- 16.07.2013, 11:41:46
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Wie gut ist Österreich auf Naturkatastrophen vorbereitet? - BILD/VIDEO
Wien (OTS) - Dass Österreich von Naturkatastrophen nicht verschont
bleibt, wurde in den letzten Wochen mehr als deutlich. 445 Milliarden
Euro Schäden verursachten Extremwetterereignisse alleine von 1980 bis
2011 in ganz Europa. Wie hoch das tatsächliche Ausmaß der Schäden des
diesjährigen Hochwassers in Österreich sein wird, gilt es abzuwarten.
Neben enormen finanziellen Schäden werden durch Katastrophen immer
wieder Menschen verletzt oder getötet. Doch wie gut ist Österreich
wirklich auf Naturkatastrophen vorbereitet? Wie eine aktuelle Studie
des KFV zeigt, wird vor allem die persönliche Gefährdung durch
Naturkatastrophen stark unterschätzt. Aber schon einfache Maßnahmen
können Leben und Eigentum retten.
Naturkatastrophen nehmen unter dem Einfluss des Klimawandels
weltweit dramatisch zu. Was wenige wissen: Egal ob Hagel, Hochwasser,
Erdbeben, Sturm oder Schnee: Wie kaum ein anderes Land im
europäischen Raum ist Österreich einer Vielzahl verschiedenster
Bedrohungen ausgesetzt. "Kaum ein Bundesland in Österreich bleibt von
Naturkatastrophen verschont. In der öffentlichen Wahrnehmung
existiert dieses Risiko jedoch kaum. Großereignisse sind in
Österreich selten, daher werden die Risiken der kleineren Ereignisse
oft falsch eingeschätzt. Die Bedrohung ist meist schnell vergessen,
dennoch real. Wir beobachten eine Zunahme von regional begrenzten
Naturkatastrophen, die sich in kurzer Zeit sehr stark auswirken",
erläutert VVO-Vizepräsident Generaldirektor Dr. Othmar Ederer.
Neben dem diesjährigen Hochwasser gab es im letzten Jahrzehnt in
Österreich eine Reihe von Naturkatastrophen. Das Hochwasser im August
2002 mit einem Gesamtschaden von fast 3 Milliarden Euro. Einen
Schaden von mehr als 500 Millionen Euro verursachte das Hochwasser im
August 2005, mehr als 300 Millionen Euro jeweils die Stürme der Jahre
2007, 2008 und 2009. Statistisch betrachtet, kommt es alle zwei bis
drei Jahre zu einer Katastrophe mit Schäden um die 200 Millionen
Euro.
KFV-Erhebung zeigt: Österreicher unterschätzen die Gefahr von
Naturkatstrophen!
Dass die Gefahr, die von Naturkatastrophen ausgeht, generell
unterschätzt wird, zeigt eine aktuelle Erhebung des KFV die vor der
Hochwasserkatastrophe 2013 in Österreich durchgeführt wurde: "Unsere
Erhebung zeigt, dass rund 63 Prozent der befragten Österreicher ein
Naturkatastrophenereignis in ihrem Wohnort für eher oder gänzlich
unwahrscheinlich hielt. 93 Prozent der befragten Personen fühlten
sich nur gering oder gar nicht persönlich gefährdet. Die Gefahr wird
stark unterschätzt", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV.
Betrachtet man die einzelnen Gefahrenzonen in Österreich so zeigt
sich, dass sich auch nicht alle Personen, die in Hochrisikozonen
leben, der Gefahr auch immer bewusst sind: So gingen 27 Prozent der
befragten Personen, die in einer Hochwasserrisikozone leben von
keiner Gefährdung aus. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der befragten
Österreichscher, die in einer Erdbebengefährdungszone der Stufe VIII
(schwer!) leben, schätzen sich als gar nicht gefährdet ein. Auch der
subjektiv wahrgenommene Informationsstand der befragten Personen über
Naturkatastrophen ist eher bescheiden. Beim Informationsgrad über die
zuständigen Ansprechpersonen bei Behörden und insbesondere bei den
Evakuierungsplänen besteht ein großes Wissensdefizit: Ein im
Katastrophenfall ertönendes Sirenensignal kann 85 Prozent der
befragten Bevölkerung nicht richtig zuordnen.
Deutlich besser ist es um die Haushaltsausstattung in Bezug auf
Naturgefahren bestellt: Jeweils mindestens 80 Prozent der Befragten
geben an, dass sie über Hygieneartikel für mehr als 1 Woche,
Batterien für Taschenlampen und einen Grundvorrat an Medikamenten
verfügen. Mehr als drei Viertel der Befragten besitzt eine
Erste-Hilfe-Ausrüstung und zwei Drittel verfügt über
Lebensmittelvorräte für mehr als eine Woche. Etwas schlechter fällt
die Versorgung mit batteriebetriebenen Radiogeräten (50 Prozent) und
Trinkwasser für mehr als eine Woche (46 Prozent) aus. Die Prävention
von Naturkatastrophen ist für 44 Prozent der Bevölkerung Aufgabe der
Behörden. Dies könnte einer der Gründe sein, warum nur ein Anteil von
fünf Prozent der Befragten angab in den nächsten 12 Monaten Maßnahmen
zum Schutz vor Naturkatastrophen treffen zu wollen.
Privathaushalte ungenügend gegen Naturgefahren geschützt!
Präventivmaßnahmen zahlen sich aus!
Neue technische Hilfsmittel wie z.B. die Risikolandkarte HORA
ermöglichen heutzutage eine exakte Gefahreneinstufung für jeden
einzelnen Haushalt in Österreich. Via Mausklick
(http://www.hora.gv.at/) kann man sofort feststellen, ob und in
welcher Gefahrenzone man sich befindet. HORA wurde in den letzten
Jahren kontinuierlich erweitert und umfasst gegenwärtig Hochwasser,
Erdbeben, Blitzschlag, Sturm, Schneedruck und Hagel. "Österreich ist
mit diesem System europaweit Vorreiter. Ein wichtiges Ziel von HORA
ist die Schärfung der Risikowahrnehmung und des Bewusstseins der
Bevölkerung für Naturgefahren. Zusätzlich ermöglichen aktuelle
Informationen etwa über Pegelstände und Wetterwarnungen eine
entsprechende Eigenvorsorge", erläutert DI Dr. Heinz Stiefelmeyer vom
Lebensministerium. "Besonders wichtig ist, dass Betroffene präventiv
tätig werden. Bei bestehender Hochwassergefährdung können schon
einfache bauliche Maßnahmen, wie etwa die Erhöhung der Lichtschächte,
die Installation von Rückstauklappen oder das Anbringen von
Halterungen zur raschen Montage von Bretterverschlägen bei Türen und
ebenerdigen Fenstern wirkungsvoll Schäden deutlich mindern", schließt
Stiefelmeyer.
Wussten Sie, dass...
...es statistisch betrachtet alle zwei bis drei Jahre zu einer
Naturkatastrophe mit Schäden um die 200 Millionen Euro kommt?
...in Österreich rund 30 - 60 Erdbeben pro Woche und mehrere Beben
täglich gemessen werden?
...die am häufigsten von Erdbeben betroffenen Bereiche in
Österreich das Wiener Becken (nahe der Thermenlinie), das Mur- und
Mürztal, sowie das Inntal und der südliche Bereich von Kärnten sind?
...in den 11 Jahren von 1992 bis 2002 in Österreich insgesamt ca.
1.635.000 Blitze geortet wurden. Würde man diese Zahl über die
Gesamtfläche Österreichs von 83.858 km2 mitteln, ergäbe diese eine
durchschnittliche Blitzdichte von 1,77 Blitzen pro km2 und Jahr.
...schon erstaunlich simple Maßnahmen Leben und Eigentum retten
können.
...man per Mausklick unter http://www.hora.gv.at/ ganz einfach
feststellen kann, ob und in welcher Gefahrenzone man sich befindet?
Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/4339
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