• 01.07.2013, 09:51:50
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kroatien darf jetzt nicht nachlassen - von Marijana Miljkovic

Kroatien kann und will sich nicht alles von Brüssel sagen lassen

Utl.: Kroatien kann und will sich nicht alles von Brüssel sagen
lassen =

Wien (OTS) - Kroatien ist seit heute vollwertiges Mitglied der
Europäischen Union. Doch trotz der großen Feierlichkeiten am Vorabend
ist Kroatien nüchtern. Das erstaunt nicht, denn weder zeigte man in
der EU angesichts der Probleme in der Eurozone große Euphorie
gegenüber "dem Neuen", noch ist eine EU in Abwehrhaltung für die
Kroaten attraktiv.

Eine großzügige Geste, wie sie die EU beim Beitritt Bulgariens und
Rumäniens im Jahr 2007 gezeigt hat, ist Kroatiens Beitritt nicht. Bei
Kroatien setzte die EU-Kommission viel höhere Maßstäbe an, als es bei
den bisherigen Erweiterungsrunden der Fall war. Kein Land wurde so
auf Herz und Nieren geprüft wie Kroatien. Gerade deswegen kennt man
die Mängel Kroatiens genau. Sie alle beheben konnte man nicht.

Die kroatischen Unternehmen sind nicht konkurrenzfähig, obwohl
bekannt war, was und vor allem wer auf sie zukam: Firmen, die den
Markt von 500 Millionen EU-Bürgern schon spielend bedienen. Die
Einbußen durch den Austritt aus der CEFTA haben die Firmen
verschlafen, die den Kopf in den Sand gesteckt haben.

Zu einer richtigen Konkurrenz könnte noch der Tourismus werden, doch
das erst langfristig. Der Glaube, dass man die schönste Küste der
Welt hat und sich daher nicht anstrengen muss, wird durch die
kontinuierlich zurückgehenden Einnahmen in dem Sektor, trotz
wachsender Ankünfte und Nächtigungen, Lügen gestraft. Die
strukturellen Probleme sind erheblich, Angebote, die die nur vier
Monate dauernde Saison verlängern könnten, stehen erst am Anfang.
Es lässt sich jedoch nicht leugnen, dass Kroatien, das vor 22 Jahren
seine Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärte und von 1991 bis 1995
ein Kriegsschauplatz war, eine Transformation zu einem besseren Land
gemacht hat. Ebenfalls nicht zu leugnen ist der Druck der EU, ohne
welchen es nicht dazu gekommen wäre. Etwa, dass ein Premierminister
wegen Korruption angeklagt und verurteilt wurde. Es zeigt auch, wie
tief der Sumpf eigentlich ist.

Kroatien ist bei künftigen Reformen nicht auf sich allein gestellt.
Doch alles will und kann sich das Land von Brüssel nicht vorschreiben
lassen. Doch der Prozess darf nicht nachlassen, mit dem Beitritt
sollte er erst begonnen haben.

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