• 09.07.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: IWF - ein Saulus wird zum Paulus - von Herbert Geyer

EU und IWF hätten Griechenland, Europa und der Welt viel Leid erspart

Utl.: EU und IWF hätten Griechenland, Europa und der Welt viel Leid
erspart =

Wien (OTS) - Ein Staat ist kein Unternehmen, und die Weltwirtschaft
schon gar nicht. Wenn in einem Unternehmen die Ausgaben höher sind
als die Einnahmen, ist es ein probates und durchaus
erfolgversprechendes Mittel, die Kosten zu senken. Falls das nicht
die Qualität der Produkte beeinträchtigt, bleiben die Einnahmen davon
unberührt, und das Unternehmen ist saniert.

Wenn ein Staat das Gleiche tut, funktioniert das nicht. Denn ein
Großteil staatlicher Ausgaben (z.B. die Beamteneinkommen oder
Investitionsausgaben) fließt direkt in die Wirtschaft. Werden
Staatsausgaben abrupt gekürzt, dann sinkt in der Privatwirtschaft die
Nachfrage, das Wachstum geht zurück - und damit auch die staatlichen
Einnahmen. Wenn es blöd läuft - wie derzeit in Griechenland - steigt
gerade wegen der staatlichen Sparmaßnamen das Defizit.

Das Ganze funktioniert auch weltweit: Wenn ein großer
Wirtschaftskörper wie die Eurozone auf Teufel komm raus spart, dann
beeinträchtigt das die Nachfrage auch auf jenen Märkten, in denen die
Eurozone einkauft: in den Nichteuroländern der EU, in China, Korea
oder Vietnam - mit dem Effekt, dass sich auch diese Länder weniger
Waren aus dem Euroraum leisten können - was wiederum dort die
Rezession vertieft.

Diese an sich nicht ganz neue Erkenntnis wurde bei der Konstruktion
der Sparpakete für Südeuropa vernachlässigt - jetzt beginnt sie sich
auch bei deren Autoren schön langsam durchzusetzen.

Die EU hat bereits mehrfach Fristerstreckungen für Sparziele gewährt,
und der Internationale Währungsfonds (IWF) vergisst neuerdings in
keiner seiner Prognosen darauf hinzuweisen, dass übers Sparen nicht
das Wachstum aus den Augen verloren werden sollte. In der aktuellen
IWF-Prognose (siehe S. 12) liest sich das so: Die Industriestaaten
"sollten einen Politikmix verfolgen, der kurzfristiges Wachstum
unterstützt, abgesichert durch glaubwürdige Pläne für die
mittelfristige Nachhaltigkeit öffentlicher Schulden. Das würde auch
weniger abrupte kurzfristige Budgetanpassungen erlauben."

EU und IWF hätten Griechenland, Europa und der Welt viel Leid
erspart, hätten sie diese Erkenntnis - langfristig wirksame
Strukturreformen zur Sanierung des Budgets, kombiniert mit
kurzfristig wirksamer Konjunkturstützung - bereits in ihren
Sparpaketen berücksichtigt. Aber es ist ja nie zu spät.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

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