- 11.07.2013, 09:10:55
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AIT: Durststrecken in Sicht für den Neusiedler See
Seen im Klimawandel
Utl.: Seen im Klimawandel =
Wien (OTS) - In einer EU-weiten Studie untersuchten AIT-ForscherInnen
die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf den Neusiedler See. Die
Ergebnisse zeigen, dass der größte See Österreichs in Zukunft
häufiger mit Wassermangel rechnen muss. Selbst Perioden völliger
Austrocknung können nicht ausgeschlossen werden. Vorbeugungs- und
Anpassungsmaßnahmen sollten rasch umgesetzt werden.
Seit drei Jahren beschäftigen sich WissenschafterInnen des AIT in
einem groß angelegten EU-Projekt mit Klimaauswirkungen auf
europäische Binnenseen. Im Vordergrund steht die Frage, wie die
globale Erwärmung auf Gewässer wirkt und wie diese damit
zurechtkommen. Vor allem der Neusiedler See ist als Ökosystem,
Wirtschaftsmotor und Tourismusknotenpunkt durch seine geringe
Wassertiefe besonders bedroht.
Trockenjahre sehr wahrscheinlich
Die untersuchten Auswirkungen beziehen realistisch angesetzte
Klimaszenarien der nächsten Jahrzehnte ein: höhere Lufttemperaturen
und geringfügig verminderte Niederschläge lassen Jahre mit negativer
Wasserbilanz häufiger werden. Die ExpertInnen kommen zu dem Schluss,
dass der Neusiedler See etwa alle 25 Jahre Perioden mit einem
Wasserrückgang von einem Meter gegenüber dem Durchschnitt erleben
könnte. Dies würde eine schwere Beeinträchtigung der Nutzung des Sees
bedeuten, da sich die Fläche mit einer Wassertiefe von mehr als 1 m
um ca. 90 % reduziert. Weniger dramatische Szenarien mit
Wasserständen wie zuletzt im Jahr 2003 (ca. 0,5 m unter dem
Durchschnitt) könnten alle 3-5 Jahre auftreten.
Bei steigenden Lufttemperaturen erwärmt sich in gleicher Weise das
Wasser, was zur schnelleren Verdunstung und Abnahme der
Wasserqualität führt. Mit dem Rückgang des Wasserstandes gerät das
Ökosystem durch die komplette Austrocknung des Schilfgürtels aus dem
Gleichgewicht. Zu erwarten ist, dass auch der Fischbestand unter den
Klimaänderungen leiden wird. Ebenso sind Beeinträchtigungen für den
Tourismus möglich.
"Wir haben uns mit realistischen Zukunftsszenarien
auseinandergesetzt und deren Folgen für den Neusiedler See
analysiert. Da ein drastischer Wasserrückgang sowohl die touristische
Nutzbarkeit des Sees als auch seine Ökosystem-Funktionen
beeinträchtigen wird, war es wichtig, Maßnahmen auszuarbeiten, die
Klimaveränderungen mildern und abfangen", sagt Dr. Gerhard Soja,
Wissenschafter und Projektleiter am AIT Austrian Institute of
Technology im Health & Environment Department.
Maßnahmen rasch setzen
Der Klimawandel wird sich nicht aufhalten lassen, daher wurde
speziell in der letzten Phase des Projektes auf die Ausarbeitung der
Vorbeugungs- und Anpassungsmaßnahmen Wert gelegt.
"Solche Maßnahmen zeigen auf, wie man mit Klimaveränderungen
umgeht, also wie wir unsere Seen an die neuen Umgebungsverhältnisse
anpassen und Ökosysteme schützen", so Soja weiter.
Die ForscherInnen konzentrierten sich auf Vorschläge mit hohen
Chancen auf wirtschaftliche Umsetzbarkeit. Ein optimiertes
Schleusenmanagement, das seit zwei Jahren im Probebetrieb läuft, soll
den Wasservorrat als Reserve für Trockenperioden hoch halten. Der
Schleusenbetrieb ist wichtig, weil der Neusiedler See seine
Wasservorräte fast zur Gänze aus Niederschlägen bezieht. Die
Maßnahmen zum Schutz des Sees sollten sich auch auf die Wulka, dem
einzigen größeren Zufluss, erstrecken. Für die Fischerei können
vorsichtige Beeinflussungen der Artenzusammensetzung und optimiertes
Schilfmanagement vorteilhaft sein.
"In unserem Projekt geht es darum aufzuzeigen, was passiert, wenn
nichts unternommen wird, aber auch Chancen und Lösungen zu
präsentieren, damit es nicht zur Versumpfung oder gar Austrocknung
des Sees kommt und das einzigartige Naturjuwel möglichst lange
erhalten bleibt", so Soja.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Gesamtprojekts bilden die
Grundlage für die Schaffung geeigneter umweltpolitischer
Rahmenbedingungen, um Binnenseen fit für den Klimawandel zu machen.
Finanziert durch das Central Europe Programme der EU, wurde auch ein
Web-GIS-basiertes Modell für das Management von Seen entwickelt. Es
demonstriert die Auswirkungen des Klimawandels und erleichtert die
Verbreitung der Vorbeugungsmaßnahmen. Als weitere Studiengebiete des
Projektes dienten auch der Plattensee, der Charzykowsie-See in Polen
sowie der Gardasee.
Über das AIT Austrian Institute of Technology
Das AIT ist Österreichs größte außeruniversitäre
Forschungseinrichtung und ist unter den europäischen
Forschungseinrichtungen der Spezialist für die zentralen
Infrastrukturthemen der Zukunft. Als Ingenious Partner der Wirtschaft
und öffentlicher Einrichtungen erforscht und entwickelt das AIT schon
heute die Technologien, Methoden und Tools von morgen für die
Innovationen von übermorgen.
Durch die Forschung und technologischen Entwicklungen des AIT
werden grundlegende Innovationen für die nächste Generation von
Infrastrukturtechnologien in den Bereichen Energy, Mobility, Health &
Environment sowie Safety & Security verwirklicht. Ergänzt werden
diese wissenschaftlichen Forschungsgebiete um die Kompetenz im
Bereich Foresight & Policy Development.
Das AIT nimmt als Forschungsinstitut eine Brückenfunktion zwischen
Universitäten und Industrie ein und unterstützt StudentInnen durch
die laufende Vergabe von Diplomarbeiten bzw. Dissertationen und
fördert Nachwuchsforscherinnen durch spezielle Programme.
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