Falter: Wieder Jugendlicher mit Besenstiel missbraucht

Justizministerin Karl verschwieg zweiten Vorfall im Jugendgefängnis

Wien (OTS) - Wie die Wiener Wochenzeitung Falter in ihrer morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe berichtet, wurde nicht nur in der Justizanstalt Josefstadt ein Jugendlicher mit einem Besenstiel vergewaltigt. Nur vier Monate vor dem Verbrechen in Wien hatten Insassen einen 16jährigen Gefangenen in der Jugendjustizanstalt Gerasdorf mit einem Besen sexuell missbraucht. Justizministerin Beatrix Karl sprach stets davon, dass der Fall in der Josefstadt ein "Einzelfall" sei.

Der Fall ereignete sich Anfang Januar und wird von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt angeklagt. Der Jugendliche wurde im Freizeitraum des Gefängnisses von einem 17jährigen vergewaltigt. Die Aufsicht durch Beamte hatte versagt. Der mutmaßliche Täter hatte schon in der Josefstadt einen Mithäftling verletzt und wurde deshalb nach Gerasdorf überstellt. In der Justizanstalt wird beklagt, dass sich zu wenige Beamte um zu viele Gefangene kümmern müssten und Verbrechen daher unter den prekären Umständen nicht zu verhindern seien.

Der Falter berichtet weiters über eine Gefängnisstudie, die das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte und der Weisse Ring dem Justizministerium im Januar vorlegten. Darin üben die Experten schwere Kritik an den Zuständen im Jugendknast. Vor allem das Einsatzkommando, das Jugendliche in Notfällen rufen können, würde die Insassen mit Schlägen traktieren und sei deshalb sehr gefürchtet. Jugendliche müssen immer wieder schwere Übergriffe durch Insassen erdulden, so die Studienautoren.

Im Falter meldet sich auch Irene Oberschlick, die Anwältin jenes 14jährigen Buben zu Wort, der in der Josefstadt missbraucht wurde. Die ersten Aussagen von Justizministerin Karl über den Fall seien "unverschämt" gewesen. Die Justiz dürfe keine Jugendlichen mehr in die Josefstadt schicken, weil diese dort "erniedrigender Behandlung" und einem "System der Demütigung" ausgeliefert seien. Jugendrichter, die Minderjährige in die Josefstadt einweisen würden Übergriffe "missbilligend in Kauf nehmen".

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