- 15.07.2013, 18:15:01
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Chinas Abkühlung sollte uns freuen - von Andre Kühnlenz
Chinas Abkehr vom einseitigen Exportmodell wird allen helfen
Utl.: Chinas Abkehr vom einseitigen Exportmodell wird allen helfen =
Wien (OTS) - Es ist eine Tatsache, die kaum noch überrascht. Chinas
Konjunktur kühlt sich ungebrochen ab. Dies haben die jüngsten Zahlen
der amtlichen Statistiker in Peking jetzt bestätigt. Nach 7,7 Prozent
im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft nur noch mit einer Jahresrate
von 7,5 Prozent im Frühjahr. Doch sollen wir uns in Europa darüber
grämen, dass wir einen wichtigen Wachstumstreiber für Asien und die
gesamte Weltwirtschaft vorerst verloren haben?
Denn eines scheint mehr als sicher: Der Abschwung dauert länger als
Investoren in Europa und Amerika lange Zeit gehofft hatten.
Vermutlich wird der Tiefpunkt sogar erst Mitte 2014 erreicht werden.
Nein, darüber brauchen wir uns nicht zu ärgern. Denn was gerade in
China passiert, das ist der Versuch, die Volkswirtschaft auf gesunden
Füßen neu aufzustellen. Davon werden wir alle profitieren.
Über Jahre galt: Wichtig war nur das, was den Exporteuren half. Es
wurde in neue Fabriken investiert, als gäbe es kein Morgen - gerne
auf Kredit. Die Binnenwirtschaft, vor allem der Konsum weiter Teile
der Bevölkerung, liegt dagegen noch immer darnieder. Dass dies nicht
gesund ist, hat Peking zwar schon länger erkannt. Die neuen Herren
der Partei- und Staatsführung, sie setzen die neue Strategie des
Wandels nur konsequenter um als die vorherigen - weg vom Export, hin
zu mehr Binnenwirtschaft.
Dabei sollten wir nicht vergessen, dass es ausgerechnet die Chinesen
waren, die nach der Finanzkrise mit einem riesigen
Investitionsprogramm die Weltwirtschaft gestützt und gerettet haben.
Autohersteller, Volkswagen zum Beispiel, haben ihre
Pkw-Auslieferungen in China, Hongkong und Macao 2009 und 2010 um
jeweils 37 Prozent pro Jahr gesteigert - gigantische Zuwächse.
Im ersten Halbjahr 2013 lag das Plus dagegen "nur" noch bei 18
Prozent. Doch nicht nur der Autokonzern wird diesen Abschwung
verkraften können - wenn die Chinesen etwas Tempo rausnehmen, wenn
die Kredite weniger stark wachsen, es weniger Übertreibungen am
Immobilienmarkt und an den Aktienbörsen gibt. Und sollte der Wandel
einmal tatsächlich ohne große Unfälle gelungen sein, dann darf sich
nicht nur VW über eine neue Schicht an Konsumenten freuen. Dann
können wir uns alle sicherer sein, dass die zweitgrößte
Volkswirtschaft auch weniger anfällig für Krisen geworden ist.
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