkeit eines Staates schlechter bewerten. Dann sagen
Politiker gerne, dass die Agenturen die Euroschuldenkrise
verschärfen. Neben den berüchtigten Spekulanten sollen die
Ratingprüfer ihren Kopf hinhalten. Dabei spricht vieles dafür, dass
die Investoren und auch die Agenturen einfach nur ihren Job machen.
Ihnen die Schuld für das Schlamassel der Gemeinschaftswährung in die
Schuhe zu schieben, greift oft zu kurz.
Klar gibt es auch die eher seltenen Fälle, die schlimme Folgen haben:
Es sind Rating-Entscheidungen, nach denen Anleger Staatsanleihen in
Massen verkaufen. Das treibt zugleich die Zinsen des betroffenen
Landes nach oben. Dies droht vor allem dann, wenn ein Land kurz davor
steht, aus einem der wichtigen Vergleichsindizes am Anleihenmarkt
herauszufallen.
Manager in Versicherungen oder Fondsgesellschaften müssen dann die
abgestuften Papiere verkaufen. Sie können nicht anders, weil sie oft
die Indizes nachbilden. Als Nächstes könnte es Spanien treffen, wie
zuvor Portugal oder Griechenland: Es liegt bei der Agentur Moody's
nur noch eine Stufe über dem Ramschniveau. Setzen die Ratingwächter
Spaniens Kreditwürdigkeit herab, fällt das Land aus wichtigen
Investmentgrade-, also "Besser-als-Ramsch"-Indizes. Noch haben die
Spanier zwar gute Chancen, dass ihnen dieses Schicksal erspart
bleibt. Doch lauert hier tatsächlich Gefahr, dass sich die Krise
verschärft.
Sonst interessieren die meisten Entscheidungen der Agenturen kaum
noch einen Investor. Der Verlust der Top-Bonität Frankreichs ist ein
Beispiel dafür. Viele Anleger wissen meist genauso viel wie die
Bonitätsprüfer: Öffentliche Schulden oder Wachstumsraten - alles
Zahlen, die sich jeder selbst besorgen kann. Wenn an den Märkten aber
gerade Krise herrscht, dann steckt dahinter oftmals ein Herdentrieb.
Der hat meist nichts mehr mit den Fundamentaldaten eines Landes zu
tun. Genau solche Panikverkäufe hatte EZB-Chef Mario Draghi im Blick,
als er im Sommer 2012 versprach, die Notenbank werde alles tun, um
den Euro zu bewahren. Seitdem ist es weitgehend ruhig geblieben im
Euroland. Gleichwohl gibt es Klippen, wie sie jetzt Spanien drohen.
Regulierer und Aufsichtsbehörden sollten sie wegschleifen.
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