ORF gibt Bruchteile des Budgets für Kultur und Wissenschaft aus

Gemeinsame Stellungnahme des ÖJC und der IG Autorinnen Autoren

Wien (OTS/ÖJC) - Der ORF will sparen. Und das, obwohl er im dritten Jahr in Folge mit einem Gewinn von 4,5 Millionen Euro (EGT) neuerlich schwarze Zahlen schrieb. Und so schickt er arbeitswillige erfahrene Redakteure in die staatlich, subventionierte Korridorpension. Er will alle öffentlich-rechtlichen Sendungen und Kultur- und Wissenschaftsevents, wie den diese Woche beginnenden Bachmannpreis, sowie die wöchentliche dok.film-Leiste, die Kinder-Hotline "Rat auf Draht", den eigenproduzierten Mittwoch-Abend, die Musikprotokolle und das Wissenschaftsformat Science Busters und seine Beteiligungen wie am Österreichischen Musikfonds sowie seine erfahrenen Redakteure hinterdrein in die Rente schicken.

Im letzten bilanzierten Jahr 2011 hat der ORF Umsatzerlöse von EUR 936 Mio. erwirtschaftet. Nach eigenen Angaben (OTS 0324 vom 27. Juni 2013) gibt der ORF davon 100 Millionen für die Kultur aus. Das sind knapp mehr als 10 Prozent. Wenn der Bachmannpreis EUR 350.000 und die Musikprotokolle 100.000 kosten, so sind das Bruchteile eines Budgets, die für die Kernaufgaben eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausgegeben werden. Bei solchen für Kunst- und Kulturprogramme genannten Beträgen, die ohnehin noch eingespart werden sollen, taucht unweigerlich die Frage auf, wofür der ORF seine 100 Kulturmillionen ausgibt und warum er 10 Prozent seiner Umsatzerlöse für einen ausreichenden Aufwand für seinen Kultur- und Bildungsauftrag hält.

Die Aussendungen des Generaldirektors Alexander Wrabetz geben über Details keine Auskunft, sie belegen nur, dass er keine Diskussionen über den öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF haben möchte. Nun ist der ORF-Stiftungsrat und die Bundesregierung gefordert. Prekäre Bezahlungen der Journalistinnen und Journalisten, angekündigter Personalabbau, ein Bruchteil der Umsatzerlöse für die Kunst und Kultur, eine inhaltliche Privatisierung des Programms und die Streichung der gesellschaftspolitischen Aufgaben des ORF, um sie nur bei einer eventuellen Gebührenrefundierung aus Steuermitteln weiter zu erfüllen, sind eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks unwürdig.

Der Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, Gerhard Ruiss, und der Präsident des Österreichischen Journalisten Club - ÖJC, Fred Turnheim, fordern daher in einer gemeinsamen Stellungnahme am Montag:
"Die Entscheidung des ORF zur Streichung des Bachmannwettbewerbs, der Musikprotokolle und seiner Kultur- und Wissenschaftssendungen und Beteiligungen ist umgehend zurückzunehmen. Die Erfüllung des Bildungs- und Kulturauftrags ist eine Primäraufgabe des ORF, sie ist an keinerlei Zusatzfinanzierungen zu knüpfen. Wir wollen ein offen gelegtes Zahlenwerk der Ausgaben für seine Kunst- und Kulturprogramme. Und genauso fordern wir ein fachlich versiertes Personal im Umgang mit Kunst und Kultur, das dem ORF mehr und mehr abhanden kommt."

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