- 09.07.2013, 09:41:46
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Gebietskrankenkasse gefährdet ärztliche Versorgung in Wien
Angebot von WGKK-Obfrau Ingrid Reischl an Ärztekammer bedeutet Tarifminus von 1,7 Prozent für Wiener Ärztinnen und Ärzte - Gesundheitsreform konterkariert
Utl.: Angebot von WGKK-Obfrau Ingrid Reischl an Ärztekammer bedeutet
Tarifminus von 1,7 Prozent für Wiener Ärztinnen und Ärzte -
Gesundheitsreform konterkariert =
Wien (OTS) - In den laufenden Honorarverhandlungen zwischen der
Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) und der Ärztekammer hat die WGKK
kürzlich ein "Angebot" vorgelegt. "Dieses Angebot ist für uns aber
völlig inakzeptabel", erklärt Verhandlungsführer und
Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart. Das Angebot würde für
das Jahr 2013 unterm Strich ein Tarifminus von 1,7 Prozent und für
das Jahr 2014 sogar ein Minus von 1,9 Prozent quer über alle
Facharztgruppen bedeuten. ****
Man wisse auf Basis gemeinsamer Prognosemodelle, welchen Umfang an
Leistungen die Wiener Patientinnen und Patienten im Jahr 2013 in
Anspruch nehmen werden. Diese Prognosen zeigten einen deutlich
steigenden Bedarf bei den ärztlichen Leistungen im niedergelassenen
Bereich, auch aufgrund der steigenden Bevölkerungszahlen. So ist die
Bevölkerung in Wien in den letzten Jahren von 1,61 Millionen auf 1,73
Millionen im Jahr 2012 gewachsen. Steinhart: "Das Angebot, bei dem
die Ärzte für die vermehrte Inanspruchnahme mit einer Tarifsenkung
bestraft würden, bedeutet somit für die Jahre 2013 und 2014 ein Minus
bei den kassenärztlichen Leistungen von 17 Millionen Euro."
Steinhart hält die Linie der WGKK, auch vor dem Hintergrund der
jüngst angekündigten Gesundheitsreform, für kontraproduktiv. "Ein
Kernpunkt der Reform ist die Verlagerung von Leistungen in den
niedergelassenen Bereich. Zu diesem Ziel bekennen wir uns, die WGKK -
die mit am Verhandlungstisch gesessen ist - offenbar aber nicht
mehr", kritisiert Steinhart.
"Ich verhandle nun bereits seit 15 Jahren mit der WGKK, aber eine
derartige Bankrotterklärung einer WGKK-Führung habe ich noch nie
erlebt", schildert Steinhart den Verlauf der Verhandlungen. "Keine
Gewerkschaft dieses Landes würde in Verhandlungen treten und mit
einem geringeren Tarif abschließen, als sie eingestiegen ist - und
das in einer Situation, wo der Minister sich rühmt, er habe die
Krankenkassen saniert."
Steinhart vermutet hinter dem nunmehr eingeschlagenen Kürzungskurs
der WGKK eine bewusste Strategie. Eine bereits einmal erfolgte
Vertragskündigung durch die WGKK jährt sich 2013 zum zehnten Mal.
"Das aktuelle `Nichtangebot` der WGKK lässt vermuten, dass Reischl
dies wiederholen möchte und die Verträge mit den Wiener Ärztinnen und
Ärzten per 30. September 2013, unmittelbar nach der Nationalratswahl,
aufkündigen möchte."
Neue Projekte wie Mammascreening gefährdet
"Aufgrund des Kürzungskurses der WGKK sind nicht nur die
bestehenden Versorgungsstrukturen gefährdet, sondern auch innovative
gemeinsame Projekte", ist Steinhart überzeugt. Als Beispiel dafür
nennt er das ab Herbst für ganz Wien geplante Mammascreening.
In langwierigen und zähen Verhandlungen haben Ärztekammer und WGKK
ein neues österreichweites Brustkrebs-Früherkennungsprogramm ins
Leben gerufen. Der Start ist für 1. Oktober 2013 geplant. Die
fehlende Bereitschaft der WGKK, die ärztliche Versorgung weiterhin in
vollem Umfang zu finanzieren, gefährde nun auch die Umsetzung des
gesundheitspolitisch wichtigen Mammascreening-Projekts. Die
Verantwortung gegenüber den Versicherten dafür trage WGKK-Obfrau
Reischl, betont Steinhart. (ssch)
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