WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Chinas Abkühlung sollte uns freuen - von Andre Kühnlenz

Chinas Abkehr vom einseitigen Exportmodell wird allen helfen

Wien (OTS) - Es ist eine Tatsache, die kaum noch überrascht. Chinas Konjunktur kühlt sich ungebrochen ab. Dies haben die jüngsten Zahlen der amtlichen Statistiker in Peking jetzt bestätigt. Nach 7,7 Prozent im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft nur noch mit einer Jahresrate von 7,5 Prozent im Frühjahr. Doch sollen wir uns in Europa darüber grämen, dass wir einen wichtigen Wachstumstreiber für Asien und die gesamte Weltwirtschaft vorerst verloren haben?

Denn eines scheint mehr als sicher: Der Abschwung dauert länger als Investoren in Europa und Amerika lange Zeit gehofft hatten. Vermutlich wird der Tiefpunkt sogar erst Mitte 2014 erreicht werden. Nein, darüber brauchen wir uns nicht zu ärgern. Denn was gerade in China passiert, das ist der Versuch, die Volkswirtschaft auf gesunden Füßen neu aufzustellen. Davon werden wir alle profitieren.

Über Jahre galt: Wichtig war nur das, was den Exporteuren half. Es wurde in neue Fabriken investiert, als gäbe es kein Morgen - gerne auf Kredit. Die Binnenwirtschaft, vor allem der Konsum weiter Teile der Bevölkerung, liegt dagegen noch immer darnieder. Dass dies nicht gesund ist, hat Peking zwar schon länger erkannt. Die neuen Herren der Partei- und Staatsführung, sie setzen die neue Strategie des Wandels nur konsequenter um als die vorherigen - weg vom Export, hin zu mehr Binnenwirtschaft.

Dabei sollten wir nicht vergessen, dass es ausgerechnet die Chinesen waren, die nach der Finanzkrise mit einem riesigen Investitionsprogramm die Weltwirtschaft gestützt und gerettet haben. Autohersteller, Volkswagen zum Beispiel, haben ihre Pkw-Auslieferungen in China, Hongkong und Macao 2009 und 2010 um jeweils 37 Prozent pro Jahr gesteigert - gigantische Zuwächse.

Im ersten Halbjahr 2013 lag das Plus dagegen "nur" noch bei 18 Prozent. Doch nicht nur der Autokonzern wird diesen Abschwung verkraften können - wenn die Chinesen etwas Tempo rausnehmen, wenn die Kredite weniger stark wachsen, es weniger Übertreibungen am Immobilienmarkt und an den Aktienbörsen gibt. Und sollte der Wandel einmal tatsächlich ohne große Unfälle gelungen sein, dann darf sich nicht nur VW über eine neue Schicht an Konsumenten freuen. Dann können wir uns alle sicherer sein, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft auch weniger anfällig für Krisen geworden ist.

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