• 15.07.2013, 10:16:19
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Geldpolitik ist Psychologie - von Herbert Geyer

Spätestens jetzt weiß auch die Fed, was wir immer schon geahnt haben

Utl.: Spätestens jetzt weiß auch die Fed, was wir immer schon geahnt
haben =

Wien (OTS) - Hätten wir es nicht schon längst geahnt, so wüssten wir
es spätestens seit dem Start der "Abenomics" des japanischen Premiers
Shinzo Abe im heurigen Frühjahr: Geldpolitik ist vor allem angewandte
Psychologie.

Die japanische Wirtschaft begann ja heuer im ersten Quartal, schon
kräftig zu wachsen, bevor die angekündigten Liquiditätsspritzen durch
Anleihenkäufe überhaupt begonnen hatten.

Jetzt ist dieser Effekt auch wissenschaftlich bewiesen: Die
US-Notenbank Fed hat - aus Sorge, nach Einstellung ihrer
Anleihenkäufe könnten die Zinsen für die Staatsschuld massiv steigen
- untersucht, wie sich ähnliche geldpolitische Schritte bisher
ausgewirkt haben. Das Ergebnis: Überschießende Folgen gab es bisher
nur, wenn geldpolitische Maßnahmen (in der Vergangenheit waren das
Zinsänderungen) den Markt unvorbereitet getroffen haben. Kamen
Zinssteigerungen gut vorbereitet und daher für den Markt nicht
überraschend, so hielten sich auch ihre Auswirkungen in Grenzen.

Ganz neu ist auch das nicht: Für die Wirtschaftspolitik (konkret für
die Inflationsbekämpfung) haben das die US-Ökonomen Christopher Sims
und Thomas Sargent bereits nachgewiesen und dafür 2011 den
Wirtschaftsnobelpreis gewonnen: Erwartbare (und erwartete)
Wirtschaftseingriffe der Politik bewirken so gut wie gar nichts.

Es beruhigt aber zu wissen, dass diese Erkenntnis auch bei Fed-Chef
Ben Bernanke angekommen ist. Er wird also den - unvermeidlichen -
Ausstieg aus der Liquiditätsdroge lang und sorgfältig genug
vorbereiten, um schlimme Folgen auf die Realwirtschaft zu verhindern.

Bei seinem EZB-Kollegen Mario Draghi müssen wir uns diesbezüglich
ohnehin keine Sorgen machen: Erstens ist die von der EZB in den Markt
gepumpte Überschuss-Liquidität ohnehin bereits wieder auf den
EZB-Konten gelandet. Und zweitens hat der den Anleihenkauf-Wahnsinn
seiner Kollegen in New York und Tokio von Anfang an nur virtuell
mitgemacht: mit seiner Ankündigung, notfalls unbegrenzt Anleihen der
Krisenstaaten aufzukaufen, falls deren Zinsen zu stark steigen.
Bisher musste er keine einzige Anleihe kaufen.

Geldpolitik ist nämlich - wir wussten es und Draghi weiß es auch -
angewandte Psychologie.

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