- 02.07.2013, 20:46:35
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Skandalsumpf, Kommentar zur Vatikanbank von Thesy Kness-Bastaroli
Frankfurt (ots) - Mit Frömmigkeit hat die Vatikanbank traditionell
nicht viel im Sinn - obwohl ihr offizieller Name "Institut für die
religiösen Werke" genau eine solche gottverbundene Haltung
suggeriert. Seit Jahrzehnten machen dem Heiligen Stuhl nicht nur
dubiose Finanzgeschäfte zu schaffen. Manche Vorgänge in der
Geschichte der 1944 gegründeten Bank muten vielmehr regelrecht wie
Teufelswerk an. Der seit März amtierende Papst Franziskus scheint nun
ernsthaft den Versuch zu unternehmen, beim "Istituto per le Opere di
Religione" (IOR) und der päpstlichen Vermögensverwaltung APSA
aufzuräumen und für Transparenz zu sorgen. Das Oberhaupt der
römisch-katholischen Kirche kooperiert nicht nur mit der
italienischen Justiz, sondern lässt auch unmissverständlich wissen,
dass eine Reform der Vatikanfinanzen schleunigst umzusetzen sei.
Zudem steht seine Drohung im Raum, dass die Bank, gegen die nicht zum
ersten Mal wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt wird, der
Aufsicht der Banca d'Italia unterstellt werden könnte.
Nach der Einsetzung einer Sonderkommission, die Licht ins Dunkel der
Finanzen des Kirchenstaates bringen soll, und der jüngst erfolgten
Verhaftung des hochrangigen Geistlichen Nunzio Scarano - ihm werden
Betrug, Geldwäsche und Korruption vorgeworfen - ist mittlerweile
offenkundig, dass auch bisherige Spitzenmanager des Instituts tief im
Skandalsumpf stecken. Generaldirektor Paolo Cipriani und sein Vize
Massimo Tulli traten am Montagabend zurück. Sie sollen von den
Machenschaften des Monsignore Scarano gewusst und dabei geholfen
haben, für mit ihm befreundete Unternehmen anonyme Konten
einzurichten. Übrigens hatte IOR-Präsident Ernst von Freyberg, der
nun zumindest ad interim auch als operativer Chef fungiert, den
beiden noch kürzlich sein volles Vertrauen ausgesprochen. Das wirft
nicht unbedingt ein gutes Licht auf den deutschen Investmentbanker.
Die Vorwürfe gegen die Bank sind vom Feinsten. Angeblich haben nicht
nur italienische Politiker und ausländische Diktatoren, sondern auch
Mafiabosse ihr Geld beim IOR deponiert. Die Staatsanwaltschaft hatte
Cipriani und andere schon länger im Visier - spätestens seit vor drei
Jahren 23 Mill. Euro wegen des Verdachts der Geldwäsche beschlagnahmt
worden waren. Der vormalige IOR-Präsident Ettore Gotti Tedeschi, der
den Schwindel angeblich aufklären wollte, wurde 2012 kurzerhand
entlassen. Sein Comeback ist nicht auszuschließen. Weitere Stühle
wackeln, und die Aufräumarbeiten im Vatikan dürften noch lange nicht
ihren Höhepunkt erreicht haben.
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