WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kroatien darf jetzt nicht nachlassen - von Marijana Miljkovic

Kroatien kann und will sich nicht alles von Brüssel sagen lassen

Wien (OTS) - Kroatien ist seit heute vollwertiges Mitglied der Europäischen Union. Doch trotz der großen Feierlichkeiten am Vorabend ist Kroatien nüchtern. Das erstaunt nicht, denn weder zeigte man in der EU angesichts der Probleme in der Eurozone große Euphorie gegenüber "dem Neuen", noch ist eine EU in Abwehrhaltung für die Kroaten attraktiv.

Eine großzügige Geste, wie sie die EU beim Beitritt Bulgariens und Rumäniens im Jahr 2007 gezeigt hat, ist Kroatiens Beitritt nicht. Bei Kroatien setzte die EU-Kommission viel höhere Maßstäbe an, als es bei den bisherigen Erweiterungsrunden der Fall war. Kein Land wurde so auf Herz und Nieren geprüft wie Kroatien. Gerade deswegen kennt man die Mängel Kroatiens genau. Sie alle beheben konnte man nicht.

Die kroatischen Unternehmen sind nicht konkurrenzfähig, obwohl bekannt war, was und vor allem wer auf sie zukam: Firmen, die den Markt von 500 Millionen EU-Bürgern schon spielend bedienen. Die Einbußen durch den Austritt aus der CEFTA haben die Firmen verschlafen, die den Kopf in den Sand gesteckt haben.

Zu einer richtigen Konkurrenz könnte noch der Tourismus werden, doch das erst langfristig. Der Glaube, dass man die schönste Küste der Welt hat und sich daher nicht anstrengen muss, wird durch die kontinuierlich zurückgehenden Einnahmen in dem Sektor, trotz wachsender Ankünfte und Nächtigungen, Lügen gestraft. Die strukturellen Probleme sind erheblich, Angebote, die die nur vier Monate dauernde Saison verlängern könnten, stehen erst am Anfang. Es lässt sich jedoch nicht leugnen, dass Kroatien, das vor 22 Jahren seine Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärte und von 1991 bis 1995 ein Kriegsschauplatz war, eine Transformation zu einem besseren Land gemacht hat. Ebenfalls nicht zu leugnen ist der Druck der EU, ohne welchen es nicht dazu gekommen wäre. Etwa, dass ein Premierminister wegen Korruption angeklagt und verurteilt wurde. Es zeigt auch, wie tief der Sumpf eigentlich ist.

Kroatien ist bei künftigen Reformen nicht auf sich allein gestellt. Doch alles will und kann sich das Land von Brüssel nicht vorschreiben lassen. Doch der Prozess darf nicht nachlassen, mit dem Beitritt sollte er erst begonnen haben.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001