Ö1 Hörspielsommer mit Martin Esslin, Klaus Schöning und Bundesländertour "Über die Länder"

Wien (OTS) - Martin Esslin (ab 2.7.) und Klaus Schöning (ab 23.7.) haben das Genre Hörspiel richtungsweisend beeinflusst - im Juli und August stehen sie und ihre Produktionen im Mittelpunkt des "Hörspiel-Studios" (dienstags, 21.00 Uhr). Die "Hörspiel-Galerie" (samstags, 14.00 Uhr) begibt sich ab 6.7. mit signifikanten Produktionen aus den Landesstudios "Über die Länder".

Martin Esslin (ab 2.7.) und Klaus Schöning (ab 23.7.) im "Hörspiel-Studio"

Der Theater- und Hörspielmann Martin Esslin war ein Wegbereiter des modernen Theaters: 1918 in Budapest geboren, in einer jüdischen Familie christlich erzogen, ausgebildet als Regisseur am Max-Reinhardt-Seminar, 1938 zur Emigration gezwungen. Als Leiter der Hörspielabteilung der BBC (1963 bis 1977) hat er das britische Kulturleben nachhaltig beeinflusst. Er förderte Schriftsteller wie Harold Pinter, Arnold Wesker oder Tom Stoppard und sorgte dafür, dass viele kontinentaleuropäische Stücke - unter anderem von Jean Genet oder Eugene Ionesco - erstmals ins Englische übersetzt und als Hörspiel inszeniert wurden. Martin Esslin war aber auch ein bedeutender Theaterkritiker und -wissenschafter: Sein 1961 erschienenes Buch "Das Theater des Absurden" gilt heute noch als Standardwerk. Im April 2000, zwei Jahre vor seinem Tod, wurden in Berlin und London Gespräche mit dem originellen Denker und begnadeten Erzähler aufgenommen. Das "Hörspiel-Studio" bringt diese in drei Teilen am 2., 9., und 16. Juli um 21.00 Uhr: "Diesseits des Absurden. Der Theater- und Hörspielmann Martin Esslin".

Klaus Schöning, Begründer des sogenannten "Neuen Hörspiels" und des Studios für Akustische Kunst beim Westdeutschen Rundfunk, versteht das Hörspiel nicht mehr als "Radiotheater", sondern als "akustische Kunst" und bringt neue Akteure ins Spiel:
Sprachspieler/innen und Wortartist/innen, Soundkünstler/innen und Musiker/innen. Ab 23.7. untersucht Klaus Schöning "Die vier Elemente der akustischen Kunst" und geht in vier Teilen der Frage nach, welchen Niederschlag die einzelnen Elemente in der Kunst, vornehmlich in der Musik und in der Ars Acustica, finden und gefunden haben:
"Aqua - Vom Klang des Wassers" (23.7.), "Terra - Vom Klang der Erde" (30.7.), "Aer - Vom Klang der Luft" (6.8.), "Ignis - Vom Klang des Feuers" (13.8.).

"Über die Länder" mit der "Hörspiel-Galerie" ab 6.7.

"Über die Länder" begibt sich die "Hörspiel-Galerie" (samstags, 14.00 Uhr) im Sommer und bringt signifikante Produktionen aus allen neun Landesstudios. Die Revue beginnt im Burgenland am 6.7. mit Ladislav Mnackos "Tschistka" ("Säuberung") aus dem Jahr 1983: Die böse Satire zeigt, wie simpel und zugleich raffiniert totalitäre Regimes mit der menschlichen Niedertracht zu operieren vermögen. Mit Irina David, Jürgen Wilke, Adolf Lukan u.a. in der Regie von Fritz Zecha. "Oben im Wald bei diesen Leuten" von Friedrich Ch. Zauner, eine oberösterreichische Produktion aus dem Jahr 1978, ist am 13.7. zu hören: Ein Kriminalinspektor gerät in ein beinahe archaisches Dorf, wo in einer abgelegenen Fremdarbeiterbaracke ein Kroate umgebracht worden ist. Der Vorfall bringt allerhand Bewegung -allerdings zunächst kaum Menschliches. Mit Katarina Blazevic, Erne Seder, Harry Fuss, Josef Hirt u.a., Regie: Wolf Neuber.

Kleinbürgerliche Spießigkeit und wohlfeile Lebenslügen aber auch die Sehnsucht nach Liebe und Ehrlichkeit thematisiert am 20.7. "Promotion" des Grazers Franz Buchrieser, der auch Regie führte. In der Produktion aus dem Jahr 1981 wirken u.a. Brigitte Antonius, Ute Radkohl und Kurt Hradek mit; und aus Wien ist am 27.7. Hermann Bahrs "Der Selige" aus dem Jahr 1978 zu hören: die Geschichte von dem im Krieg verschollenen Ehemann, der für tot erklärt wird und schließlich prompt wieder auftaucht. Regie: Hans Krendlesberger, mit Gertraud Jesserer, Herwig Seeböck u.a.

"Die Fundamentalisten" aus dem Jahr 1999 von Günther Schatzdorfer steht am 3.8. auf dem Programm: In einem Salzburger Seminarhotel möchte eine Runde gepflegter Individualisten noch schnell vor dem Megaevent der Jahrtausendwende Fragen der vegetarischen Ernährung in Bezug auf religiöse Konfessionen klären und ladet prompt mitten in ihren eigenen Vorurteilen. Mitwirkende sind u.a. Louise Martini, Alexandra Tichy und Erwin Steinhauer. Aus Kärnten ist am 10.8. "Im Herbst" von Bernhard C. Bünker (1988) in der Regie von Conny Hannes Meyer zu hören, u.a. mit Gerhard Lehner, Anita Mickl und Siegmar Bergelt, und aus Niederösterreich am 17.8. "Protokollaufnahme" von Hermann Gail aus dem Jahr 1979: Es ist das Protokoll, das den ganz gewöhnlichen Alltag zuspitzt und schärft, das aus allfälligen Begebenheiten Tatbestände und Sachlagen macht. Mit Edd Stavjanik, Herbert Probst, Emmy Werner u.a., Regie führte Alfred Treiber.

Aus dem Landesstudio Vorarlberg ist am 24.8. Robert Schneiders "Komödie vom deutschen Heimweh" aus dem Jahr 1999 zu hören - ein Spiel von der Suche nach Nähe und Distanz zugleich, von der Gefährlichkeit und der Chance des Miteinander. Mit Julia von Sell, Cornelia Lippert, Martin Schwab u.a. Bearbeitung und Regie: Klaus Gmeiner. Die letzte Ausgabe der Sommerserie kommt am 31.8. aus Tirol mit Otto Grünmandls "Das Schottenschlössel" (1991): Der "unermesslich reiche" Whisky-Produzent John Walter Adam MacCurequodale hat sich unsterblich in die Tirolerin Maria Kalser verliebt. Für sie baut er das Schottenschlössel als Sommerfrische und träumt davon, Dudelsack und Whisky in der Tiroler Folklore zu verankern. Mit Dietmar Schönherr, Otto Grünmandl, Kurt Weinzierl u.a., Regie: Josef Kuderna. Nähere Informationen zum Programm von Österreich 1 sind abrufbar unter oe1.ORF.at.

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