• 11.07.2013, 11:01:17
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BELVEDERE - GIRONCOLI: CONTEXT

ANDRE | BACON | BARNEY | BEUYS | BOURGEOIS | BRUS | KLAUKE | NAUMAN | SCHWARZKOGLER | WEST

Utl.: ANDRE | BACON | BARNEY | BEUYS | BOURGEOIS | BRUS | KLAUKE |
NAUMAN | SCHWARZKOGLER | WEST =

Wien (OTS) - Mit Gironcoli: Context präsentiert das Belvedere im
Sommer 2013 eine Ausstellung zum großen österreichischen Bildhauer
Bruno Gironcoli, die dessen Arbeiten erstmals in ein Netzwerk von
Beziehungen zu bedeutenden modernen bis zeitgenössischen Positionen
setzt und so das Werk eines der wichtigsten Vertreter der
zeitgenössischen Skulptur würdigt. Drei Jahre nach dessen Tod und 16
Jahre nach der letzten großen Personale im Wiener MAK -
Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst (1997)
hat sich das Belvedere eine Neubewertung von Gironcolis Schaffen
durch eine Ausstellung zur Aufgabe gemacht, die das Frühwerk des
Künstlers umfassend veranschaulicht und ihn mit prominenten
Vertretern der internationalen wie der heimischen zeitgenössischen
Kunst präsentiert. Erstmals wird der Ausnahmekünstler als Teil der
internationalen Bewegung gezeigt, die ab den 1960er-Jahren die Kunst
neu definierte, indem sie traditionelle Gattungen durch
Grenzüberschreitungen aufbrach und bis dahin gültige Normen infrage
stellte. Darüber hinaus beleuchtet die Ausstellung einen für die
Kunst der 1960er- und 1970er-Jahre wesentlichen Themenkreis - die
Entgrenzung des Mediums Skulptur hin zu neuen Medien wie Fotografie,
Film und Performance.

Kontextualisierung mit Werken bedeutender Vertreter der
dreidimensionalen Kunst

Trotz mehrerer international beachteter monografischer Ausstellungen
im In- und Ausland bleibt Bruno Gironcolis Rezeption vom Eindruck der
undurchschaubaren Einzigartigkeit dominiert, die eine objektive
Einordnung seiner Arbeit in die großen Entwicklungsprozesse der
Skulptur im 20. Jahrhundert bisher erschwerte. Basierend auf von
Gironcoli selbst genannten Referenzen und beobachtbaren Analogien zu
den Werken anderer Künstler zeigt Gironcoli: Context Arbeiten von
zehn Vertretern verschiedener Künstlergenerationen von den
1960er-Jahren bis heute: Carl Andre, Francis Bacon, Matthew Barney,
Joseph Beuys, Louise Bourgeois, Günter Brus, Jürgen Klauke, Bruce
Nauman, Rudolf Schwarzkogler und Franz West. "Die Ausstellung folgt
einem kuratorischen Grundkonzept, das im Belvedere und im 21er Haus
mittlerweile ein Prinzip darstellt. Wir wollen durch die Kombination
des Alten mit dem Neuen, des Klassischen mit dem Zeitgenössischen und
des Heimischen mit dem Internationalen neue Aspekte am jeweils
anderen aufzeigen und erkenntnisreiche Querverbindungen schaffen.
Durch die Gegenüberstellung künstlerischer Werke aus
unterschiedlichen Zeiten oder Kulturräumen wollen wir neue
Reflexionsprozesse über deren inhaltliche oder formale Nähe
anstoßen", erläutert Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere
und des 21er Haus.

Präsentiert werden herausragende Arbeiten Gironcolis aus den Jahren
1962 bis 1982: Auf der Suche nach einem zeitgemäßen menschlichen
Abbild experimentierte der Künstler in seinem Frühwerk mit neuen
industriellen Werkstoffen und formulierte seinen Kunst- und
Skulpturenbegriff, der sich von den frühen Drahtplastiken über die
Polyesterobjekte hin zu den Environments entwickelte. Parallel dazu
fand eine intensive Beschäftigung mit dem zeitgenössischen
Kunstgeschehen statt. Gironcoli konzentrierte sich in seinen Arbeiten
auf wenige Themen. Lediglich in ihrer Gewichtung und im Zusammenspiel
verschieden, waren dies die Konstanten Verletzung - Folter, Angst -
Sexualität, Ritual - Obsession, Fetisch - Geschlecht, Vater - Mutter
- Kind. "Die Kontextualisierung ausgewählter Arbeiten Gironcolis mit
Werken anderer heimischer wie internationaler Hauptvertreter der
dreidimensionalen und installativen Kunst der letzten Jahrzehnte
bildet den Ansatzpunkt der Ausstellung. Ziel ist, den in seiner
künstlerischen Praxis so singulär wie rätselhaft erscheinenden
Bildhauer in seiner allgemeinen kunsthistorischen Bedeutung zu
erfassen. Verbindungen sowohl von den frühen Rauminstallationen
Gironcolis als auch von seinen altarähnlichen, in kryptischen
Symbolen auswuchernden Monumentalskulpturen werden zu ausgewählten
Werken dieser Künstler hergestellt, die Gironcoli selbst und seine
herausragende Stellung auch im internationalen Umfeld erhellen",
erklärt Bettina M. Busse, die Kuratorin der Ausstellung.

Andre | Bacon | Barney | Beuys | Bourgeois | Brus | Klauke
| Nauman | Schwarzkogler | West

Neben dem Wiener Aktionismus sind Joseph Beuys' soziale Plastik und
dessen Performances wichtige Anhaltspunkte für den jungen Gironcoli.
Seine Beschäftigung mit der Beuys'schen Aufladung von Materialien mit
bestimmten Bedeutungsinhalten und der Einfluss gewisser Elemente des
Wiener Aktionismus wie Ritual, Opferung, Materialkombinationen und
Grenzüberschreitungen kommen in den frühen Arbeiten zum Tragen. Werke
wie Beuys' Performance Eurasienstab in der Galerie nächst St. Stephan
(1967), die Aktionsfotos von Rudolf Schwarzkogler sowie der 1965
entstandene Film von Günter Brus über die 4. Aktion von Schwarzkogler
weisen darauf hin. Ein weiteres Thema der 1960er-Jahre ist die
Untersuchung von Fläche und Raum, die Gironcoli zu den Arbeiten von
Carl Andre und zur Minimal Art führt. Die Transformation eines
scheinbar neutralen Objekts in einen sexuell aufgeladenen Gegenstand
steht in Beziehung zu der Gironcolis gesamtes Werk durchziehenden
Beschäftigung mit der polaren Geschlechtlichkeit von Mann und Frau.
Die Auflösung der Geschlechter ist auch ein zentrales Thema des
deutschen Künstlers Jürgen Klauke. Der jüngste der ausgestellten
Künstler, Matthew Barney, setzt sich in seinen surreal anmutenden
Filmen in einer von ihm geschaffenen extremen Kunstsprache ebenfalls
mit der Identität der Geschlechter auseinander.

Francis Bacon und Bruce Nauman thematisieren ebenso wie Gironcoli auf
abstrakte, aber dennoch intensive Weise die Frage nach der conditio
humana. Francis Bacon ist mit einem Bild aus der bekannten Serie
Portraits of Henrietta Moraes in der Ausstellung vertreten. Hanging
Carousel verdeutlicht Bruce Naumans Auseinandersetzung mit physischer
und psychischer Gewalt auf eindrückliche Weise. Louise Bourgeois
teilt mit Gironcoli die lebenslange Beschäftigung mit dem Thema
Mutter. Ebenfalls eine Einzelkämpferin, entspringt ihre Kunst ähnlich
jener von Gironcoli einem stark von persönlichen Erfahrungen und
Emotionen geprägten Themenkreis, wobei das menschliche Abbild und die
Figur der Mutter bzw. das Gebären einen zentralen Platz im
künstlerischen Schaffen einnehmen. Von Gironcolis wohl bekanntestem
Schüler, Franz West, werden frühe Passstücke gezeigt, die auf der
Auseinandersetzung mit den Werken Gironcolis und der Aktionisten
basieren.

Skulpturen im Spannungsverhältnis zu barocker
(Garten-)Architektur

Ergänzt wird die Ausstellung durch die Präsentation von drei groß
dimensionierten Güssen aus den Jahren 1984 bis 2003 im Kammergarten,
die den Bogen der Kontextualisierung weiterspannen. Sie beschäftigen
sich mit dem klassischen Bildhauerthema der sitzenden Figur; bei
Gironcoli der sogenannte Murphy, inspiriert von der gleichnamigen
Figur Samuel Becketts. Die Skulpturen werden in ein
Spannungsverhältnis zur barocken Formensprache der Belvedere
Architektur und des Gartens gesetzt, das die formale und thematische
Parallelenbildung im Außenraum um eine weitere Vergleichsmöglichkeit
ergänzt.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die Bruno
Gironcoli als Teil jener internationalen Bewegung würdigt, die ab den
1960er-Jahren die Kunst durch Grenzüberschreitungen neu definierte
und gültige Normen infrage stellte. Mit Beiträgen von Véronique
Aichner, Bettina M. Busse, Agnes Husslein-Arco, Harald Krejci, Georg
Lechner, Beatriz Preciado, Thomas D. Trummer und Peter Weiermair.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | BEL

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